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Internes Wissensmanagement auf Blog-Basis (Update)

9. Juli 2008

Schon seit meinen mittlerweile lang zurückliegenden Tagen als Krankenpfleger kann ich mich begeistern für Fragen der Prozessoptimierung – was mit zunehmender wissensbasierter Arbeit ergänzt wurde von Aspekten des Wissensmanagements. In den letzten Wochen stieß ich auf gleich zwei Hinweise zum Wissensmanagement auf Blog-Basis, die meine Fantasie darüberhinaus angeregt haben zum Thema Multiblogs.

Das erste Fundstück ist BuddyPress, ein WordPress Plug-In, das aus der Standard-Blogsoftware eine Art bloggende Community macht, die sich auch untereinander Mitteilungen schicken können und Themen teilen. bueltge.de schreibt darüber, ausführlicher außerdem Thomas Pleil, der sich auch gleich Gedanken zu den Einsatzmöglichkeiten macht.

Der Groschen fiel allerdings erst als ich mich heute mit einer Serie über das interne Wissensmanagement bei namics befasste, einem IT-Dienstleister in der Schweiz und Deutschland mit ungefähr 260 Mitarbeitern. namics verwendet ein Multiblog-System, zu 10 % eine Eigenentwicklung ebenfalls auf WordPress-Basis, bei dem die einzelnen Kategorien jeweils wieder eigene Blogs sind. Auf die Vorteile und den Umgang damit macht die Firma in einer 8-teiligen Serie von Videocasts aufmerksam. Sehr gut gemacht.

Mit Wikis befasse ich mich schon seit einer Weile und schreibe z.B. hier und hier darüber. Demnächst werde ich außerdem das Vergnügen haben mich mit der Einführung eines Wikis auseinanderzusetzen, einer Wiki/Blog-Kombination namens XWiki. Bevor ich mich den für mich denkbaren Einsatzmöglichkeiten zuwende hier eine kurze Skizze (Quelle) der Funktionen interner Blogs:

  • Wissen auffindbar machen
  • Experten identifizieren, da sie eine Verbindung aus Information, Kontext und Person herstellen können
  • Permanente Reflektion des eigenen Arbeitens
  • Sie dienen als Wissensjournale, die einen Lernprozess begleiten
  • Wissen kann dadurch gemeinschaftlich und transparent erarbeitet werden
  • Je nachdem verschwimmen dadurch auch die Grenzen von interner und externer Kommunikation.

Folgende Einsatzmöglichkeiten eines Blogs kann ich mir als Ergänzung zum Wiki vorstellen:

  • Ganz allgemein: Die Kategorien als Kanäle für bestimmte Inhalte nutzen
  • Ganz allgemein: Jeder Mitarbeiter hat volle Autorenrechte
  • Ganz allgemein: Jede Kategorie sollte sich separat als RSS abonnieren lassen
  • Auf Best-Practice (und Worst-Practice) Beispiele aufmerksam machen. Vielleicht die Datei gleich als Attachment, sonst den Pfad in die zentrale Dateiablage (Windows und/oder Wiki)
  • Auf besondere Entwicklungen im Wiki als Dateiablage hinweisen, Verbesserungen, spannende Entwicklungen, neue Bereiche
  • Kundennews als einzelne Kategorie
  • Eine Kategorie nur für Ideen/Visionen für die Firma – z.B. Blogs als Instrument des Wissensmanagement. Die Kommentarfunktion könnte zur Diskussion genutzt werden
  • Nach einer Recherche interessante Linksammlungen – könnte man auch gleich mit Social Bookmarking verbinden
  • Klar, eine Kategorie für strategische Ansagen der Geschäftsleitung, mit denen Strategie und Taktik zentral zugänglich sind, um nach dem Meeting nochmal darauf zurückgreifen zu können.
  • Eine Kategorie für Umfragen auf Doodle oder vergleichbaren Anbietern
  • Protokolle

Es versteht sich von selbst dass solche Verwendung erst Sinn macht ab einer größeren Menge von Mitarbeitern, die nicht mehr jeden Tag in zwei kleine Räumen sitzen. Aber wo ist die Grenze? Ich weiß es nicht.

Ein solches System zielt natürlich darauf ab den E-Mail-Verkehr zu minimieren und die Inhalte der firmeninternen Kommunikation der integrierten Suchmaschiene besser zugänglich zu machen (auch via Tags). Ein Nachteil dieses Weges wäre auf jeden Fall dass die Mitarbeiter RSS kennen, akzeptieren und nutzen würden. Das ist auf keinen Fall die Regel. Ein Teil der Einführungsstrategie für den Blog wäre demnach auch die Einführung von RSS, denn ich wette dass maximal 50 % der heute im Alter von 30+ RSS kennen und davon wiederum nur ein Teil es nutzt. Vielleicht habe ich bald Gelegenheit dazu, dann schreibe ich darüber und ergänze die RSS-Serie um „Best-Practice“…

UPDATE:

Auf dem Wiki, das diesem Blog angeschlossen ist, habe ich gerade einen Artikel eines Mitarbeiters von namics als PDF hinzugefügt, der sich genau zu diesem Thema weiterführende Gedanken macht und ein Szenario der Nutzung entwirft. Kaum Überschneidungen zu den oben genannten Videocasts.

UPDATE 19.3.2010:

Aus einer Diskussion mit dem Wissensmanager Thomas Strobel heraus über den Zusammenhang zwischen Wissensmanagement und der Nutzung von Web 2.0-Technologien wie Blogs und Wikis schrieb ich als Zusammenfassung einen Artikel. Wir nutzten die  erweiterte Wissenstreppe nach North (Link)

8 Kommentare leave one →
  1. 13. Juli 2008 22:27

    Guten Tag und schön Gedanken zu finden, die sich sehr stark mit meinen überschneiden.

