Streifzüge

Beobachtungen von einem der auszog das Neue zu suchen

Archiv für 'Soziale Medien' Kategorie


Helsinki: Towards “Wikicity” 2.0

Verfasst von Ludwig am Juni 24, 2008

Es ist schon merkwürdig: auf der einen Seite wird die Politik im Westen immer paranoider (Stichwort Vorratsdatenspeicherung oder Bundestrojaner), auf der anderen Seite verbreiten sich Beispiele immer mehr, bei denen Bürger zur partizipativen Mitwirkung zunehmend strategischer Fragen aufgefordert werden. In dem Fall stieß ich bei Jörg Hoewner auf einen spannenden Artikel, der sich mit der Stadtplanung Helsinkis mit Web 2.0-Technologien befasst. Zitat:

Im Rahmen eines Wettbewerbs wurden Stadtplaner aufgerufen, eine Vision für Helsinki 2050 zu entwickeln, wie kann sich die Stadt weiterentwickeln, wenn es dort bis dahin voraussichtlich 700.000 Einwohner gibt?

Den zweiten Platz machte Demos Helsinki mit City 2.0. Die Idee dahinter ist, Konzepte aus Open Innovation und Social Software auf die Stadtentwicklung zu übertragen - im Kern also geht es um die EInbindung der Bewohner in die Entwicklung, d.h. wie Mokka sagt um “Wikicities” oder “citizen-built cities”.

Eine (absolut faszinierende) Dokumentation auf Englisch lässt sich hier herunterladen.

Interessant: Genauso wie beim neuseeländischen Polizeiwiki handelt es sich mal wieder um ein kleines Land, das auf innovative Verfahren setzt. Demgegenüber vermisste ich so etwas in meiner neuen Heimat München, in der gerade eine interessante Ausstellung zur zukünftigen Entwicklung der Stadt im Rathaus stattfindet (Zukunft findet Stadt) - leider passives informieren, aber ohne Gestaltungsmöglichkeiten.

Interessant ist die zugrundeliegende Philosophie, die aus der Dokumentation deutlich wird, die Geisteshaltung. Historisch gesehen hätte sich die Mentalität der Bürger von “I need” über “I want” und “I can” zu “We can” entwickelt. Zitat:

We can build an inspiring City. We call this vision City 2.0, the Social Silicon Valley“.

Die Kommune definiert sich als Summe der einzelnen Teile, die alle die Gemeinschaft formen. Den Bürgern wird Gemeinschaftsinn unterstellt, an den apelliert wird, auf den das Konzept aufsitzt. Sehr schön ist auch dieses Zitat:

Organisations and cities that want to innovate, have to take risks and learn from failure. People have to try, fail a bit, learn, adapt, and try again.

Vergleichbar zu Web 2.0 in Unternehmen wird Entwicklung als offener Prozess begriffen, immer auf der Höhe des jeweiligen Kenntnisstands. Fehlentwicklungen werden gleich miteingeplant, um darauf reagieren zu können. Lesenswert.

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Lässt sich mit Web 2.0 Geld verdienen? Ich denke schon

Verfasst von Ludwig am Juni 4, 2008

Es häufen sich zurzeit die Artikel, die sich kritisch mit den Geschäftsmodellen der Web 2.0-Branche auseinandersetzen. Den Anfang dieser von mir wahrgenommenen Serie machte das Magazin BrandEins mit dem schönen Titel “Nach dem Rausch” mit dem Schwerpunkt Social Networking und die nach wie vor unklaren Potentiale von personalisierter Werbung. Im Grunde wird im Artikel Web 2.0 synonym für Social Networking verwendet, was dem Sammelbegriff Web 2.0 nicht wirklich gerecht wird. Mark Pohlmann vom Themenblog stößt erstmal ins gleiche kritische Horn bezüglich Monetarisierung durch Werbeeinnahmen von Social Networking. Interessanterweise bleibt er aber bei dem einen Aspekt nicht und meint:

“Die eigentliche Wertschöpfung von Communities, Foren und Blogs ist, dass sie einen digitalen Aufenthaltsraum schaffe, den es vorher nicht gab. Es ist wie eine Strandparty. Sie ist eben auch kein Geschäftsmodell, kann aber sehr wohl geschäftlich genutzt werden. Zum Beispiel, um Getränke zu verkaufen oder gute Kontakte zu knüpfen, die woanders monetarisiert werden.”

