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Wikis im Unterricht 1: Geeignet zur Berufsvorbereitung?

5. April 2010

Um mich auf einen möglichen Großauftrag vorzubereiten las ich mich die letzten Tage vermehrt in das Thema „Wikis (und Blogs) in Schule und Unterricht“ hinein. Es geht um die Frage ob und wie man ein Wiki zur Berufsvorbereitung der Oberstüfler einsetzen kann. Klar! sagte ich da instinktiv. Da sonst eher Unternehmen meine Kunden sind machte ich mich auf die Suche.

Nun stehen Wirtschaft und vor allem Bildungsinstitutionen tradionell eher im Ruf Entwicklungen mit einer gewissen Verzögerung nachzuvollziehen, und auch erst dann wenn „es sein muss“. Hinzu kommt: meine eigenen Erfahrungen mit dem System Schule waren recht unbefriedigend – habe ich eigentlich jemals wieder so langsam gelernt?

Demgegenüber stieß ich noch nie bei einer Recherche auf so umfangreiche Vorarbeit anderer Leute, die sich mit dieser Fragestellung intensiv befasst haben. Interessanterweise: diese „Leute“ waren weit überdurchschnittlich häufig Schweizer😉

Wenn man eine Menge Stoff findet und zu analysieren hat benötigt man eine Struktur um die Ergebnisse zu filtern. Nach Anwendungen? Themen? Anzahl der Nutzer? Nein.

Bei Thomas Pleil stieß ich in einem Artikel über Google Sites auf das Konzept der „Öffentlichkeit“, an die sich das jeweilige Wiki bzw. die damit verbundene Anwendung richtet. In Anlehnung dazu habe ich ein paar Ebenen der Anwendung identifiziert, mit jeweils größerer Reichweite und zunehmender externer Öffentlichkeit:

  1. Einzelne Projekte und Fächer
  2. Klasse
  3. Ein klassenübergreifendes Thema
  4. Ganze Schule
  5. Die Schulen einer Stadt
  6. Vernetzung mit Schulen anderer Städte, z.B. Partnerstädte

Zum 1. Bereich findet man am meisten und eine Fülle an kreativen Ideen, die mich gemessen an meinen eigenen Erfahrungen gleichermaßen erstaunt und gefreut haben🙂.

  • Einzelne Projeke und Fächer
    • Projektmanagement, nur für die Dauer eines Studienschwerpunktes, einer Lehrveranstaltung oder eines Projektes angelegt.
    • Unterrichtsvorbereitung: aktuelle Ergänzungen, zur Diskussion und zum Ideenaustausch sowie zur Strukturierung des vorhandenen Materials.
    • Klausurvorbereitung, parallel zum Unterricht (Neufassung, Vergewisserung, Kontextualisierung…).
    • Kooperation mit externen Trägern, z.B. Galerien: Nachbereitung, Besprechung, Erweiterung…
    • Exkursionen planen
    • Kollaboratives Glossar und Unterrichtsarchiv
Bildnachweis: Thomas Kölsch, pixelio.de

Bildnachweis: Thomas Kölsch, pixelio.de

Das Erkenntnisinteresse des Gesamtelternbeirats zur Unterstützung der Berufsorientierung der Oberstüfler passt in die 1. Kategorie allerdings nicht rein.

Stattdessen scheint mir die 3. Kategorie „Klassenübergreifendes Thema“ besser zu passen – in Verbindung mit der 5. Kategorie: Schulen einer Stadt. Denn schließlich ist es ein Thema das alle Oberstufenschüler gemeinsam betrifft, und über alle Schulen hinweg. Warum also nicht gleich eine gemeinsame Lösung denken und implementieren?

