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Kann man Collaboration als Teil des Innovationsmanagements denken?

10. September 2012

Quelle: http://www.pixelio.de > wrw

„Innovation“ war als Thema schon immer eins meiner Steckenpferde, nicht erst seit ich im Sharepoint-Consulting tätig bin. Noch als Student der Politologie trieb mich z.B. die Frage um, unter welchen politischen Bedingungen sich ökologische Innovationen leichter am Markt durchsetzen (lassen)?

„Innovationsmanagement“ war denn auch wieder der Endpunkt meiner Überlegungen, nachdem ich vergangene Woche einen Artikel für die kommende Ausgabe des Sharepoint-Magazins geschrieben habe. These: „Collaboration“ nicht nur als Zusammenarbeit zu definieren, sondern auch als fortlaufendes soziales Lernen, eröffnet in der Anforderungsanalyse und Konzeption das Potential von Sharepoint weiter auszureizen.

Genau zu dem Zeitpunkt fiel mir ein passender Artikel von Rita McGrath auf, „Five Ways to Ruin Your Innovation Process“. Und mir stellte sich die Frage, ob man Collaboration nicht gleich als einen Teil des Innovationmanagements denken sollte?

Fünf Wege um das Innovationsmanagement zu ruinieren

McGrath identifiziert fünf schwere Fehler, mit denen Unternehmen die eigene Innovationsfähigkeit herabsetzen. Für die Details ist der Artikel unbedingt lesenswert:

  • Innovation als etwas betrachten, das nebenbei passiert:  Interessante neue Ideen oder Entdeckungen entstehen tatsächlich oft lokal in Teams. Aber damit Innovationen daraus werden, die ein Unternehmen auf den Markt bringt, müssen bestimmte Bedingungen gegeben sein: Zum einen muss kontinuierliche Unterstützung durch nächsthöhere Managementebenen gegeben sein, bis aus der Erfindung eine Innovation geworden ist. Dabei ist begleitend die kontinuierliche Finanzierung des Entwicklungsprozesses wichtig –  auch dann wenn aktuelle Geschäftsfelder dadurch in Frage gestellt werden
  • Ressourcen werden durch „Amtsinhaber“ in Geiselhaft genommen: Die Verfügbarkeit von Geld und Personal ist meist geknüpft an bestehende „Macht“-Verhältnisse. Dummerweise entscheiden dann die Leute über die Finanzierung von Ideen und Erfindungen, die zum Schluss kommen könnten, dass die Veränderung zu ihrem eigenen Nachteil ist. Kapital wird so oft an Stellen gebunden, die nicht die Zukunft repräsentieren
  • Versuch, „Innovation“ innerhalb der bestehenden Überzeugungen und Strukturen umzusetzen: Organisationen haben „Gewohnheiten“, und sie versuchen Gewohnheiten sogar dann noch beizubehalten, wenn das Unternehmen selbst auf dem Spiel steht. Das ist bedeutsam, da die Strukturen der Gegenwart immer Antworten auf die Fragen der Vergangenheit darstellen, nie aber der Zukunft. Bestehende Strukturen werden sich immer dagegen wehren sich selbst in Frage zu stellen.
  • Zuwenig Vielfalt im Denken, und zu weit weg vom Denken der Kunden
  • Verwechslung von Annahmen mit Wissen: Projekte etc. laufen nie vollständig so ab wie geplant. Immer liegen bestimmte Annahmen über das Problem, den Weg und die passende Lösung zugrunde, aber nie sind diese Annahmen vollständig oder zu 100 % richtig. Ein Lernprozess gehört immer dazu

UPDATE 15.9.2012: Als Vertiefung, warum eigentlich diese geschilderten Innovationsprobleme auftreten, eignet sich eine Reihe von Artikeln, die sich alle mit dem Myers-Briggs-Typindikator (MBTI) befassen, und darstellen, wie diese Persönlichkeitstypen Innovation fördern – oder eher bremsen: Link

Collaboration: Arbeiten ist soziales Lernen ist Arbeiten

In drei ausführlichen Artikeln habe ich mal dargelegt, warum die gängigen Definitionen von Collaboration meiner Meinung nach richtig sind, aber noch erweitert werden können.

