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Wikis im Unterricht 2: Methoden des Lernens – warum Wikis von Vorteil sind

8. April 2010

Die letzten Tage recherchierte ich ausgiebig zum Thema Wikis im Schulunterricht. Hintergrund ist ein möglicher Großauftrag einer mittelgroßen Stadt, wo man sich mit der Frage nach Möglichkeiten der Berufsorientierung für Oberstufenschüler herumschlägt. Nun sucht dieser GEB in Social Software wie Wikis und Blogs – erstmal nur für ein Gymnasium – eine Lösung für dieses Problem. Im letzten Artikel zu dieser Frage machte ich mir bereits  Gedanken über ein Wiki in der Berufsvorbereitung.

Oberflächlich betrachtet war die Frage schon beantwortet. Erst mit einer Systematik wie man Wikis für Anwendungen unterschiedlicher Reichweite einsetzen kann, und dann mit konkreten Vorteilen für die Berufsorientierung. Trotzdem setzte sich die Frage bei mir fest: Warum passt das eigentlich so gut? Warum passen Wikis zum Lernen? Und zu welchem Lernen konkret? Wie lernt man damit? Welche Vorteile hat das?

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Auf der Suche nach Antworten stieß ich auf zwei interessante wissenschaftliche Arbeiten, von denen sich die zweite auch auf die erste bezieht. Alfred Klampfer befasste sich in seiner BA-Arbeit als Erziehungswissenschaftler mit den Potentialen von Wikis im Lehr- und Lernprozess. Er unterscheidet drei Formen des Lehrens/Lernens, die aufeinander aufbauen:

  1. Lehren I: Wissen transferieren (S. 11 f)
  2. Lehren II: Wissen erwerben und erarbeiten (S. 12 f)
  3. Lehren III: Wissen generieren und konstruieren (S. 13 f)

Quelle: Jürgen Oberguggenberger, pixelio

Die 1. Form des Lehrens lehnt stark an den Behaviourismus an. Dieses  Modell  hat seinen Ursprung  darin, dass „befähigte, wissende Personen noch nicht befähigte, nicht wissende Personen zu einem bestimmten Verhalten  bringen. Es geht um die Vermittlung von Faktenwissen. Aktive Lehrende, passive Lernende. Die Lehrenden entscheiden darüber, was zu lernen ist, wie das Wissen strukturiert, aufgeteilt und präsentiert wird“. Klingt nach Frontalunterricht, oder?😉

Die 2. Form des Lehrens ist schon interessanter, er entspricht dem Modell des Kognitivismus: Es geht nicht nur um Input – Black Box – Output, nein, was dazwischen passiert ist von Interesse.

Zitat: „Die Lernenden greifen  aktiv in eigene Problemlösungsstrategien ein, indem passende  Methoden ausgewählt, angewendet und Erfolge  bzw. Misserfolge reflektierend und kontrollierend betrachtet werden. Der Aufbau und Erwerb prozeduraler Wissensstrukturen steht in diesem Paradigma über der Aufnahme von Faktenwissen“.

Richtig interessant wird es allerdings bei der 3. Form des Lehrens: „Wissen generieren und konstruieren“. Sie entspricht dem Modell des Konstruktivismus. Zitat: „Probleme im realen Leben sind „komplex, unüberschaubar, einzigartig und nicht mit einem eindeutigen  Ergebnis  lösbar“. Sie  sind  nicht  didaktisch  reduziert und  portioniert  und  passen oft  nicht  in  einen  vorgegebenen  Zeitrahmen.  Die Frage  in  diesem  Modell  lautet,  wie  Lernende  zu  einer „eigenständigen Identifikation und Lösung von Problemen geführt werden“ können.

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Und genau hier fängt es an sehr interessant zu werden, hier kommen Wikis und Blogs ins Spiel. Von der Möglichkeit Wissen mithilfe von Web 2.0-Instrumenten gemeinsam zu konstruieren schrieb ich bereits im Artikel „Enterprise 2.0, Wissensmanagement und die erweiterte Wissenstreppe„. Bei Alfred Klampfer findet sich die folgende Übersichtsgrahik:

Klampfer schreibt zusammenfassend auch …

Das Arbeiten mit Wikis ist hierfür keine Ausnahme. Es führt zu keinem neuen  Lehr-/  Lernmodell,  sondern vergrößert  lediglich  die  pädagogisch-didaktischen Möglichkeiten der Lehrenden und Lernenden. Eine undifferenzierte Einordnung von Wikis  in  eines der oben beschriebenen Modelle (z.B. „Lehren III“) ist nach Meinung des Verfassers nicht möglich und auch  nicht  sinnvoll, sondern muss für jede Einsatzmöglichkeit  im  Lehr-/ Lernprozess differenziert betrachtet werden.

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Ergänzend dazu äußert sich Klaus Himpsl ebenfalls zu diesem Thema (Link zur Masterthesis). Er bezieht sich auf die obengenannte Systematik von Klampfer, geht aber noch einen Schritt darüber hinaus zu fragen: für welche Arten von Lernen kann man denn dann Soziale Software wie Wikis konkret verwenden? Welchen Anforderungen aus dem Alltag entspricht das? In diesem Fall noch auf die Umsetzung mit der Software MediaWiki bezogen. Ein abschließender Blick auf diese tabellarische Übersicht lohnt sich auf jeden Fall – es fällt auf dass sich auf mehr als die Hälfte der Anwendungen mehrere der Lernmodelle übertragen lassen. Genauso wie bei Klampfer werden diese Modelle bei Himpsl nicht als konkurrierend, sondern als ergänzend aufgefasst.

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