Daran anschließend ist mein gedanklicher Ansatz für Web 2.0-Geschäftsmodelle sehr viel mehr auf den Mittelstand und dessen noch unerschlossene Potentiale in Bezug auf Kommunikation, Wissensmanagement und Innovation bezogen. In einem ähnlichen Sinne in dem sich Matthias Schwenk damit auseinandersetzt. Ich meine konkrete Dienstleistungen mithilfe von Sozialen Medien für Unternehmen, die eine konkrete Nachfrage bedienen.

Im Rahmen einer Projektidee, die ich an dieser Stelle ausführlich skizziert habe, machte ich mir konkrete Gedanken zu diesem Thema. Ganz grob gefasst geht es ein branchenspezifisches Bedürfnis nach individuellem und kollektivem Wissensmanagement, das mithilfe eines öffentlich zugänglichen Wikis befriedigt werden könnte.

Aber wie damit Geld verdienen? Wer sich auch nur ein bisschen mit Wikis befasst hat weiß dass man die Zugangshürden so niedrig wie möglich halten sollte, um eine kritische Masse aktive Nutzer zusammen zu bekommen. Zugang zum Wiki und Editieren müssen kostenlos bleiben.

In der ersten Stufe - die auch ein fortlaufendes Standbein sein kann - liegt der Schwerpunkt auf Beratung zum Umgang mit Wikis für Wissensmanagement bzw. die Arbeitsweise damit. Lesenswert sind in dem Zusammenhang zwei Artikel des Multimediablogs einmal zu Training und einmal zu Consulting.

Kostenpflichtig könnte man den Zugang zu exklusiven Informationen machen: Wer ist der Urheber eines bestimmten Artikels? Wer hat dieses Spezialwissen, wenn ich einen Experten zu dieser Art von Dienstleistung suche? Wie lautet der Name und die Kontaktdaten? Wobei offen wäre, wer bezahlt? Der Urheber für die prinzipielle Sichtbarkeit oder der Suchende auf Nachfrage?

Eine weitere Möglichkeit wäre ganze Wikis für Wissensmanagement anzubieten - Expertise in Einrichtung und Administration wäre durch die erfolgreiche Einführung des Branchenwikis selbst gegeben. Sei es als interne Lösungen, öffentlich oder ganz elegant als integrierte zugangsbeschränkte Systeme innerhalb des Branchenwikis, wie es z.B. Twiki ermöglicht. Ein Subwiki könnte Verlinkungen nutzen und gleichzeitig Firmeninterna speichern.

In der zweiten Stufe, wenn kritische Masse im Sinne von erschöpfender Abdeckung einzelner Aspekte des Themas erreicht ist, würden Skalierungseffekte möglich werden: Ausdruck in Handbüchern von einzelnen Aspekten oder des ganzen Wikis, on demand möglicherweise und immer aktuell. Voraussetzung wäre natürlich eine entsprechende Lizenzierung der Inhalte…

Selbstverständlich gäbe es keinen Grund passende Werbung einzublenden, aber darauf verlassen würde ich mich nicht.

Ein solches offenes Modell würde auch der Empfehlung Andreas Göldis zum Geschäftsmodell gerecht werden: “Früh anfangen, ständig experimentieren, schnell anpassen” - offen bleiben für Entwicklungen und Chancen, die sich unverhofft auftun. Ich denke, so kann Web 2.0 als Geschäftsmodell auf einer niedrigeren Ebene funktionieren.

