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Was ist Collaboration? (3): Modell für „Social Learning mit Sharepoint“

2. Mai 2012

Gegenstand des Artikels

Dieser Artikel ist eine Fortführung meiner Überlegungen, was eigentlich den Begriff „Collaboration“ ausmacht, siehe Teil 1, das Zwischenspiel zu Komplexität und Emergenz, sowie Teil 2. Dabei entwickelte sich der Wunsch diese Überlegungen zu Collaboration, verstanden als soziales ergebnisorientiertes Lernen, in ein Prozessmodell zu packen. Auch, um einen Rahmen zu skizzieren, wie eine Collaboration-Lösung für Kunden mit Sharepoint aussehen könnte, wenn man das oben definierte Verständnis voraussetzt.

Das Modell fügt die eher abstrakten Überlegungen der vorangegangen drei Artikel wieder zu einem konkreten Ansatz zusammen: den Einsatz von SharePoint(-Features) anhand eines Prozessmodells zu planen.

Dafür habe ich das 5i-Modell um die Dimensionen

  • Lerntyp
  • Lernebene
  • und den externen Aspekt

erweitert. Um systematisch erfassbar zu machen, wann welche Art von Lerntyp im Arbeitsprozess sinnvoll ist, und auf welcher organisatorischer Ebene. Und welches Sharepoint-Feature wann Sinn macht innerhalb eines Use Cases.

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Grundüberlegungen des neuen Modells

Dem Modell für „Social Learning mit Sharepoint“ liegen drei Grundüberlegungen zugrunde:

  • 1) Collaboration ist viel eher soziales ergebnisorientiertes Lernen (innerhalb komplexer Systeme) als nur Zusammenarbeit, aber eben mit Web 2.0-Tools
  • 2) Dieses Lernen lässt sich gut über eine Matrix aufschlüsseln, auf mehreren Ebenen. Nach Individuum > Gruppe > Organisation, sowie den Grad der Selbstbestimmung und Absicht

Diese Lernformen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • FSL ist ungefähr das was wir auch als Frontalunterricht bezeichnen. Kurse, Klassen, auch Workshops. Fremdbestimmt.
  • PDL bezeichnet zielgerichtetes und selbstbestimmtes Lernen
  • ASL ist spontanes, ungeplantes Lernen, sozusagen „nebenbei“. Man wusste nicht dass ein Thema für einen interessant war, aber jetzt weiß man es. Kann natürlich in PDL übergehen. Im angelsächsischen Sprachraum wird das als „Serendipity“ bezeichnet
  • GDL ist Collaboration pur: PDL, aber als Gruppe. Sozial.
  • IOL bezeichnet dieses soziale Lernen auf Organisationsebene.

3) Die letzte Grundannahme ergibt sich aus den vorangegangenen Überlegungen. Kurz gefasst: Unternehmen sind soziale Systeme. Soziale Systeme sind immer komplexe Systeme. Eine typische Eigenschaft sozialer Systeme ist die relative Offenheit nach Außen (Wechselwirkungen). Also sind auch die Informationsströme von Unternehmen relativ offen nach Außen.

5i-Modell: was geht, was nicht?

Das geht: Das 5i-Modell ist grundsätzlich geeignet, um einen wissensorientierten Arbeitsprozess abzubilden. Die einzelnen Schritte zeigen wie Wissen individuell entwickelt werden, oder reifen kann. Es ordnet Features einzelnen Prozessschritten zur Wissensentwicklung zu. Es erlaubt eine iterative Leseart, man könnte es auch als Kreis zeichnen, wie es ein Kollege mal getan hat.

Wenn man voraussetzt, dass Collaboration „Social Learning“ ist, dann lässt sich das Modell prinzipiell um Lerntypen und Lernebenen erweitern.

Das geht nicht: „Lösungen“ und „Inhalte“ sind nicht immer sauber unterscheidbar. Z.B. stehen Wikis und Blogs unter „Inhalte“, was sich mir nicht erschließt. Ich halte beides für eine „Lösung“. Allerdings spielt diese Unterscheidung für das „Social Learning-Modell“ auch nur bedingt eine Rolle. Das zu überarbeiten wäre sowieso einer der nächsten Schritte …

Das 5i-Modell zeigt auf jeden Fall einen fortlaufenden Prozess, nicht aber was diesen Prozess auslöst. Es beinhaltet keine externe Dimension, die ein Modell zur Abbildung eines komplexen Systems unbedingt haben sollte. Es bildet „Lernen“ nur im letzten Schritt (Instruktion) als eLearning oder Nebeneffekt von „Publishing“ ab. Wenn man die Definition von „sozialem ergebnisorientiertem Lernen“ voraussetzt, dann entspricht dieses Verständnis des 5i-Modells gerade mal Frontalunterricht als Lernform, aber sonst nichts. Sozusagen: Erst arbeiten, dann lernen. …

Hinzu kommt, dass nur die individuelle Ebene abgebildet wird, nicht aber Lernen auf Gruppen- oder Organisationsebene.