    Die meisten der „Mischpunkte“ welche Sie erwähnen, haben wir umgesetzt… und wir sind weiter dran, Wiki und Blog in unserem Intranet zu vermischen. Gerne nehme ich eine ausführlichere Diskussion auf, doch ich bin grad noch 2 Wochen in den Ferien.

    Spannend für Sie evt. auch ein Vortrag von mir über Erfolgsfaktoren beim Einsatz von Wikis in Firmen… auch hier werden die Überschneidungen finden: http://blog.namics.com/2007/12/tipps_fur_den_e.html

  2. Ludwig permalink*
    14. Juli 2008 08:53

    Hallo Hr. Stuker, es freut mich sehr zu lesen dass Sie sogar aus dem Urlaub noch an der „Diskussion“ teilnehmen.

    Im Gegensatz zu Wikis sind Blogs für mich ein recht neuer Gegenstand der Betrachtung, wenn es um Arbeitsprozesse und Wissensmanagement geht – insofern hat Ihr Beitrag da auch Türen geöffnet.

    Da ich in einem schnell wachsenden Start-up arbeite interessiert mich das Thema sehr. In dem Zusammenhang hätte ich zwei Fragen:

    Gibt es Ihrer Erfahrung nach eine „kritische Masse“, ab der sich der Einsatz von internen Blogs im obengenannten Sinn lohnt?

    Und warum ein Multiblogsystem statt einen zentralen Blog mit kollektiven Zugriffsrechten? Ich könnte mir nur einen Grund vorstellen: Jeweils ein neuer Blog mitsamt den jeweiligen Kategorien ermöglicht mehr Differenzierung der Themen. Gibt es noch weitere gute Gründe?

    Übrigens halte ich die Videoserie hervorragend für das „employer branding“ geeignet. Man hat sofort eine Vorstellung von der Arbeitsweise und Unternehmenskultur, die ein Vorstellungsgespräch nur unzureichend vermitteln könnte…

  3. 14. Juli 2008 21:23

    Immer wieder Hallo.

    Bzgl. “employer branding” haben wir einen externen Blog, der uns dabei zeigt, was wir (auch) während der Arbeit tun: http://about.namics.com zudem eine Flickr-Gruppe bei der mehr als die Hälfte aller Mitarbeiter mitmachen: http://www.flickr.com/groups/namics/

    Der Multiblog leistet genau, was sie antönen: Die Differenzierung der Themen (visuell aber auch bzgl. der Feeds). Alle Mitarbeiter haben alle Rechte auf dem System und sollen auch neue „Channels“ (technisch ein Blog) anlegen. Es gibt keine zentrale Steuerung der Themen aber einen „darwinistischen Mechanismus“ (der Mitarbeiter selbst) doppelte Themen zusammenzulegen und schwach genutzt Themen (ex post) wieder abzustellen (bleiben durch die Suche weiterhin zugänglich).

    Die kritische Masse ist abhängig vom Kontext zu beantworten. Die Tatsache dass die Konversation als chronologisches Archiv (plus Tags, plus Kategorien) zugänglich bleiben kann sich ein Blog bereits bei einer Person „lohnen“. Ich kenne viele kleine Gruppen, die sich über Microblogs (im Stil von Twitter) koordinieren… also je nach Kultur (und Thema der Zusammenarbeit) lohnt es sich immer.

    PS: Ferienhaus auf Bornholm hat 5MBit DSL😉

  4. Ludwig permalink*
    16. Juli 2008 22:48

    Danke für den Link zum namics-Blog – da ich mich gerade bei der Arbeit mit der inhaltlichen Ausgestaltung einer Intranet-Fusion auseinandersetze fand ich auf Anhieb zwei Posts die für mich interessant waren😉. Habe den Feed gleich abonniert.

    Im Grunde gebe ich Ihnen recht bezüglich der „kritischen Masse“, die Auseinandersetzung während des Schreibens plus Verlinkung hinterlässt einen nachhaltigeren Eindruck und verknüpft die wichtigsten Texte eben tatsächlich sehr gut – zumal man auch gleich einen Link zum Blogbeitrag als Zusammenfassung/Interpretation weitergeben kann. Ich bin auch sehr neugierig darauf was passieren wird wenn man das im Arbeitskontext mit der Arbeit anderer Personen verknüpft.

    Meine Frage, die ich mir im Moment sehr konkret stelle, zielte im Grunde auf die Einführungstrategie ab. Situation: Agentur mit Schwerpunkt interne Kommunikation und nicht wenig Unt.-Beratung; da es gut läuft bleibt neben der grundsätzlichen Bereitschaft wenig Zeit sich auf Prozessinnovationen wie Blikis einzulassen. Es wird wohl darauf hinauslaufen mit ein / zwei Beispielanwendungen zu starten, die von den Enthusiasten betrieben werden und ein Beispiel geben.

  5. 17. Juli 2008 18:57

    Am einfachsten sind „Leuchtturmanwendungen“ solche die sehr sichtbar und nützlich sind. Bei uns ist es einfach: Der CEO ist der Blog- und Wiki-Leithammel und gleichzeitig auch der Gnome (keine, nützliche Korrekturen). Es gibt nie eine Frage, ob es zu tun ist… es ist Kultur. Wenn das nicht möglich ist, würde ich ein paar Leute (quer durch die Organisation) sammeln, die privat „social media“ nutzen und mit denen beginnen, da sich dort die Frage nach dem Sinn nicht stellt (aber nur nach dem Nutzen).

  6. Pela Nürsta permalink
    3. Februar 2011 06:48

    Hammer! So eine Story hätte ich absolut nicht für möglich gehalten😉

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