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Welches Potential hat Enterprise 2.0 für … Mitarbeiter? (Vertrauenskultur II)

30. Januar 2012

(C) J. Oberguggenberger, pixelio

In einem Kundenworkshop als Sharepoint-Consultant ging es um die gute und spannende Frage: „Welches Potential hat Enterprise 2.0 für Mitarbeiter?„. Der Kunde hat Sharepoint 2010, und eine Vorstellung von den darin zur Verfügung stehenden Web 2.0-Werkzeugen – welche, und was man damit ungefähr anfangen kann.

Nun ging es dem Kunden darum die Mitarbeiter über die „normale“ Zusammenarbeit mit Dokumenten hinaus für die Zusammenarbeit mit Web 2.0-Werkzeugen zu veranlassen. Dazu setzte man sich beim Kunden hin und grenzte das Thema systematisch ein …

Ausgangspunkt meiner Überlegung: An der Flipchart stand unter „Potential für Mitarbeiter“:

  1. Auffinden von Wissen und Wissensträgern
  2. Innovationspotential
  3. Identitätsmanagement
  4. Informationsmanagement (persönlich & personalisierbar)

Diese Auswahl fand ich spannend. Alles richtig und wichtig. Aber unvollständig. Die beiden unteren Aspekte liegen auf der Hand, sehr viel interessanter sind „Auffinden von Wissen und Wissensträgern“ sowie „Innovationspotential“. Mehrere Fragen drängen sich auf:

  • Welches Wissen wird gefunden? (keine banale Frage)
  • Wie kommt dieses Wissen ins System? Wann?
  • Warum ist das Wissen überhaupt im System? Wer sind die Wissensträger, und warum haben sie überhaupt Wissen hineingetragen? Was hat sie dazu motiviert?

Und daran im Anschluss gefragt:

  • Ist „Innovationspotential“ ein Nutzen für Mitarbeiter? Handelt es ich um ein anderes Wort für „Anregungen“ / „neue Ideen“?
  • Was macht denn das Innovationspotential aus? Woher kommt das „innovative“, das im besten Fall mehr ist als die lineare Weiterentwicklung des Bekannten?

***

Publikum - Aufmerksamkeit - Sichtbarkeit als Voraussetzung dafür dass Mitarbeiter ihr Wissen einbringen wollenDie meisten dürften diesen Satz kennen: „Wenn Siemens nur wüsste, was Siemens weiß„. Er besagt dass Mitarbeiter eines Unternehmens insgesamt mehr wissen als die Organisation. Dass dieses Mitarbeiterwissen nie vollständig von der Organisation genutzt wird – weil die Organisation nicht einmal davon weiß, was sie nicht weiß. Und vor allem dass die Mitarbeiter Dinge wissen, über die die Organisation ebenfalls Bescheid wissen sollte.

Meine These dazu wäre: Dieses aufzufindende „Wissen“ und die „Wissensträger,“ das „Innovationspotential“, das alles erfordert noch etwas anderes als Voraussetzung: dass sich die Mitarbeiter initiativ einbringen. Einbringen dürfen und einbringen wollen!

Und das ist aus meiner Sicht das größte Potential von Enterprise 2.0 für Mitarbeiter: Sich eigeninitiativ einbringen zu können. Sichtbar zu sein.Vernetzung und Austausch zu haben, und voneinander zu lernen. -> Das tun Menschen aber nur unter bestimmten Bedingungen:

  • Klima der Offenheit, der Erwünschtheit von Initiative
  • Resonanz
  • Anerkennung

Ich behaupte auch: Unter guten Bedingungen wollen Mitarbeiter ihr Wissen einbringen! Weil wir darüber Bescheid wissen, was uns interessiert, was uns Spaß macht. Weil wir gern über das sprechen und schreiben, was uns begeistert. Und weil wir im Grunde alle schon bemerkt haben, dass kleine Geschenke die Freundschaft erhalten😉 Jede interessante Info ist Anreiz es gleichzutun und selbst zu teilen.

-> Dann bekommt man auch die ersten beiden Punkte auf der Flipchart: Der Wissensträger macht sein Wissen und sich als Träger nur dann sichtbar, wenn er was davon hat. Innovationspotential kommt erst dann zum tragen, wenn es auch „um die Ecke gedacht ist“, wenn es eine Außenperspektive reinbringt.

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Von T-Systems gibt eine eine grandiose, dreiteilige Präsentation zu diesem Thema. Hier der erste Teil:

***

Voraussetzung dafür: ist allerdings eine bestimmte Unternehmenskultur. Um diesen Gedanken zu vertiefen legte ich kürzlich die Grundlagen, als Teil 1 meiner Überlegungen hier im Artikel zu verstehen: „Der Weg zur Vertrauenskultur: Bis zum Enterprise 2.0 dauert es noch etwas„.

Ich schrieb über den Gegensatz von Misstrauenskultur zur Vertrauenskultur – von der ich meine dass es die Voraussetzung für Eigeninitiative der Mitarbeiter ist:

Folgende Aspekte der Vertrauens“kultur“ finde ich im Hinblick auf die erfolgreiche und nutzenstiftende Verwendung von Web 2.0-Werkzeugen besonders interessant, wenn wir „Technik“ und „Organisation“ als vorhanden voraussetzen:

  • […] Organisation als lebendes System, Lernende Organisation
  • Organisation zur Aktivierung des Leistungspotentials motivierter Mitarbeiter, Eigenkontrolle
  • Flache Hierarchie, Typ Selbstorganisation
  • Geringe Regelungsdichte, Beschränkung auf generelle Werte und Normen [in klarem Rahmen]

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Fazit: Enterprise 2.0 ist dann, wenn Mitarbeiter ihr Wissen teilen, und teilen wollen, sowie eigeninitiativ Informationen, Fragen, Anregungen und Spekulationen in das Unternehmen tragen. Das größte Potential von Enterprise 2.0 für Mitarbeiter ist: Sich eigeninitiativ einbringen zu können. Sichtbar zu sein.Vernetzung und Austausch zu haben, und voneinander zu lernen.

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UPDATE 17.10.2012: Unter dem Titel „Unternehmenskultur und das mittelalterliche Rechtsverständnis …“ habe ich das Thema aus einer etwas anderen Perspektive beleuchtet.

 

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