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Wissensmanagement ist interne Kommunikation

24. Mai 2008
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Wer meinen Blog verfolgt könnte vielleicht auf die Idee kommen, ich würde Wissensmanagement mit Wikis gleichsetzen – immerhin schreibe ich schon separat darüber – oder damit verbunden mit reiner „Dokumentation“. Dem ist nicht so, ganz im Gegenteil. Wissensmanagement ist für mich hauptsächlich interne Kommunikation, also Austausch und Teambildung. Es ist für mich auch nicht nur „Dokumentation“, sondern vielmehr der Ansatzpunkt unsere Arbeit effizienter zu gestalten. Wir reden über Prozesse, nicht nur Ablage.

Anlass über das Thema zu reflektieren ist ein hochspannender Artikel in der aktuellen BrandEins mit dem Titel „Dummheit gibt´s gratis – Die Ökonomie der Bildung„. Aufhänger des Artikels „Erkenntnisse aus der Fieberkurve“ ist das Wissensmanagement beim Maschinenbauer KSB, der wegen des nahenden Ruhestands vieler wertvoller Mitarbeiter zusehen muss wie deren Kontextwissen – also über die reine Information hinaus – dem Unternehmen erhalten bleibt. Nicht Dokumentation, sondern Wissenstransfer ist das Thema.

Dafür werden verschiedene Ansätze gegenübergestellt. Relativ schlecht schneidet dabei der Versuch ab, durch die reine Erfassung inkl. Feedbackschleifen eine Wissensdatenbank anzulegen. Denn, Zitat, „Wissenstransfer funktioniert niemals angebotsorientiert“. Stattdessen sei die Übergabe an konkrete Nachfolger der Schlüssel. Das implizite Kontextwissen, das durch die Herkunft der Informationen diese erst wertvoll macht lasse sich „nur in der Arbeit mit anderen weitergeben“.

Genau diese These stützt meine persönliche Erfahrung, die ich im Rahmen eines Workshops zum Wissenstransfer machen konnte. In einem früheren Job in der Medienresonanzanalyse hatte ich einen recht wichtigen, komplexen Dauerauftrag zu bewältigen, bei dem die Erfassung des Inhalts bis hinunter auf die Ebene der einzelnen Aussagen ging. Diese Aussagen mussten alle in eine Datenbank eingepflegt werden um sie systematisch auswertbar zu machen.

Die Herausforderung bestand darin ein Erfassungsschema zu entwickeln, das den Inhalt der Aussagen erfasst und die schnelle Suche in den bereits angelegten Aussagen ermöglicht. Ich spreche über zum Teil hunderte Aussagen in manchen Kategorien, wobei es wiederum rund 60 Kategorien gab. Eine Systematik musste her. Das Problem löste ich durch ein Schema, das sich in den Titeln meiner Blog-Artikel wiederspiegelt: „Gegenstand: (Subjekt) (und Konkretisierung)“.

Ein Problem entstand als mein Abschied nahte. Das ausdifferenzierte System trug eindeutig die Züge meines Denkens, ohne das es aus Komplexitätsgründen jemand nachbauen konnte. Eine erfolgreiche Übergabe unter hohem Zeitdruck musste her.

Im ersten Schritt schrieb ich alle Kategorien nieder, die drei Jahre zuvor vom Projektleiter festgelegt wurden und definierte was sie meiner Meinung nach erfassen sollen und worin sie sich eventuell von anderen Kategorien unterscheiden, die Schnittmengen haben. Zusätzlich definierte ich das grundsätzliche Erfassungsschema sowie zusätzlich für die jeweiligen Kategorien (Schlüsselbegriffe).

Ein Test zeigte schnell, dass die reine schriftliche Information nicht ausreichen würde, mein implizites Wissen zu erfassen. Was fehlte war das Gefühl dafür, wie man die Texte analysieren und die Aussagen übersetzen muss, um den Inhalt sauber zu erfassen und gleichzeitig im Erfassungsschema zwecks Vergleichbarkeit zu bleiben. Vor diesem Hintergrund war es für die Projektleitung naheliegend mich einen Workshop vorbereiten zu lassen, an dem das gesamte Team des Auftrags inkl. meiner Nachfolger teilnahmen.

Im zweiten Schritt nahmen wir uns einen ganzen Tag Zeit und gingen inkl. Projektleitung alle Kategorien durch und besprachen Erkenntnisinteresse und Erfassungsschema, vor allem aber erarbeiteten wir uns (dann nur die Mitarbeiter) anhand von Textbeispielen das Kontextwissen, was wann warum wie erfasst wird.

Einen Beitrag zur internen Kommunikation leistete der Workshop aus meiner Sicht insofern, als das er einen großartigen Teamgeist an jedem Tag beförderte, wie es keine Betriebsfeier vermag. Es wurde an dem Tag wirklich miteinander gearbeitet. Es wurde klar, „wofür“ man eigentlich arbeitet, da Ziele und Erkenntnisinteresse von der Führung klar ausgesprochen wurde und gleichzeitig die Möglichkeit zur Reflektion bestand. Ein wunderbarer letzter Arbeitstag war das…

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