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Wikis und Blogs „remixen“ Information

10. August 2008
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Verflixt. Bei der musevollen Bloglektüre am frühen Sonntag Mittag stelle ich unmittelbar nach dem Schreiben eines Artikels über Wissensmanagement mit internen Blogs fest, dass ich zu fahrlässig mit den Begriffen Wissen und Information umgehe. Da muss ein Nachtrag her.

Aus Anlass der selten merkwürdigen und von mir geflissentlich wegen Irrelevanz ignorierten „Macht-das-Internet-doof„-Diskussion befasst sich Klaus Jarchow auf medielese.com (leicht polemisch und unbedingt lesenswert) mit dem Wesen der Information. In Abgrenzung zum klassischen Sender-Empfänger-Modell aus dem Kontext technischer Nachrichtenübermittlung macht er deutlich, dass die „Information“ kein Ding sei, das man hin und her verschieben könne. Eine Zahl ist erstmal eine Zahl, ein Wort ein Wort. „Information“ entsteht daraus, wenn eine subjektive Zuordnung „im Auge des Betrachters“ hergestellt wird. Eine Information ist immer auch eine subjektive Interpretation von Daten.

Zitat: „Seit den Anfangstagen der Kybernetik reden sich alle Forscher den Mund fusselig, dass ‘Information’ im Falle biologischer Systeme kein ‘Ding’ sei, sondern eine ‘kognitive Eigenleistung’ des Empfängers„.

Danke, dass musste ich mir mal wieder bewusst machen…

Damit ergibt sich ein weiteres Argument für den Einsatz von Wikis und Blogs im Unternehmen. Der primäre Nutzen dieser Instrumente ist Vernetzung und Kontextualisierung. Gut, abgelegte Dokumente wie z.B. Präsentationen oder Ist-Analysen sind für sich gesehen auch keine reinen Datenspeicher wie z.B. Datenbanken. Sie kontextualisieren Daten (Zahlen und/oder Worte) ebenfalls in einem sinnvollen Zusammenhang und ergebnisorientiert. Ein guter Anfang, klar.

Der Witz besteht in meinen Augen daraus, dass Wikis (für langfristige Informationen) und vor allem Blogs hervorragende Möglichkeiten bieten Daten immer wieder neu in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Häufiger als früher und in quantitativ mehr Zusammenhänge.

Wer sich einmal bewusst einen Remix angehört hat weiß was ich meine. Von Coldplay gibt es einen Song („Clocks“?), der nochmal mit dem Buena Vista Social Club aufgenommen wurde. Gleicher Sänger, gleicher Text, aber das ganze Lied wirkt ganz anders. Der Text wirkt anders, die Worte (Daten) bekommen durch die Klangfarbe der Musik eine ganz andere Bedeutung (Information).

Wikis und Blogs können solche „Remixer“ sein. Gerade Blogs sind das ideale Medium für Storytelling.

***

UPDATE: Vor einiger Zeit, danach, veröffentlichte ich einen weiteren Artikel zu diesem Thema im Blog: „Wiki, Blog und RSS als System gedacht“, der folgende Präsentation enthält und ausführt:

7 Kommentare leave one →
  1. 16. März 2010 15:35

    Hallo Ludwig,

    in diesem Zusammenhang finde ich die Wissenstreppe nach North als Visualisierung sehr hilfreich. Sie erlaubt eine inhaltliche Diskussion ohne dass vorher viele Begriffs-Definitionen geklärt werden müssen.
    Denn die Stufenweise Veränderung ist gut nachvollziehbar.
    Hier ein Link zu einer Visualisierung dieser Wissenstreppe:
    http://4ct.de/article.php?story=20050317174427258

    Beste Grüße,

    Thomas

  2. 16. März 2010 16:02

    Eine gute Ergänzung und eine gute Grundlage für die nächste Cafehaus-Diskussion🙂.

    Die Wissenstreppe erinnerte mich daran dass ich davon mal eine erweiterte Form gesehen habe. Bei der schnellen Recherche stieß ich auf den Blog der beiden Wissensmanagerinnen aus Haar (Treffen bei Wissensnetworx), deren Version der Treppe noch die Aspekte „Informationsmanagement“ vs. „Wissensmanagment“ sowie „implizites“ vs. „explizites Wissen“ hinzufügt:

    http://blog.wissenswerk.biz/?p=515

    Und Robert Freunds Version unterscheidet zwischen den Ebenen „Technik“, „Mensch“ und „Unternehmen“ – mein Favorit bislang😉

    http://www.robertfreund.de/blog/2007/05/21/kennen-sie-die-erweiterte-wissenstreppe/

    Viele Grüße und bis bald!

  3. 16. März 2010 16:33

    Als Geschäftsführer der FENWIS GmbH hatte ich bei den Stuttgarter Wissensmanagementtagen 2009 ebenfalls einen Vortrag gehalten.

    Die Unterscheidung zwischen Wissen und Information hatte ich dort plakativ dargestellt:
    Wissen ist in Köpfen (implizit). Außerhalb davon handelt es sich nur um Information (explizit).
    Der Grund ist, dass bei jeder Dokumentation von Wissen der mehrdimensionale Kontext des Gehirns des Wissensträgers abgeschnitten wird. Was übrig bleibt lässt sich mit Informationstechnik speichern – das spricht dafür, dass es auch Information ist🙂

    Beste Grüße!

  4. 16. März 2010 16:48

    Ja. Und hier schließt sich der Kreis auch wieder:

    Mich faszinierte zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Blog-Artikels die Tatsache, dass Blogs und Wikis einerseits „nur“ Software sind, mit der man Informationsmanagement betreiben kann, sie aber gleichzeitig gelebtes Wissensmanagement sind auf individueller und kollektiver Ebene:

    Wenn man aus dem Prozess heraus bloggt „remixed“ man Informationen. Man setzt sie in neue Zusammenhänge, spielt damit. Man lernt in dem Moment in dem eine neue Perspektive eingenommen wird.

    Und gleichzeitig ist es kollektives Wissensmanagement. Der Kontext, in dem der Beitrag entstand, ist für alle Leser nachvollziehbar. Pro, Contra, alle Argumente. Sogar ob die Diskussion eher auf der sachlichen oder emotionalen Ebene geführt wurde.

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