Sicher ist, dass bei Collaboration die Zusammenarbeit in virtuellen Teams im Vordergrund steht: Zusammenarbeit trotz räumlicher Trennung der Teammitglieder, nicht selten zeitversetzt und dezentral organisiert, d.h. selbstorganisiert auch über die Grenzen der Linienorganisation hinweg. Die relativ neuen Werkzeuge wie Blogs, Wikis, Microblogging etc. machen das überhaupt möglich. Dieses Verständnis bleibt auch weiterhin richtig.

Darüber hinaus ist allerdings Collaboration nicht nur Zusammenarbeit, sondern ein fortlaufender Lernprozess. Nicht einzeln, sondern ein gemeinsamer, ein sozialer Lernprozess. Dargelegt habe ich das in diesen drei Artikeln, das ist dort ausführlich genug:

  • Was ist “Collaboration”? Auf jeden Fall mehr als Zusammenarbeit plus Web 2.0-Tools (Link zum Artikel)
  •  Was ist “Collaboration”? Teil 2: Viel eher Social Learning, als nur Zusammenarbeit (Link zum Artikel)
  • Was ist “Collaboration”? Teil 3: Modell für Social Learning mit Sharepoint (Link zum Artikel)

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Wichtig ist an dieser Stelle diese Graphik, die als eine der Schlussfolgerungen bei diesen Überlegungen herauskam: Ein Modell, das Collaboration als höchste Form des Lernens in einer Matrix aus Komplexität und Anwendung zeigt.

Hier ist die direkte Verbindung zu McGraths Überlegungen zu Innovation zu finden. Je komplexer ein Umfeld, desto höher die Wahrscheinlichkeit mit bisherigen Lösungen nicht mehr zu einem Ergebnis zu kommen, und dazulernen zu müssen.

Gründe, warum so verstandene Collaboration ein Bestandteil des Innovationsmanagements wäre

An aller erster Stelle steht für mich die Unternehmenskultur. Aus meiner Sicht sind es die gleichen Aspekte einer Unternehmenskultur, die sowohl ein innovationsfreudiges Klima bilden als auch eine vertrauensvolle collaborative Zusammenarbeit ermöglichen. Was diese Unternehmenskultur ausmacht ist z.B. hier (Link) und hier (Link) beschrieben. Kurz gesagt: Kein Mensch schwimmt gegen den Strom, wenn er a) keine Möglichkeit dazu hat und b) neben Widerständen nicht auch einen größeren Nutzen für sich, für die Karriere, sehen würde.

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Daneben ist eine Collaboration-Umgebung der Bereich innerhalb eines Intranets, in dem die Ideen überhaupt entstehen, die entsprechend organisational umgesetzt zu Innovationen werden.

Der Collaborative Arbeitsprozess ist im Grunde genauso iterativ und mit unklarem Ende wie ein Innovationsprozess.

Anfang des Jahres habe ich mich mal mit Nutzen des Sharepoint Enterprise Wiki innerhalb einer Sharepoint-Umgebung befasst: „Wikis in Sharepoint: Eine notwendige Ergänzung von Teamsites zur Zusammenarbeit und Innovation! Die beiden Artikel zum Thema sind deutlich aus der Wiki-Perspektive geschrieben, die Grundgedanken lassen sich aber problemlos übertragen. Was lässt sich mit einer Sharepoint-Teamsite besser als mit einem Wiki umsetzen? Und was ist der spezifische Nutzen eines Sharepoint-Wikis in Abgrenzung zur Teamsite? (Link 1) (Link 2)

Der zweite Teil schließt mit diesem Fazit:

„Wikis ermöglichen leicht die ungeplante Zusammenarbeit über Linienorganisations- oder Projektteamgrenzen hinaus, die von den Beteiligten aber als notwendig erachtet wird. Weil innerhalb eines funktionierenden Wiki-Systems auch Inhalte erfasst werden können, von denen eben vorher kein Wissen im Unternehmen vorhanden über deren Wichtigkeit vorhanden war. Von Leuten, die vorher nicht als Kompetenzträger identifiziert wurden“.

