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Lineares, laterales und assoziatives Denken

13. April 2010

Kürzlich, als ich mit Thomas Strobel für die Organisation eines Seminars zusammensaß, entwickelte sich nebenbei eine kleine gutgelaunte Diskussion über die Unterschiede zwischen linearem Denken, lateralem Denken und assoziativem Denken. Die Definitionen hatte ich vorher nicht parat und fand das interessant.

Besprochen hatten wir das am lustigen Beispiel eines schwarzen Eddings, so mitten aus dem Leben gegriffen.

Beim linearen Denken seien wir sehr zielgerichtet. Wir wissen, wo Edding draufsteht ist Stift drin, ist Keilmine drin, ist Beschriftung von Papier und insbesondere von Flipcharts und ähnlichem drin. Stift + „edding“ = Beschriftung von Papier. Klar, oder?

Die Eigenschaften des Gegenstands und seine Funktion sind eins. Das ist ziemlich enggefasst und hält sich strikt an eine vorgegebene Funktion. Beim lateralen Denken lässt man dem Kopf ein bisschen Platz. Der ist ja bekanntlich rund damit das Denken die Richtung ändern kann. Beim lateralen Denken schauen wir uns die Eigenschaften des Gegenstands an ohne ihnen gleich eine Funktion zuzuweisen.

Hmmm.. wir sehen klobige Form, liegt gut in der Hand. Schwarze Farbe, eine Mine mit Keil aus festem Material, mit der man bestimmt gleichbleibende längere Striche ziehen kann. Damit muss man nicht schreiben. damit könnte man auch … etwas auf die Wand malen! Zeichnen. Einen sauberen Dekorationsstrich an die Wand machen. Die Wohnung verschönern. Toll, so ein Edding.

Lustig wurde es dann beim Beispiel für das assoziative Denken. Unser Stift hat jetzt zwar noch eine Form, aber keine definierten Eigenschaften mehr, und erst recht keine Funktion. Was es ist hängt ganz davon ab in welchem Kontext wir ihn sehen. Und an was die Form erinnert.

Der Gegenstand ist kurz, dick, hat eine schwarze bedrohliche Spitze. Und die Spitze hat wiederum längliche Verstrebungen und Einkerbungen dazwischen. Hmmm…

Als Kind im Schulunterricht – und leidenschaftlicher Fan von Science-Fiction-Filmen – war die Sache für mich klar: Es handelt sich um ein Raumschiff! Um ein Kampfraumschiff, um genau zu sein. Groß genug um mächtig zu sein, viel größer und stärker wirkend als die normalen Stabilos, die höchstens als Frachtraumschiffe durchgehen. Wendig. Der hintere Teil wirkt dann wie ein mächtiges Triebwerk für schnelle Aktionen in fernen Galaxien.

Und die Spitze bekam eine ganz neue Bedeutung: die Einkerbungen des Deckels waren selbstverständlich geschützte Ein- und Ausflugschneisen für kleine Patroullienschiffe. Kleine Häfen sozusagen🙂 …

***

Um wieder zum Ernst des Lebens zurückzukehren: Es ist nichts schlechtes an jeder dieser Denkformen. Jede hat ihre Berechtigung. Wenn man es mit Standardprozessen zu tun hat ist lineares Denken notwendig und nützlich.

Das Dumme ist nur: in immer weniger Branchen reicht es ausschließlich linear zu denken. Neue Lösungen muss man immer wieder und immer öfter finden, das geht nur lateral oder assoziativ. Sogar Handwerker werden immer mehr zu Wissensarbeitern.

In dem Zusammenhang finde ich es notwendig als Unternehmen – nicht nur im produzierenden Gewerbe, auch z.B. als Marketingagentur oder Anwaltskanzlei – das Informationsmanagement so zu gestalten dass scheinbare Gewissenheiten und Einzelaspekte in neue Zusammenhänge gebracht und gedacht werden. Ein klarer Vorteil von Sozialer Software bzw. kollaborativer Software wie Wikis und Blogs.

