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Barack Obama: Wie „Open Source“ ist die Kampagne?

9. April 2008

Gestern kam mit ein paar Leuten bei etwas Rotwein das Gespräch auf die Bedeutung der neuen sozialen Medien (Link) und der Open-Source-Produktionsweise (Link) für Wirtschaft, Medien und die Politik. Zu letzterem kam eine Frage auf, die keiner recht beantworten konnte: Wir waren uns einig dass die Clinton-Kampagne einiges stärker zentral gesteuert wird, aber wieviel „Open Source“ steckt eigentlich in der Obama-Kampagne? Oder anders gesagt: Wieviel Einfluss haben die Unterstützer auf die Inhalte der Kampagne bzw. Obamas Agenda?

Da mich die Frage genug interessiert um zu recherchieren, und ich eh eine Mail dazu geschrieben hätte, kann ich das auch gleich öffentlich machen:

Heinz Wittenbrink postete unlängst passenderweise einen interessanten Artikel zu „Politik und Beteiligung durch Web 2.0“ und wie diese Beteiligung im Einzelnen aussehen könnte. Die Grundidee dahinter ist, diese Instrumente zu nutzen Transparenz herzustellen und Prozesse der politischen Willensbildung zu demokratisieren – z.B. Vorschläge einzubringen, skizzierte Ideen auszufüllen, Vorschläge an den Alltag der Menschen anzupassen. Wieviel davon steckt in der Obama-Kampagne?

Auf den ersten Blick auf die Berichterstattung scheint diese Frage eher nachrangig zu sein. Im Vordergrund steht z.B. meist auf welche Weise und mit welchem Gewicht soziale Medien wie YouTube oder Twitter (Link) für die schnelle Verbreitung von Informationen sorgen. Über Jörg Weisner, der einen interessanten Artikel über die Person Obama schrieb, stieß ich auf einen Wired-Artikel, der zeigt, welche Social-Networking-Tools die offizelle Homepage my.barackobama.com bietet: Die Organisation mit anderen Unterstützern, Organisation von Veranstaltungen oder auch „Learnig-Center“ für Führungsfunktionen. In Bezug auf die Vernetzung werden diese Instrumente flächig und effektiv genutzt.

Der c/o operative-Blog weißt hingegen auf zwei Quellen hin, die sich beide mit den kollaborativen Aspekten auseinandersetzen. Demnach nutzt Obama für die Kampagne Central Desktop – ein Wiki-basiertes Kollaborations- und Projektmanagement-Tool. Hierzu näher Isaac Garcia, der CEO von Gentral Desktop im Interview. Wobei sich auf den ersten Blick nicht erschließt, worin der Mehrwert und die inhaltliche Abgrenzung zur offiziellen Webseite besteht. Wo ist die Kollaboration? Bei ReadWriteWeb wird beschrieben, wie damit Gruppen bei der Eigenorganisation zu Vorwahlen bei der Selbstorganisation und der Ausstattung mit Material unterstützt werden, ebenso Bill Ives, der tiefer ins Detail geht.

Fazit: Der Einsatz von Web 2.0-Technologie für Obamas Kampagne dient zwar der schnellen Verbreitung von Information, Vernetzung und Mobilisierung. Offensichtlich mit Erfolg im Hinblick auf Kampagnenführung. Aber zusätzliche demokratische Gestaltungsspielräume im Sinne Heinz Wittenbrinks werden keine eröffnet.

Eine schöne Linksammlung zur Kampagne auf Deutsch findet sich übrigens noch hier

Update:

Weiterführende Gedanken hier im Blog zu „Barack Obama: „Voter generated content“ der Kampagne“

2 Kommentare leave one →
  1. 10. April 2008 14:31

    Hi Louie,
    Wir stehen novh vor der Phase der Politik, in der Programme per Open-source gestaltet werden. Denn wozu bräuchten wir charismatische Leader, wenn ihr Message von anonymen Unterstützer bestimmt gewesen wäre?
    Obama – um die Wahlen zu gewinnen – muss auch die Wähler überzeugen, die noch tief in der „alten“ Politik stecken. Und das ist auch der Schlüssel zu seinem Erfolg: er kann hervoragend das konservative mit dem progresiven mischen.
    Keine Präsidentschafts-kampagne ach Obama wird ähnlich wie die „alten“ aussehen. In 4 Jahren wird es noch spannender.
    Schöne Grüsse und viel Erfolg mit dem Blog!

  2. gesundbrunnen permalink*
    10. April 2008 15:00

    Hey Antoni,

    aus meiner Sicht schließen sich charismatische Führer und Open-Source-Politik keinesfalls aus. Ich denke Rolle und Image des Führenden steht in Wechselbeziehung mit der Menge der Menschen, die er/sie vertritt und eint.

    Auf der Ebene einzelner Wikis, die ebenfalls wie „Communities“ funktionieren, finden sich z.B. auch Führungspersönlichkeiten, sei es als Moderatoren, sei es als Antreiber bzw. Vorbilder, sogenannte „Evangelisten“, die durch ihre Person die Idee des Wikis repräsentieren und quasi die Motoren der Bewegung sind.

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