***

Nach der Recherche sehe ich Vorteile einer Umsetzung der Berufsvorbereitung mit einem Wiki /Blog sowohl direkter als auch indirekter Art – gut ergänzbar mit Blogs:

Direkte Vorteile für Berufsvorbereitung:

  • Selbstverständlich alle Möglichkeiten der 1. Anwendungsebene „Einzelne Projekte und Fächer“🙂
  • Aktuelle Adressammlungen von Ansprechpartnern, z.B. Berufsberatung, externen Coaches…
  • Aktuelle Literatursammlungen, nützliche Links
  • Austausch:🙂
    • Was gehört alles zur Berufsfindung? Was muss ich beachten?
    • Gemeinsame Selbstfindung: Was will ich überhaupt?
    • Praktikumsberichte: Wie war es bei XY? Was bedeutet das für die Berufsvorbereitung?
    • Alumni: Wie geht es mir im ersten Job? Hält er die Erwartungen? War ich gut vorbereitet?
  • Archiv: alle früheren Inhalte können den nachfolgenden Schülern weiter zur Verfügung stehen

Indirekte Vorteile:

  • Generell Heranführung an moderne Medien – Schüler und Lehrer gleichermaßen
  • Medienkompetenz: Werkzeug Wiki selbst sowie Multimedialität. Denn: immer mehr Wiki-Eigenschaften sind Alltag! Google Docs / Wikinomics
  • Lernen wissenschaftlichen Arbeitens: zitieren, unterschiedliche Quellen und Standpunkte verknüpfen und besprechen, Standpunkte vergleichen und bewerten…
  • Lernen moderner Arbeitsformen: Teamarbeit, kollaboratives Arbeiten

***

Die Berufsvorbereitung mit einem Wiki umzusetzen halte ich sowohl technisch als auch organisatorisch für gut machbar. Entscheidend ist eben dass die Verwendung des Werkzeugs Wiki in den schulischen Ablauf und ein didaktisches Konzept eingebettet wird.

Im zweiten Teil habe ich mir Gedanken darum gemacht WARUM Soziale Software gut in Unterricht und Berufsvorbereitung passt: Wikis im Unterricht 2: Methoden des Lehrens

3 Kommentare leave one →
  1. 5. April 2010 23:13

    Hallo Ludwig,

    zu einem Wiki in der Berufvorberitung habe ich folgende Anmerkungen:
    1) In der Darstellung sollten die direkten Vorteile für die Nutzer unbedíngt zuerst genannt werden.
    2) Zusätzliche interessante Inhalte sehe ich in folgenden Bereichen:
    – Freiwillige Ansprechpartner (z.B. aus der Elternschaft und deren Bekannten) sind bereit im Wiki Fragen zu ihren Berufen zu beantworten
    – Unternehmen der Umgebung bieten für zukunftsträchtige Berufe Schnupperpraktika für Schüler an
    – Veranstaltungen zur Berufsinformation werden von Industrievertretern und Arbeitsagenturen abgehalten und über das Wiki angekündigt – es besteht zusätzlich die Möglichkeit für Schüler vorher schon Fragen einzustellen
    – Checklisten werden angeboten, die es den Schülern erleichtern ihre Stärken/Schwächen und Interessen mit Berufsbildern abzugleichen

    Viele Grüße, Thomas

  2. 5. April 2010 23:32

    Hallo Thomas, danke für die Anregungen🙂

    Den ersten Punkt habe ich gleich umgesetzt, eigentlich selbstverständlich…

    „Monitoring“ wäre noch ein Punkt, der mir zu deinen weiteren Anregungen einfallen würde: die Möglichkeit für Vertreter von Firmen vor Ort, durch einen Blick in das Wiki Diskussionen zu bestimmten Themen (Projekten / Firmen / etc.) direkt unterstützend eingreifen zu können. Damit wäre die interne Öffentlichkeit auch gleich um eine externe erweitert!

    Veranstaltungsankündigungen und Checklisten sind sicher nichts Verkehrtes und würden ihren Platz finden, sehe ich aber primär nicht als „Wiki“ an. „Wiki“ sind für mich Möglichkeiten gemeinsam und kollaborativ etwas Neues entstehen zu lassen – schau dir doch mal den 2. Teil an: Methoden des Lehrens Methoden des Lehrens

Trackbacks

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