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Veränderungskommunikation und Komplexität

16. Mai 2008

Nach einem gestrigen Gespräch an einem lauen Berliner Sommerabend dachte ich nochmal im Hinblick auf Veränderungsmanagement und –Kommunikation über einen Artikel nach, den ich vor ein paar Tagen unter dem Titel „Umgang mit wachsender Komplexität“ veröffentlichte. Aufhänger des Artikels war ein eingebettetes Video, in dem der sehr kurzweilige Prof. Kruse einige recht interessante Thesen zur menschlichen Psyche zum Besten gibt.

Wenn ich das recht verstanden habe definiert Prof. Kruse Intuition (ein Schlüsselbegriff) nicht als unbestimmtes Bauchgefühl, sondern als Ergebnis einer längeren Lerngeschichte und die Fähigkeit “komplexe Muster jenseits des Rationalen” zu verarbeiten. Falls damit Denkprozesse unterhalb der doch recht langsamen Schicht des Bewussten gemeint sind stimme ich zu.

Gerade wenn man die Trägheit von uns Menschen im Umgang mit Unbekannten (z.B. Arbeitsprozessoptimierung, Umstrukturierung, neue IT) im Blick hat, finde ich Bergers Begrifflichkeit weiterführend. Häufig reagieren wir gern entsprechend der Einstellung, es hätte doch bislang auch geklappt. Die bisherigen Gewissheiten (Lerngeschichte) werden nicht in Frage gestellt oder die Probleme projiziert.

Aus meiner Sicht unterschätzen wir meist völlig wie abhängig unsere gegenwärtigen Ansichten von den Rahmenbedingungen sind, in denen sie entstanden sind. Wie wichtig es ist, immer skeptisch gegenüber den eigenen “Gewissheiten” als etwas Vorläufiges zu bleiben, wie er sagt, “wach zu bleiben”.

Ich denke, Veränderungskommunikation ist eine enorme Herausforderung, wenn sie unter relativ hohem Druck diese Trägheit berücksichtigen und gleichzeitig deutlich machen muss, dass sich die Grundlagen der intuitiven Sicht geändert haben. Unsere Ansichten/Interpretationen der Umwelt überschneiden sich teilweise mit unserer Persönlichkeit, indem der Umgang mit der Umwelt bestimmte Verhaltenseigenschaften fördert. Wir werden was wir tun.

Dementsprechend wird aus meiner Sicht eine Korrektur an den Gewissheiten häufig auch als Korrektur der eigenen Persönlichkeit empfunden und naheliegenderweise erst einmal abgelehnt. Die Skepsis gegenüber unseren Gewissheiten bedeutet unausgesprochen auch die Skepsis gegenüber unseren Strategien im Umgang mit der Umwelt. Damit sollte man sensibel umgehen und ernst nehmen, denn permanente latente Skepsis ist eben auch anstrengend und fordert viel (Reife/inneres Gleichgewicht) von Menschen.

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