Und genau das habe ich in meiner Version des Modells versucht umzusetzen:

Entwurf eines „Social Learning mit Sharepoint“-Modells

Das Modell benötigt noch einen griffigeren Namen, falls es Bestand haben sollte, soviel steht fest😉 …

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5i Modell / Social Learning / Soziales Lernen / Collaboration / Wissensmanagement / Wissensreifung / Prozessmodell

Zur Vergrößerung bitte anklicken

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Veränderungen zum 5i-Modell

Vielleicht sollte ich bemerken, dass ich einige der Begriffe im Modell nicht nachvollziehen kann, den Status Quo aber beibehalten habe, wo eine Veränderung nicht notwendig erschien. Folgendes hat sich tatsächlich verändert:

  • „Blog“ steht jetzt statt nur unter „Interaktion“ auch unter „Individuation“. Um das zu belegen muss ich nicht weit schauen, denn mein eigener Blog, hier, erfüllt ebenfalls diese Funktion des Sammelns und Zusammenfassens.
  • Bei „Instruktion“ habe ich „eLearning“ aus „Lösungen“ geworfen, genauso wie „lernen“ aus „Inhalte“. Lernen ist jetzt nichts mehr das irgendwann mal kommt, sondern der Kern des Prozesses.
  • Das Dach mit den „Zugängen“ zu verschiedenen Medien habe ich ersatzlos gestrichen

Einzelne Prozesschritte im Modell

  • Neu ist der Start des Arbeitsprozesses. Sowohl individuelles ASL / PDL, als auch GDL kann einen solchen Recherche- und Aneignungsprozess in Gang setzen.
  • Neu sind auch die Bezüge zu „Extern“ – mal gehen auch in die Organisation rein, mal auch raus, mal beides.

***

  • Investigation: Der zur Investigation passende Lerntyp ist PDL – selbstbestimmtes zielgerichtetes Lernen. Neu ist noch die externe Ebene, die auf die Phase zeigt, weil zur Recherche auch externe Quellen eine Rolle spielen. Denn: wer nutzt bei der Arbeit nicht bei Gelegenheit Tipps aus Fachblogs oder technet?
  • Individuation: Der zur Individuation passende Lerntyp ist ebenfalls PDL. Blogs habe ich dort hinzugefügt, da dieser Schritt auch bedeuten kann Notizen nicht nur intern, sondern auch extern in einem Blog zusammenzufassen. Dieser Artikel ist das naheliegendstes Beispiel😉
  • Interaktion: Der Prozessschritt mit den meisten Veränderungen. Passende Lerntypen sind nicht nur PDL, sondern auch ASL – also asynchrones, zufälliges, unerwartetes Lernen. Auf Deutsch: man hat was Neues gefunden, das man nicht kannte, aber trotzdem interessant ist. Interaktion bringt das typischerweise mit sich. ASL könnte an dieser Stelle wieder einen neuen Durchgang des Prozesses starten, aber zu einem anderen Thema: PDL.

Selbstverständlich ist an dieser Stelle anzunehmen, dass „Interaktion“ keine individuelle Angelegenheit ist, sondern zwingend andere voraussetzt🙂. Deshalb habe ich das Modell nach oben um die Lernebenen Gruppe (GDL) und Organisation (IOL) erweitert. Gruppe, da zwei oder drei Leute schon eine Gruppe ausmachen -> hier findet die eigentliche Collaboration statt. Und Organisation, weil die Interaktion z.B. auch über einen zentralen Blog auf der Startseite des Intranets (teilweise) ablaufen kann: Artikel mit Meinung > Kommentare geben Feedback > Inhalte werden weiterentwickelt …

Logisch ist es dann sowohl GDL als auch IOL die externe Dimension zuzuordnen – wechselseitig. Interaktion kann auch auf Basis externer Inhalte (Links…) ablaufen, genauso können Ergebnisse im Rahmen einer Communitiy auch außerhalb des Unternehmens diskutiert und entwickelt werden. Stichwort: Open Source, oder Open Innovation. Das gleiche gilt natürlich auch für die organisationale Ebene.

  • Information: Jetzt beim Schreiben denke ich mir, dass ich auch die Information nicht nur um die individuelle PDL, sondern auch um das gruppenbezogene GDL hätte ergänzen können. Selbstverständlich werden bei der Formalisierung von Inhalten diese quergelesen, Feedback gegeben … also gemeinsam entwickelt.
  • Instruktion: Im ersten Entwurf dachte ich noch an PDL und FSL, aber mittlerweile denke ich eher dass sich diesem Schritt keine der indivuduellen Lernformen zuordnen lässt. Falls überhaupt, dann ist es aus meiner Sicht als IOL, als Teil des organisationalen Lernens aufzufassen.

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Fazit: Nutzen des Modells

Mit einem Ansatz wie dem „Social Learning mit Sharepoint“ auf Basis eines erweiterten „Collaboration“Begriffs ist es möglich Zusammenarbeit als schrittweisen Lernprozess abzubilden. Außerdem können so unterschiedliche Lerntypen klar nach Art der anstehenden Aufgaben unterschieden werden.

Das „Social Learning“-Modell leistet die für komplexe Systeme zwingende Einbindung des Externen, und ermöglicht so einen Überblick, wann externe Systeme (Blogs, etc …, aber auch Extranet-Funktionen) sinnvoll zum Einsatz kommen können.

Daraus lässt sich wiederum systematisch für Use Cases ableiten, wann für welchen Zweck welche Art von Feature Sinn macht, das „Social Learning“ / Collaboration, also Zusammenarbeit und komplexen Bedingungen ermöglicht

-> Aus meiner Sicht bildet dieses Modell also eine Art Vorlage, um einen integrierten Einsatz von „Collaboration“-Features in einer Matrix zu planen: einmal die Prozessschritte selbst, und einmal, vor allem bei „Interaktion“, über mehrere Organisationsebenen hinweg.

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Das ist jetzt kein abgeschlossener Gedanke, sondern ein Zwischenstand. Ich würde das sehr gerne diskutieren, überprüfen, ergänzen, weiterentwickeln. Freue mich also über alle Kommentare,  Mails, Anrufe …🙂

 

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