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Unterschied zwischen Besitz und Vermögen

16. Juli 2008

Kürzlich fiel mir der Leitartikel der BrandEins-Ausgabe zum Thema Eigentum in die Hände: „Der Aufbruch„, der mich beeindruckt hat und den ich weiterempfehlen möchte. Wolf Lotter betrachtet unsere Wertehierarchie, in der immobiles Eigentum und Besitz als Vermögen und größtes Glück gelten. Dabei hält er sich nicht auf, sondern macht sich Gedanken darüber, dass es sich dabei um eine historische Ausnahme handelt und ob wir damit eigentlich noch zukunftsfähig sind?

„Das deutsche Wort Vermögen löst die immer gleiche Assoziation aus. Es geht um Geld, Sachen, Material, das Auto in der Garage, das Häuschen im Grünen. Grund und Boden, Scholle und Scheine, und wichtig dabei ist: Man muss es sehen können. […]

Schade eigentlich, dass selten ein fremdsprachliches Wörterbuch zum Vermögen gehört. Denn dort ließe sich nachschlagen, wie das Wort Vermögen auf Englisch oder Spanisch heißt. Für das, was Vermögen sein kann, haben wir im Deutschen nur ein Wort, und da sind Verwechslungen programmiert. Im Englischen und Spanischen aber finden wir eine wichtige Entsprechung: Fortune, Fortuna. Fortuna war die alte römische Göttin des Glücks. Aber das Glück, das war den Römern klar, fällt nicht vom Himmel, das Glück ist, was man an sich, an seinen Talenten und Fähigkeiten, in seinem Leben zu erkennen vermag. Glücklich ist, wer kann. Und wer weiß, dass sich das Leben ständig verändert, was nun keine philosophische Feststellung ist, sondern das Resultat genauer Beobachtung.

Dem griechischen Denker Bias von Priene wird ein Satz zugeschrieben, der heute von größter Bedeutung ist: „Omnia mea mecum porto“, lautet der Satz – All meinen Besitz trage ich bei mir. Der wahre Besitz, das eigentliche Vermögen, liegt in den Fähigkeiten und Fertigkeiten, im Wissen seines Trägers. […]“

Lotter zitiert auch Jeremy Rifkins Buch „Access„.

„Auch das Wort Besitz stammt aus der Zeit, in der die Scholle über allem anderen stand, es ist ein Terminus technicus aus der Welt der Landwirtschaft. Man sitzt auf seinen Sachen, damit niemand sich daran vergreifen kann. Rifkin erkannte, dass dieses Prinzip nicht nur veraltet ist, weil eine globale Welt ein hohes Maß an Mobilität verlangt, sondern auch deshalb, weil Modelle des Nutzens, also des Zugriffs auf Produkte, Dienstleistungen und Sachen, weit gewinnbringender sind – für beide Seiten, Anbieter und Nutzer. Die Unbeweglichen kaufen, die Mobilen mieten und leasen. Die Unbeweglichen besitzen, die Mobilen schaffen sich Zugänge.

Ich finde diesen Text so bemerkenswert weil er vieles in klare Worte fasst, was mein Denken ausmacht und sicher auch meine Begeisterung für Web 2.0, in Verbindung mit Creative Commons, mitausmacht.

Was Lotter nicht erwähnt ist aus meiner Sicht die historisch einmalige Situation des Überflusses, nicht des Mangels – Nahrung, Materielles, Information. Wer kennt nicht von Bekannten oder gar von sich die Situation dass sich über die Zeit Berge an unnützen Haushaltsgegenständen und Möbeln ansammeln? Wer kennt nicht das Problem entscheiden zu müssen was im Moment wichtig ist? Die meisten wohl.

Web 2.0 ist Zugang ohne Besitz. Vermögen i. S. v. machen können, wörtlich „etwas vermögen“, im Stande sein. Es ist Mobilität. Es ist z.B. der Unterschied zwischen Windows auf dem Rechner und webbasierter Software wie Google Docs, deren Inhalte kollaborativ bearbeitet werden können und von jedem Rechner zugänglich sind. Wozu die Lizenz zur Nutzung „besitzen“ wenn das Ergebnis flexibler und ressourcenschonender ist?

Zugang ist das Vermögen, sich Dinge aneigenen zu können, ist Kultur, Wissen, Karriere, Wohlstand. Beweglichkeit als Geisteshaltung ist purer Gewinn, da nichts riskiert wird, was sich eh permanent im Fluss befindet…

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