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Komplexe Systeme / Emergenz: wichtig um Collaboration und Enterprise 2.0 zu verstehen

12. April 2012

Anlass des Artikels

Emergenz ist ein Schlüsselbegriff, der mir bei meiner Arbeit und meinen Recherchen oft begegnet ist, gerade zu Themen wie Effizienz / Innovation / Enterprise 2.0 / Wikis … – merkwürdigerweise aber nur im englischsprachigen Raum. Auch in verschiedenen Blogartikeln habe ich den Begriff für den theoretischen Unterbau meiner Überlegungen verwendet. So oft, dass es sich lohnt mal einen eigenen Artikel darüber zu schreiben.

Anlass ist die systematische Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Collaboration, Wissensmanagement und Enterprise 2.0. Was bedeuten die Begriffe? Wo überschneiden Sie sich, wo ergänzen sie sich? Dabei wurde schnell deutlich dass „Komplexität“ und „Emergenz“ eine wichtige Rolle spielen, vor allem bei der Auseinandersetzung mit Collaboration (Link).

Da Emergenz etwas ist, was sich aus den Eigenschaften komplexer Systeme ergibt, macht es Sinn sich erst einmal dem Begriff „Komplexität“ zu nähern …

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Warum ist „Komplexität“ für IT-Consulting interessant?

Komplexität ist ein Begriff, der uns Politikwissenschaftlern gut bekannt ist, denn, wie die Wikipedia richtig sagt, jedes soziales System ist ein komplexes System. Das macht es leicht dieses Thema zu denken. Das heißt: Wenn Unternehmen soziale Systeme sind (zweifellos), dann sind auch Unternehmen komplexe Systeme. Und: Zusammenarbeit in Unternehmen folgt den Regeln, die aus den Eigenschaften komplexer Systeme ergeben – inkl. Emergenz, womit sich der Kreis schließt …

Nach der Definition von Komplexität und Emergenz folgen dann konkrete Beispiele für Emergenz in Unternehmsprozessen.

Was ist Komplexität?

Eine anschauliche Graphik ist die folgende, von der ich leider die Quelle nicht mehr habe, aber immerhin den Urheber weiß (Ulrich Probst) . Die zeigt anschaulich den Unterschied zwischen lediglich komplizierten Systemen und komplexen Systemen – ein Riesenunterschied!

  • Komplizierte Systeme haben eine hohe Anzahl von Elementen, die in linearen, beschreibbaren Beziehungen zueinander stehen
  • Komplexe Systeme haben eine hohe Anzahl von Elementen, die in wechselseitigen, nicht-linearen, und daher unvorhersagbaren Beziehungen zueinander stehen: Emergenz (was hier nicht steht)

Komplexität Kompliziertheit Komplexes System Zeitverlauf Dynamik

via Ulrich Probst

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Auf einem meiner Lieblingsblogs (aus Sicht eines Ingenieurs geschrieben), dem www.wandelweb.de, fand ich zwei gute vertiefende Artikel dazu, was Komplexität eigentlich sei: hier und hier. Vor allem letzterer schafft Grundlagenwissen. Hier eine Liste von Eigenschaften, was komplexe Systeme u.a. überhaupt ausmacht, nach Paul Cilier :

  • Komplexe Systeme bestehen aus einer großen Anzahl Elemente
  • Die Wechselwirkungen sind ziemlich umfangreich, beinhalten Schleifen, und haben eine Anzahl wichtiger Eigen­schaften: vor allem Nichtlinearität, eine wichtige Vorausetzung für Komplexität
  • Komplexe Systeme sind meist offene Systeme, das heißt sie stehen in Wechselwirkung mit ihrer Umwelt
  • Ein Systemelement kennt nicht das gesamte Systemverhalten und reagiert nur auf ihm lokal verfügbare Information!! Wenn wir auf das Verhalten eines gesamten komplexen Systems schauen, verlagert sich unser Fokus vom einzelnen Systemelement zur komplexen Systemstruktur. Die Komplexität entsteht als ein Ergebnis der Muster der Wechsel­wirkungen zwischen den Elementen (Emergenz)

In der Wikipedia heißt es unter „Komplexes System“ ebenfalls:

  • Emergenz: Im Gegensatz zu lediglich komplizierten Systemen zeigen komplexe Systeme Emergenz.

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Was ist Emergenz?

Emergenz ist ein zentraler Begriff, wenn man sich mit „Collaboration“ auseinandersetzt.

Laut Wikipedia definiert sich der Begriff über spontane Herausbildung neuer Eigenschaften der Systembestandteile – und damit laufende Veränderung des Systems selbst. Und die spontane Herausbildung ist die Konsequenz aus der Nichtlinearität der Wechselwirkungen zwischen den Elementen.

Ein typisches Beispiel sei eine Düne. Begründung laut Wikipedia: „Durch Wechselwirkungen zwischen Wind und Oberflächenstruktur bilden sich in der Sandwüste emergente Rippelmuster und Dünenlandschaften aus“.

Außerdem besteht laut Wikipedia übrigens eine hohe Überschneidung zwischen Selbstorganisation und Emergenz: Komplexität, Selbstreferenz, Redundanz und Autonomie, Ordnung entsteht aus dem System heraus. Ich würde dazu noch ergänzen: Wechselseitigkeit der Beziehungen, Rückkopplungseffekte.

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Beispiele für emergentes Verhalten in Unternehmensprozessen

Diese Gedanken, aber weniger ausformuliert und vertieft, stecken auch in meinen letzten drei Artikeln zu Sharepoint-Wikis, die an dieser Stelle als vertiefende konkretere Beispiele dienen können:

  • Sharepoint Wikis: Sinnvolle Ergänzung von Teamsites für Zusammenarbeit und Innovation (Teil 1 und Teil 2)
  • Wiki im Sharepoint: Motor für Durchbruchsinnovation (Kaikadu) (Link)
  • Am interessantesten allerdings wird die Betrachtung von Komplexität und Emergenz, wenn man sich mit dem Begriff „Collaboration“ auseinandersetzt – oft verwendet, selten definiert. Das ist auch der eigentliche Anlass für diesen Artikel, denn laut einem unbedingt lesenswerten Artikel im FASTForwad Blog namens „A framework for social learning in the enterprise“ ist Emergenz in Arbeitsprozessen das wesentliche Merkmal von Collaboration:

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Welche Auswirkungen diese Sichtweise auf Unternehmen als komplexe Systeme hat, habe ich im folgenden Artikel weiter ausgeführt:

Was ist “Collaboration”? Teil 2: Viel eher Social Learning, als nur Zusammenarbeit

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UPDATE 2.4.2014: Die Bedeutung des Aspekts „Komplexität“ für die Steuerung eines Unternehmens ist auch Gegenstand des Artikels „Lernende Organisation wegen Management von Komplexität„. Im Artikel geht es um den folgenden Vortrag von Niels Pfläging:

 

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