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Rolle von Activity Streams für die Erzeugung neuen Wissens im Arbeitsprozess

22. April 2013
(c) Harold Jarche

(c) Harold Jarche

Im Rahmen meiner Arbeit als IT-Consultant werden mir immer wieder ähnliche Fragen gestellt, von Seiten der Kunden, aber auch von Kollegen:

  1. Wozu ist ein Social Network und insb. ein Activity Stream im Intranet gut, von dem jetzt alle reden?
  2. Was soll dieses Collaboration mehr sein als “Zusammenarbeit”?

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Beides nicht ganz einfach zu beantworten. Vor ein paar Tagen wurde ich via Twitter-Hashtag #km auf einen Artikel von Harold Jarche aufmerksam, die Antworten auf diese Fragen bietet. In seinem Artikel “Competitive Knowledge” geht es ihm um die Frage, wie sich sog. “Kernwissen”, das Competitive Knowledge, eigentlich im Unternehmen entwickelt? Wie das entsteht? Die Kernaussage Jarches steht direkt in der Graphik:

Communities of Practice filter new knowledge to find competitive knowledge

Jarche zeigt eine Graphik, die ich einfach und sehr gelungen finde, da sie den Lernprozess innerhalb von Unternehmen gut zusammenfast:

(c) Harold Jarche

(c) Harold Jarche

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1. Frage: Wozu ist ein Activity Stream im Intranet gut?

Die Graphik hat zwei Achsen, die einen Verlauf visualisieren von “strukturiert > informell” und “zielorientiert > anlassbezogen”. Ich lese diese Graphik von rechts oben nach links unten:

Die Kommunikation und Collaboration innerhalb von Sozialen Netzwerken und insbesondere Activity Streams ist a) informell und b) anlassbezogen. Was hier diskutiert und entwickelt wird, hilft ad hoc, ist aber für sich gesehen kein Ersatz für strukturierte und zielorientierte Arbeitsprozesse. Statt Ersatz für klassische Zusammenarbeit ist es eine Ergänzung, da hier Meinungen und Informationen zusammengebracht werden, aus denen neues Wissen entsteht.

Nach Jarche fließt dieses anlassbezogene neue Wissen aus Sozialen Netzwerken über Communities in die eigentlichen Teamarbeitsbereiche. Activity Streams sind in diesem Modell sowas wie “Brutstätten” neuer Ideen, die in Communities verfeinert und gefiltert werden, bevor sie als entwickeltes neues Kernwissen für zielorientierte und strukturierte Zusammenarbeit zur Verfügung stehen.

Das passt genau zu meiner These dass Activity Streams im Intranet vor allem als Ergänzung für Ad-hoc-Austausch und Serendipity einen wertvollen Beitrag liefern. Dazu auch diese Graphik von mir:

Was ist Collaboration 4 - Kopie

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2. Frage: Was ist Collaboration über “Zusammenarbeit” hinaus?

Mir gefällt an dieser Graphik von Jarche vor allem, dass hier die Themen Collaboration und Wissensmanagement nicht separat behandelt werden, sondern als Gesamtsystem gesehen werden. Die Abfolge in der Graphik ist ein Collaborationssystem aus Newsfeed > Communities > Teamarbeitsbereich.

Nach einem enggefassten Verständnis ist Collaboration das gleiche wie Zusammenarbeit: mehrere Leute arbeiten zielgerichtet an einem gemeinsamen Thema, um bestimmte Ergebnisse zielgerichtet zu entwickeln. Das wäre in der Graphik links unten der Bereich der “Work Teams”. Nun ist es aber leider so, dass in einem wissensintensiven komplexen Arbeitsumfeld Wissen schnell veraltet und selten vollständig zur Verfügung steht.

Wissen muss entwickelt oder zumindest immer wieder erneuert werden. Wissen zu entwickeln, von dem man vielleicht noch nicht weiß wer die Träger des Wissens sind, wie umfangreich das Wissen sein wird, und welche neue Fragen die Antworten bringen werden, ist das Gegenteil eines “zielorientierten” Arbeitsprozesses.

Wissen zu entwickeln muss also ein der zielgerichteten Zusammenarbeit vorgelagerter Schritt sein. Collaboration hat nach diesem Modell folgende Eigenschaften:

  • Zielgerichtete Zusammenarbeit, um Ergebnisse zu produzieren
  • Kommunikation über den Arbeitsgegenstand
  • Kommunikation über Themen, die die Arbeitsgegenstände betreffen
  • Verständigung über vorhandenes und erforderliches Wissen
  • Entwicklung des erforderlichen Wissens (Competitive Knowledge) in einem stufenweisen Prozess, um Ergebnisse zu ermöglichen!

Fazit:

Mich überzeugt das Modell, und ich werde es im nächsten Kundenworkshop ausprobieren, zur Frage warum ein Activity Streams auf einer Intranet-Startseite Sinn macht. Warum das, was im Activity Streams abläuft, kein sinnloses Geplauder ist, das von der Arbeit abhält, sondern ein integrierter Bestandteil der Arbeit sein sollte: wegen Wissensmanagement, und damit verbunden besseren Arbeitsergebnissen

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