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Interne Blogs: Wissen und Fähigkeiten werden als Prozess deutlich

10. August 2008
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Im Rahmen eines Auftrags der Einführung und Betreuung einer Wiki- /Blog-Kombination lese ich mich nach Wikis zurzeit immer stärker in den Beitrag der Blogs zum internen Wissensmanagement ein. Gestern Abend entdeckte ich ich einen anregenden Artikel im weiterbildungsblog, der zwar schon vom Oktober 2005 stammt, aber trotzdem aktuell geblieben ist: „What´s in it for me? Über den Nutzen von Weblogs für Wissensarbeiter„.

Jochen Robes macht in diesem Essay auf zwei große Probleme des Umgang mit Wissensarbeit aufmerksam. Zum einen seien die meisten früheren Versuche nur angebotsorientierte Datenbanken gewesen, die „losgelöst von ihren Trägern und dem Kontext ihrer Entstehung auf die Interpretation von Wissensarbeitern warteten“. Was aber selten in Anspruch genommen wurde. Zum zweiten sei viel zu häufig außer acht gelassen worden warum die Träger des Wissens überhaupt ihr Wissen zur Verfügung stellen sollten? „What´s in it for me?“.

Darüber hinaus, und noch interessanter, bestehe das „Problem in der falschen Ansicht, dass Wissen einfach nur als Produkt gesehen wird, das jemand besitzen oder nicht besitzen kann. Die Folge dieser Misskonzeption ist, dass der Prozess des Erwerbs von Wissen und auch die Transformation von Wissen in Fähigkeiten und Kompetenzen nicht unterstützt wird“. Die einzelnen Schritte würden unmittelbar zusammenhängen und nur analytisch getrennt sein.

Dem kann ich nur zustimmen. Denken verläuft assoziativ, nicht linear. Die Antwort für eine Frage ergibt sich häufig in unerwartetem Kontext. Ich sehe es auch an meinen subjektiven Erfahrungen mit diesem Blog: Jeder (ernsthaftere) Artikel ist Reflektion, Verknüpfung und Vertiefung. Und immer eingebunden in einem bestimmten Kontext einer Lebenssituation. Ich sehe vor diesem Hintergrund folgende Vorteile bei der internen Verwendung von Blogs.

  • Blogartikel verbinden die Person des Autors, dessen Subjektivität, den Gegenstand sowie die Information
  • Blogs ermöglichen schnelle Interaktion gerade mit interessierten Kollegen durch Verlinkung und Kommentare
  • Die Sichtbarkeit innerhalb eines interne Blogs als Fachmann erzeugt Reputation für die Autoren – ein großer Anreiz für Beiträge
  • Die Aufbereitung von Best-Practice in Form eines Blogs – und eingeschränkt in einem Wiki – macht den Prozess der Wissensaneignung deutlich. Wie das fertige Ergebnis zustande kam.
  • Prozesse ändern sich, oder auch die eigene Sichtweise auf den „richtigen“ Weg. Das ist in Ordnung und menschlich. Auch Lernen durch Fehler wird dadurch erleichtert.

Robes bezeichnet es folgendermaßen: „Weblogs machen die Entwicklung ihrer Autoren, ihre Arbeitsweise und Lernprozesse transparent. Insofern wird Knowledge Work in Teilen wieder sichtbar. Weblogs mit
regelmäßig gepflegten Einträgen können den Konstruktionsprozess von Wissen und damit die Arbeits- und Lernkarrieren ihrer Autoren nachvollziehbar machen.“

Weiterführende Gedanken zum Thema findet man auch in meinem Lieblingswirtschaftsmagazin Brand Eins. Dort las ich vor Monaten in der Ausgabe 5/2008 zu Bildung (und Dummheit) einen Artikel über das Wissensmanagement beim Maschinenbauer KSB. KSB steht vor dem Problem des altersbedingten Ausscheidens von Führungskräften und wie deren Wissen im Unternehmen gehalten werden kann. Auch hier kommt ganz klar zum Ausdruck, dass sich implizites Wissen nur in der Arbeit mit anderen weitergeben lässt.

3 Kommentare leave one →
  1. Regina Schlager permalink
    18. August 2008 12:45

    Hallo Ludwig!

    Sensibilisiert dafür, welche Metaphern für Wissen wir verwenden, fällt mir auf, dass auch im Zusammenhang mit Web 2.0 noch häufig die Metapher von „Wissen als Ding“, „Wissen als Produkt“ verwendet wird.

    Erst neulich wieder in einem Artikel über Web 2.0 im Unternehmen: der Artikel berichtet über eine Studie, die unter anderem zeige, dass deutsche Unternehmen zwar erfolgreich mit neuen Web 2.0 Techniken experimentieren, sie aber nicht unternehmensweit einsetzen. So entstünden „Wissensinseln, die für einen effizienten Austausch von Informationen wenig bringen.“ Das kollektive Wissen bliebe damit weitgehend ungenutzt.

    Ich dachte mir beim Lesen gleich: Vernetzung als unternehmensweite Datensammlung? Kollektives Wissen als abgespeichertes Produkt? Ist nicht gerade auch der Lernprozess bedeutsam? Liegt das große Potential nicht eher im (gemeinsamen) Tun? Wird nicht der Aspekt des Lernens häufig gar nicht in den Blick genommen? Oder aber – welche Begriffe von Lernen haben wir überhaupt? Dominiert nicht unter anderem immer noch die Auffassung von Lernen als Übertragung von Information, ja Wissen?

    Liebe Grüße
    Regina

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