***

UPDATE 17. April 2010: Hr. Larbig machte sich bereits viele und interessante Gedanken zum Unterschied zwischen linearem und vernetztem Denken, und geht der Frage nach inwieweit die unterschiedlichen Denkweisen die Mediennutzung beeinflussen – ein übrigens empfehlenswerter „Lehrerblog“

6 Kommentare leave one →
  1. Chrissy permalink
    13. April 2010 20:31

    Hallo Ludwig,
    ich vermisse das „kreisförmige, zyklische Denken“, das in Ostasien und so auch im TCM beheimatet ist. Wenn a) dann b) dann c) dann d) dann wieder a).
    Trifft das auch auf den edding zu und und wenn ja, wie hängt das mit den obigen Denkformen zusammen, ausser dass ein Kreis ebenso wie der Kopf rund ist🙂

    Oder gibt es bei edding in Anbetracht der keilförmigen Mine (wobei eine Mine ja eigentlich auch immer rund ist) kein Äquivalent?

    Viele Grüsse aus den Tiefen des Universums
    Christina

    • 13. April 2010 20:54

      Hallo Chrissy,

      gute Fragen. Zyklisches kreisförmiges Denken finde ich ebenfalls als Methode interessant, war aber kein Gegenstand unserer gutgelaunten Diskussion.

      Um ehrlich zu sein bringe ich es auch im Moment nicht in Zusammenhang mit dem Edding-Beispiel …🙂 Kannst du weiterhelfen

      Oder ist ein „Edding“ ein a) handlicher keilförmiger Stift, der b) wegen seiner Eigenschaften auch als Deko-Werkzeug taugt, dessen Form (als Eigenschaft) c) frappierende Ähnlichkeit mit einem intergalaktischen Kampfraumschiff hat? Wobei d) dieses Raumschiff eine frappierende Ähnlichkeit mit einem handlichen keilförmigen Stift hat, das deshalb a) ein Edding sein muss!

      Spaß macht sowas als intellektuelle Übung, aber wo ist der Nutzen dieses kreisförmigen Denkens? Welche Erkenntnisse gewinnt man dadurch?

  2. 4. April 2012 13:52

    Danke für die Defintion und Abgrenzung dieser Denk-Begriffe! Gerade im Unterricht (und beim Lernen) wird viel zu wenig Bezug dazu genommen.

    • 4. April 2012 15:08

      Gerne. Im Nachhinein habe ich einige Sachen kennengelernt, die ich als Rahmen für´s Lernen gern parat gehabt hätte. Gerade „Denk-Begriffe“, sozusagen, Denk-„Handwerkszeug“ hätten mich interessiert, um gleich parat zu haben, dass unterschiedliche Herangehensweisen unterschiedliche Ergebnisse erzeugen … Lieber spät als nie😉

  3. dominique blickenstorfer permalink
    1. Mai 2012 12:04

    Sehr geehrte Damen und Herren!
    Ihr Artikel zum assoziativen Denken hat mir aus dem Herz gesprochen. Wir pauken immer noch zu sehr totes Faktenwissen, wie Sie in Ihrem Beispiel edding=Markierfilzer eindrücklich beschreiben. Stattdessen sollten wir viel mehr wieder lernen, in Synonymen und Verbindungen (Assoziationen) verschiedener Ideen zu einem Begriff zu denken. Sehr schön beschreibt diesen Sachverhalt auch Rudolf Steiners Buch: Das Johannes-Evangelium, und zwar in folgender Weise: Uhr und Zeitmesser kann jedermann Uhr und Zeitmesser nennen. Stattdessen geht es vielmehr darum, vom Faktenwissen Lauubaum=grüne Blätter die Verbindung zwischen beiden zu schaffen. Dies besagt übrigens auch Goethe in seinen Naturwissenschaften, dass nur aus einer Vielzahl verschiedener Knochen deren Gemeinsamkeit herauskristallisierbar ist. Wer ebenfalls an diesen Gedanken interessiert ist, kann sich gerne bei leopard@sunrise.ch melden.

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