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#gcmuc (1): Gamification – Warum Schule oft ein mieses Game ist

24. Juni 2013

nl_bildAuf dem GameCamp Munich 2013 (#gcmuc) hatte ich eine Menge Spaß, und vor allem viele Anregungen zu einem Thema, das mich immer wieder (halb-)beruflich fesselt: Gamification. Den Anfang einer Reihe von Artikeln über Gamification auf dem #gcmuc macht der hier: Gamification und Schule – der Artikel ist am einfachsten zu schreiben ;-). Über Gamification und Schule wurde in den Sessions gesprochen, und noch mehr in den Diskussionen zwischen den Sessions.

Angenommen Schule wäre bewusst nach Spielprinzipien konzipiert worden. Würde sie dann so aussehen wie jetzt? Leider nicht. Ich neige sogar dazu zu sagen, dass der normale Schulbetrieb ein besch… designtes Game wäre.

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Gamification ist kurzgefasst: Anwendung von Spielprinzipien in Nicht-Spiel-Kontexten, um Motivation zu verstärken, und Ziele zu erreichen. So. Erzeugt oder verstärkt der normale Schulbetrieb Motivation? Ok, war nur eine rhetorische Frage … Natürlich nicht ;-) Die meisten Menschen kennen das. Und das ist jammerschade, denn eigentlich sollte Schule junge Menschen bei ihrer angeborenen Neugier und Lerneifer abholen und deren Motivation, die alle Kinder im Prinzip zu Beginn der Schule haben, aufgreifen und verstärken. Tut sie aber nicht.

Von Barbara Köhler habe ich dieses Wochenende gelernt dass „Motivation“ aus zwei Komponenten besteht. Vor allem die zweite wird oft vergessen:

  1. Wille
  2. Glaube an Machbarkeit!

Barbara meinte dass Ihrer Meinung nach kein Spiel je wie Schule funktionieren würde. Normalerweise seien Spiele so aufgebaut dass man pro Level Punkte bekommen kann. Hätte man mal einen schlechten Lauf gäbe es zwar wenige oder keine Punkte, oder man verliert ein “Leben”, aber die schlechte Leistung würde einem nicht auf die Gesamtleistung angerechnet. Verschlechterung sei eher relativ, wenn die anderen an einem vorbeiziehen. Aber man würde eben nicht herabgestuft.

Schule macht aber genau das.

Erfolg motiviert fast von allein. Jeder kennt das. Schreibt man eine 1, will man wieder eine 1. Vielleicht gibt man sich sogar mehr Mühe, um den Schnitt zu halten, und wieder diese Anerkennung zu bekommen. In so einem Fall muss kaum einer extra motiviert werden.

Die Demotivationsfalle schnappt aber zu, wenn jemand nach einer 1 eine 4 schreibt. Eine 4 ist so gesehen ein derber Misserfolg. Das knickt, das nagt am Selbstbewusstsein. Noch schlimmer aber ist dass man herabgestuft wird: eine 1 und 4 ergeben 5 / 2 = 2,5. Durch das Instruments des “Gesamtnotenschnitts” kann ein Schüler jederzeit einen “Level” herabgestuft werden.

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2Und das kann richtig tückisch sein. Ich habe einen 18-jährigen im persönlichen Umfeld, der in der Schule durchhängt, obwohl er offensichtlich intellektuell was drauf hat. Aber bei ihm sehe ich das gleiche wie bei mir damals als Realschüler: je mehr schlechte Noten man hat, umso mehr ist es dann auch egal. Denn wenn insgesamt nur Durchschnittsnoten zählen, reißt es eine gute Note dann auch nicht mehr heraus. Je mehr schlechte man hat, umso weniger motiviert es sich anzustrengen. Klar, wenn sogar die Versetzung gefährdet ist greift wieder eine negative Anreiz, um große Nachteile zu verhindern, aber “Motivation” ist das nicht – vielleicht ist der Wille dann stärker, aber der Glaube an die Machbarkeit, der ist natürlich dann noch geringer!!! Notengebung in der Form senkt Motivation genau dann wenn sie nötiger denn je wäre!

