Streifzüge

Beobachtungen von einem der auszog das Neue zu suchen

Politik 2.0: Obama und co.

Verfasst von Ludwig am Mai 12, 2008

Zu meiner großen Überraschung wird mein erster Blog-Artikel zu den Open-Source-Elementen der Kampagne Obamas noch immer aufgerufen - teils direkt, teils über Suchmaschinen. Ebenso die Fortsetzung.

Aus dem Grund möchte ich heute auf einen passenden interessanten Artikel auf der zeit.de aufmerksam machen: Demokratie: Wie das Web demokratisches Engagement fördert. Aufhänger des Artikels ist ein Interview mit Micah Sifry, dem Autor des Blogs techpresident.com zum aktuellen Präsidentschafts-Wahlkampf.

Sifry setzt sich mit den Online-Strategien der Kandidaten auseinander - entsprechend der Qualität und Menge der Aktivitäten hauptsächlich mit denen Obamas. Gerade eben las ich z.B. von einem neuen Wiki, das für das Prozessmanagement zur Organisation der Delegierten ein Wetpaint-Wiki namens Barack Obama Delegates eingerichtet wurde. Die gleiche Wiki-Software, die ich für mein privates Wissensmanagement verwende, woran man nebenbei sieht was man damit z.B. neben Lexika noch alles sinnvoll anfangen kann.

Von den großen Hoffnungen auf eine “Graswurzel-Demokratie” via Internet und kooperative Technologien nimmt allerdings auch Experte Sifry Abstand:

“Von Internetdemokratie zu sprechen wäre allerdings voreilig. »Hier reden zwar schon alle von ›Politics 2.0‹ und dem angeblich ersten wirklichen Internetwahlkampf«, sagt Micah Sifry nüchtern, »bis jetzt sehen die meisten Wahlkampfteams das Internet aber nur als Plattform, um ihre Slogans noch kostengünstiger unters Volk zu bringen und um Spenden zu sammeln.”

Der Autor Wolgang Blau wird ab der Hälfte des Artikels allgemeiner und thematisiert die Möglichkeiten des Internets für mehr Transparenz des politischen Willensbildungsprozesses und der Teilhabe daran (Vgl. E-Government: Was ist und was könnte sein?).

Neu war für mich www.maplight.org. Es werden, Zitat,

beispielsweise Gesetze daraufhin katalogisiert, welche Lobbyisten das jeweilige Gesetz unterstützt oder bekämpft haben, wie die einzelnen Abgeordneten dann darüber abgestimmt haben und von welchen Lobbyorganisationen die Abgeordneten später gegebenenfalls Zuwendungen erhielten. Jeder kann in dieser Web-Datenbank Einträge machen, [...].

Angesichts (noch) relativ geringer Beteiligung thematisiert Wolfgang Blau auch die Sichtweise, dass es nicht reiche eine Plattform ins Netz zu stellen und Beteiligung zu erwarten. Im Vordergrund stünden die direkten Bedürfnisse der Nutzer (als Beispiel hier aufgeführt: fixmystreet.com), bevor man sie um tiefergehende Beteiligung wie z.B. Gesetzesvorhaben bitten könne. Als Gegenbeispiel fällt mir dagegen sofort das neuseeländische Polizeigesetzwiki ein, das als Erfolg aufgrund reger Beteiligung gilt, obwohl ich dafür keine Nutzerzahlen habe.

Ein schöner Anlass, mir demnächst Gedanken in einem Post zu machen: Was könnten notwendige Voraussetzungen sein, um Bürger zur Beteiligung an der Politik 2.0 zu motivieren? Was wäre für mich Voraussetzung? Für euch? Demnächst mehr dazu…

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Barack Obama: Wie “Open Source” ist die Kampagne?

Verfasst von Ludwig am April 9, 2008

Gestern kam mit ein paar Leuten bei etwas Rotwein das Gespräch auf die Bedeutung der neuen sozialen Medien (Link) und der Open-Source-Produktionsweise (Link) für Wirtschaft, Medien und die Politik. Zu letzterem kam eine Frage auf, die keiner recht beantworten konnte: Wir waren uns einig dass die Clinton-Kampagne einiges stärker zentral gesteuert wird, aber wieviel “Open Source” steckt eigentlich in der Obama-Kampagne? Oder anders gesagt: Wieviel Einfluss haben die Unterstützer auf die Inhalte der Kampagne bzw. Obamas Agenda?

Da mich die Frage genug interessiert um zu recherchieren, und ich eh eine Mail dazu geschrieben hätte, kann ich das auch gleich öffentlich machen:

Heinz Wittenbrink postete unlängst passenderweise einen interessanten Artikel zu “Politik und Beteiligung durch Web 2.0″ und wie diese Beteiligung im Einzelnen aussehen könnte. Die Grundidee dahinter ist, diese Instrumente zu nutzen Transparenz herzustellen und Prozesse der politischen Willensbildung zu demokratisieren - z.B. Vorschläge einzubringen, skizzierte Ideen auszufüllen, Vorschläge an den Alltag der Menschen anzupassen. Wieviel davon steckt in der Obama-Kampagne?

Auf den ersten Blick auf die Berichterstattung scheint diese Frage eher nachrangig zu sein. Im Vordergrund steht z.B. meist auf welche Weise und mit welchem Gewicht soziale Medien wie YouTube oder Twitter (Link) für die schnelle Verbreitung von Informationen sorgen. Über Jörg Weisner, der einen interessanten Artikel über die Person Obama schrieb, stieß ich auf einen Wired-Artikel, der zeigt, welche Social-Networking-Tools die offizelle Homepage my.barackobama.com bietet: Die Organisation mit anderen Unterstützern, Organisation von Veranstaltungen oder auch “Learnig-Center” für Führungsfunktionen. In Bezug auf die Vernetzung werden diese Instrumente flächig und effektiv genutzt.

Der c/o operative-Blog weißt hingegen auf zwei Quellen hin, die sich beide mit den kollaborativen Aspekten auseinandersetzen. Demnach nutzt Obama für die Kampagne Central Desktop - ein Wiki-basiertes Kollaborations- und Projektmanagement-Tool. Hierzu näher Isaac Garcia, der CEO von Gentral Desktop im Interview. Wobei sich auf den ersten Blick nicht erschließt, worin der Mehrwert und die inhaltliche Abgrenzung zur offiziellen Webseite besteht. Wo ist die Kollaboration? Bei ReadWriteWeb wird beschrieben, wie damit Gruppen bei der Eigenorganisation zu Vorwahlen bei der Selbstorganisation und der Ausstattung mit Material unterstützt werden, ebenso Bill Ives, der tiefer ins Detail geht.

Fazit: Der Einsatz von Web 2.0-Technologie für Obamas Kampagne dient zwar der schnellen Verbreitung von Information, Vernetzung und Mobilisierung. Offensichtlich mit Erfolg im Hinblick auf Kampagnenführung. Aber zusätzliche demokratische Gestaltungsspielräume im Sinne Heinz Wittenbrinks werden keine eröffnet.

Eine schöne Linksammlung zur Kampagne auf Deutsch findet sich übrigens noch hier

Update:

Weiterführende Gedanken hier im Blog zu “Barack Obama: “Voter generated content” der Kampagne”

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