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Lineare- und Durchbruchsinnovation

Nochmal aus der Wiki-Perspektive war ein weiterer Artikel, der diese Grundideen weitergedacht hat: „Wiki im Sharepoint: Motor für Durchbruchs-Innovation (Kaikadu)„. Darin ging es um den Unterschied zwischen linearer Innovation und Durchbruchsinnovation – also ganz im Sinne des Artikels von Rita McGrath!

Wiki-Features stehen hier repräsentativ für eine ausgewachsene Collaboration-Umgebung. Wichtig an dieser Graphik ist die Vorstellung dass jede Idee einen Lebenszyklus hat – und sich irgendwann überlebt hat bzw. durch etwas Neues abgelöst wird. Und dieses Neue muss irgendwo her kommen

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Damit lässt sich gut nochmal auf die Thesen von McGrath überleiten:

  • Eine ausdrückliche Collaboration-Umgebung mit passender Unternehmenskultur ist ein Ort im Intranet, in dem ausdrücklich neue Dinge entwickelt werden können: In einer Collaboration-Umgebung kann eine Idee aus dem lokalen Rahmen systematisch entwickelt werden, erst mit wenigen, dann mit einer steigenden Zahl von Beteiligten.
  • Mit einer funktionierenden Collaboration-Umgebung umgeht man das Problem Innovationen innerhalb bestehender Strukturen umsetzen zu müssen: Abgesehen von Managementfragen wie der nach der Zuteilung von Ressourcen kann zumindest der Collaboration-Bereich eines Intranets als relativ autonomer Bereich konzeptioniert werden, der ausdrücklich für Entwicklungszwecke zur Verfügung steht.

Innovationsmanagement mit Sharepoint

Rein technisch hat der Sharepoint alles, das man für die Entfesselung kreativer Energie benötigt. Vorbehaltlich eine passende Unternehmenskultur, die notwendigen Ressourcen und eine gute Konzeption im Hintergrund gibt es so viele Möglichkeiten eine solche Umgebung zu gestalten:

Teamsites mit allem drum und dran, ootb-Wikis oder auch Drittherstellerprodukte, Blogs, die ganze MySite mit Newsstream, Tags & Notes, Kategorienprofilen, Expertensuche … da geht einiges. Das lässt sich auch noch ergänzen um Erweiterungen wie Newsgator, Yammer und co. … An Möglichkeiten dem Austausch Wege zu öffnen mangelt es sicher nicht.

Neben der Frage, wie man den Austausch überhaupt in Gang setzt, stellt sich die Frage welches Ergebnis der Austausch haben soll? Wo endet der? Sharepoint selbst stellt dafür ootb nichts zur Verfügung. Nicki Borell schreibt in seinem Blog von der Bedeutung, die „verrückte“ Mitarbeiter für Unternehmen haben, und vom Lebenszyklus von Ideen:

„Ein Nachteil dieser Mitarbeiter ist es, dass sie irgendwann wieder eingefangen werden müssen. Prozesse, Ideen, Lösungen und Prozesse, egal wie dynamisch und orthodox sie entstanden sind müssen irgendwann in ein geregeltes Umfeld überführt werden“.

Aber das ist dann Gegenstand des nächsten Blogartikels, der gerade reift …😉

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UPDATE 5.11.2012: Der zweite Teil ist dann doch kein Artikel zu „Innovationsmanagement mit Sharepoint“ geworden, sondern vielmehr der Versuch in einem integrierten Innovations-Modell Wissensmanagement, Collaboration und Ideenmanagement zusammen zu bringen. Ausgehend von der Frage „Eine ausdrückliche Collaboration-Umgebung mit passender Unternehmenskultur ist ein Ort im Intranet, in dem ausdrücklich neue Dinge entwickelt werden können: Wie kann das aussehen?“ Voilá

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