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In einer weiteren Gamification-Session bei Roman Rackwitz stellte einer der Teilnehmer eine weiterführende, ganz banale Frage. Auf die Äußerung von Roman, dass Lernen eine völlig normale angeborene menschliche Verhaltensweise sei, die auch noch massiv biochemische Belohnungen erzeugt, fragte er zurück:

Wenn Lernen sich so toll anfühlt, und so menschlich ist, warum macht Schule dann so oft keinen Spaß?

Roman skizzierte einige Punkte, die es wert sind im nächsten Artikel zu Gamification auf dem #gcmuc vertieft zu werden. Er identifizierte:

  • Keine Freiwilligkeit: Ein Game lebt von Freiwilligkeit der Teilnahme. Aus Interesse am Thema, aus Lust an der Herausforderung. Aus dem Game “Schule” kommt man nicht raus, auch wenn die Motivation unten ist, oder die “Challenge” (Herausforderung) einen nicht reizt
  • Zuwenig Feedback: Rückmeldung bekommt man in der Schule eher selten, und eher dann wenn es zu spät ist
  • Wenig Bedeutung:  Die meisten kennen den Spruch: “Nicht für das Leben, für die Schule leiden wir”. Ist flapsig, aber zeigt ein Grundproblem auf: Wofür mache ich das? Was bringt mir das? Schule ist mies, ganz mies, das den Schülern zu vermitteln. Vor allem für diejenigen, die mehr Motivation nötig hätten weil´s nicht so toll läuft
  • Für die meisten in einer Klasse kein Flow: Gleichgewicht aus Herausforderungen und Fähigkeiten.

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Make Learning an adventure

Dass es auch anders geht, ist kein “Was wäre wenn?”, sondern konkret belegbar. Auf ein Beispiel habe ich kürzlich schon mal in einem Artikel hingewiesen: Die “World of Classcraft” in Quebeck, In der ein junger ethusiastischer Lehrer den Unterricht und das Drumherum in ein Fantasy-Rollenspiel verwandelt, das völlig ohne Verkleidungen und Rechner auskommt – nur in der Phantasie. Und es funktioniert sogar genauso gut bei den Mädchen wie den Jungs …

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DISCLAIMER: Alle Inhalte in diesem Blog spiegeln meine subjektive Meinung wider, und entsprechen nicht zwingend der Meinung meines Arbeitgebers, der Firma Alegri in München.

7 Kommentare leave one →
  1. 26. Juni 2013 20:42

    Hat dies auf Ich sag mal rebloggt.

  2. 27. Juni 2013 11:12

    Hat dies auf Engaginglab rebloggt.

  3. 4. Juli 2013 12:51

    “Durch das Instruments des “Gesamtnotenschnitts” kann ein Schüler jederzeit einen “Level” herabgestuft werden.” – “Aber bei ihm sehe ich das gleiche wie bei mir damals als Realschüler: je mehr schlechte Noten man hat, umso mehr ist es dann auch egal. Denn wenn insgesamt nur Durchschnittsnoten zählen, reißt es eine gute Note dann auch nicht mehr heraus. Je mehr schlechte man hat, umso weniger motiviert es sich anzustrengen.”

    Könnte man ein Notensystem konstruieren, das bei genügend vielen (neuen) guten Noten, die alten, schlechten Noten “löscht” und so den Durchschnitt (ab dem Zeitpunkt “genügend viele”) sprunghaft verbessert?

    Beispiel: Wer erst 1en und 2en schreibt, danach 4en, und dann wieder genügend viele 1en und 2en, dem werden die 4er aus dem Durchschnitt “herausgerechnet” und er kann von Durchschnitt 3,0 auf 2,0 springen.

    • 4. Juli 2013 15:23

      Das wäre eine Möglichkeit. Eine andere Möglichkeit wären durchgängig sich akkumulierende Punkte statt Noten. Das wäre dann eher wie in einem Spiel, dass man in einem “Level” zwar keine Punkte erhalten könnte, aber man dafür wenigstens nicht mehr dafür bestraft wird durch ein “Downgrade”

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