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IBM: Richtlinien dienen Wissensmanagement und Innovation

Verfasst von Ludwig am Juni 2, 2008

Durch die Zusage meines neuen Jobs kurzfristig recht in Anspruch genommen arbeite ich mich gerade durch meine gespeicherten Links zu spannenden Blog-Artikeln, die die letzten Tage aufgelaufen sind. Nachdem ich mich gestern zu den internen und externen Kommunikationsrichtlinien für IBM-Mitarbeiter insbesondere aus PR-Sicht geäußert habe finde ich doch tatsächlich noch einen weiterführenden Artikel zum Thema, den ich Wert finde unter die Leute gebracht zu werden. Basis des Artikels im Blog “Redaktionelles Wissensmanagement” ist ein Interview mit “Peter Schütt, zuständig für Knowledge Management & Social Networking Solutions bei IBM, kürzlich bei der Bürgerjournalismus-Konferenz re:publica in Berlin“.

Schon im vorangegangenen Artikel habe ich auf die positiven Effekte hingewiesen, die IBM in den internen und externen Äußerungen seiner Mitarbeiter sieht, ebenso auf die Betonung in den Richtlinien, sich nach Möglichkeit zu vernetzen. Da sich die Kombination aus Kommunikation, Wissensmanagement und Innovation immer mehr zu einem Steckenpferd entwickelt fragte ich mich auch, ob hinter den Richtlinien auch eine Innovationsstrategie steckt, wie sie für Coremedia beschrieben wurde? Sie tut es.

Nach Aussage von Peter Schütt bescheren “Wissensmanagement-Werkzeuge der Generation 2.0 [wie Wikis, Blogs, etc.] der Unternehmenskommunikation [...] Zugang zum Long Tail des Wissens ihrer Mitarbeiter“. Die Formulierung hat es in sich: Es ist nicht die Rede vom “Unternehmen”, sondern von der “Unternehmenskommunikation”, die Zugang hat - und verwerten kann. Leider wird auf die veränderte Rolle der PR innerhalb des Innovationssystems im weiteren Text keinen Bezug mehr genommen.

Hinter der “Großzügigkeit”, die Mitarbeiter an der langen Leine zu lassen, um sich zu äußern und über gegenseitige Referenzen unabhängig von der Linienorganisation autonom zu organisieren, steckt die Möglichkeit im nächsten Schritt diese Konversationen bzw. diese Informationen wieder zu aggregieren. Der Schwerpunkt des Interesses liegt auf den Ideen und Gedanken, die eben nicht dem internen “Mainstream” entsprechen.

Mehr möchte ich gar nicht zitieren, denn der Artikel ist die vollständige Lektüre allemal Wert: Link.

Für die Zukunft - im Hinblick auf meinen neuen Job - würde ich gern die Frage vertiefen, auf welche Weise sich diese Instrumente des Enterprise 2.0 für die Kommunikation des Veränderungsmanagements nutzen lassen? Spontan fallen mir gleich mehrere Vorteile ein, die dafür sprechen:

  • Mit den Sozialen Medien sind die Instrumente vorhanden um prinzipiell jedem die Möglichkeit zu geben sich in den Veränderungsprozess einzubringen und sich zu vernetzen.
  • Wer sich ermuntert fühlt sich zu äußern fühlt sich ernst genommen. Simpel aber wahr.
  • Die Möglichkeit zu kommentieren und damit verbunden auch zu gestalten gibt den Mitarbeitern gefühlte Autonomie. Das Gegenteil wäre Ohnmacht, dem Prozess ausgeliefert zu sein.
  • Soziale Medien sind eine Alternative und Ergänzung z.B. zu Workshops - kein Ersatz - um vorhandenes implizites Wissen der Mitarbeiter sichtbar zu machen. Ich schätze, gerade im Krisenfall kann sich kein Unternehmen erlauben auf die vorhandenen Ressourcen zu verzichten. Gerade bei Umstrukturierungen haben die Mitarbeiter ein sehr viel höheres Wissen über die Prozessabläufe als das Management. Woher auch?

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