Skip to content

Was ist Collaboration? (4): Warum mir die Sharepoint-Definition nicht weit genug geht

17. September 2012

via pixelio.de > berwis

In den letzten Monaten denke ich immer mal wieder darüber nach was der Begriff „Collaboration“ als Konzept umfasst, um letztlich spannendere Nutzungsszenarien des IT-gestützten Informationsmanagements zu denken. Dabei fiel mir in den letzten Wochen auf, dass sich ausgerechnet diejenigen mit den Ideen aus Teil eins, zwei und drei schwertun, die als Experten die ganze Zeit damit zu tun haben. Aber warum? Da kam mir die Idee dass es an der Begriffs-Verwendung des Sharepoints selbst liegen könnte.

Ich finde, ganz subjektiv, dass der Sharepoint Anwendungen unter „Collaboration“ zusammenfasst, die eigentlich unter diesem Begriff gar nicht subsummiert werden sollten. Oder schlimmer: dass diese Anwendungen so weit auseinanderliegen, dass man für das, was „Collaboration“ sein kann, gar keinen eigenen Begriff mehr hat. Diese Idee möchte ich mal näher erläutern.

Was Sharepoint unter dem Begriff „Collaboration“ zusammenfasst

Damit es ein bisschen anschaulicher ist, habe ich meine Ideen mal in eine kleine Graphik gepackt, an die ich mich im folgenden halten möchte.

Die Grundidee der Graphik ist eine Übersicht a) was der Sharepoint an Nutzungsszenarien unter „Collaboration“ subsummiert, und b) wie sich diese Szenarien voneinander unterscheiden:

Publishing: Publishing ist im Sharepoint bekanntlich alles womit man ein klassisches Intranet aufbauen kann, hauptsächlich zur Information gedacht, auf lesenden Zugriff ausgerichtet, durch die breite Masse auf redaktionelle Inhalte, die von wenigen bearbeitet werden. Das ist umfangreich und sehr vielseitig. Interaktion allerdings gehört dazu kaum dazu, die erschöpft sich fast schon in der Bereitsstellung von Bibliotheken und Listen, die bearbeitet werden können.

Collaboration: Collaboration ist im Sharepiont dann aber auch wirklich alles was irgendwie „Interaktion“ bedeutet: Sobald die Listen und Bibliotheken in einer einzelnen Site stecken, die von der Grundidee immer nur für eine bestimmte Gruppe Zugriff erlaubt, nennt Sharepoint das „Collaboration“.

Von den Features her subsummiert Sharepoint eine Menge. Das können das typische Teamsites sein mit beliebigigen Listen und Bibliotheken – inkl. zeitgleiches Co-Authoring an WORD-Dokumenten, wenn gleichzeitig SP 2010 und Office 2010 zum Einsatz kommen. Unter Collaboration-Features fallen natürlich die Blog- und Wiki-Site Templates. Ebenso das ganze Feature-Bündel, das als „MySite“ bekannt ist. Das macht aber gar nicht den Unterschied. Der Unterschied ist der Arbeitsprozess der damit IT-gestützt abgebildet werden soll.

Was unterscheidet die verschiedenen „Collaboration“-Szenarien?

Ich habe mal fünf verschiedene Szenarien identifiziert, die sich alle mit Sharepoint-Collaboration-Features abbilden lassen, ohne diese im Detail zu definieren – eine grundsätzliche Vorstellung wird jeder davon haben. Diese Szenarien lassen sich voneinander unterscheiden, und zwar in einem Verlauf von links nach rechts: Abteilungen, Teams, Projekte, Communities (of Interest), Ad hoc Zusammenarbeit:

  • Ziele und Vorgaben: Abteilungen und Teams sind feste Einrichtungen, die für konkrete Zwecke eingerichtet sind. Man kann also von klaren Zielen und Vorgaben an die Mitarbeiter ausgehen, was die richtigen Lösungen zur Erledigung der Arbeit anbetrifft. Über Projekte hin zu Communities und Ad hoc-Zusammenarbeit nehmen diese Vorgaben ab, Ziele werden unschärfer oder entstehen sogar selbstorganisiert.
  • Ergebnisse: Eng verwandt mit „Zielen“ sind „Ergebnisse“. Klar, Bei der Arbeit in Abteilungen und festen Teams werden spezifische Ergebnisse erwartet. Bei einem Projekt kann die Definition des zur erwartenden Ergebnisses schon ein Teil der Projektarbeit sein. Vor allem aber im Hinblick auf Communities und Ad hoc-Zusammenarbeit kann von klaren Ergebnisvorgaben nicht mehr die Rede sein.
  • „Bekanntes“ vs. „Neues“: Aus meiner Sicht unterscheiden sich die fünf Szenarien klar im Bezug auf dem Bekanntheitsgrad des Arbeitsgegenstands. Eine Abteilung wird zur Erledigung von Aufgaben gegründet, die Notwendigkeiten entsprechen, die in der Vergangenheit definiert wurden. Der Gegenstand der Arbeit ist meist sehr bekannt, er lässt sich benennen. Umgekehrt ist es bei der Ad hoc-Zusammenarbeit. Die kommt nachfrageorientiert und selbstorganisiert dann zustande wenn Bedarf besteht bestimmte Dinge zu klären, zu erarbeiten. Der Gegenstand der Ad hoc-Zusammenarbeit ist also das „Neue“.
  • Komplexität: Eng verknüpft mit dem vorangegangen Punkt ist Komplexität. Je „neuer“ ein Gegenstand ist, umso mehr Variablen müssen betrachtet werden. Je neuer, umso mehr Menschen könnten potentielle Experten sein, die einem weiterhelfen können den Gegenstand zu entwickeln. Arbeit an abteilungsspezifischen Gegenständen ist notwendigerweise kaum komplex, in einem Ad hoc-Umfeld dafür sehr. Welche essentielle Bedeutung für den Begriff Komplexität für „Collaboration“ meiner Meinung nach hat, habe ich in einem anderen Artikel bereits erläutert: Link zum Artikel

Klassische Zusammenarbeit vs. Arbeit als soziales Lernen

Wenn man diese vier Aspekte im Hinterkopf behält, erschließt sich möglicherweise auch die Unterscheidung in der Graphik, die die fünf Szenarien grob zwischen diesen Polen einteilt: „Klassische Zusammenrbeit“ vs. „Arbeit als soziales Lernen“.

Je weniger Vorgaben „Arbeit“ hat, je weniger Ziele und Gegenstand benannt sind oder überhaupt benennenbar sind, je selbstorganisierter und nachfrageorientierter Zusammenarbeit ist, je mehr also unter komplexen Bedingungen gearbeitet wird, um so mehr steigt die Notwendigkeit „Lernen“ als Teil von „Arbeit“ zu begreifen. Und zwar nicht nicht allein, sondern voneinander und miteinander.

Fazit

Wenn man sich anschaut, was der Sharepoint so alles unter „Collaboration“ zusammenfasst, dann ist naheliegend dass  „Collaboration“ auch nur sowas sei wie klassische Zusammenarbeit mit verbesserten Mitteln. Das wäre allerdings schade, denn wer schon klassische Zusammenarbeit als Collaboration bezeichnet, dem fehlt eindeutig ein Begriff, wenn es dann mal tatsächlich um nachfrageorientierte selbstorganisierte Ad hoc Zusammenarbeit geht. Ein Beispiel wäre der Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems auf Basis des Sharepoint Enterprise Wiki. So ein QM-System ist notwendigerweise sehr strukturiert, um seinen Zweck zu erfüllen, und lässt sich auch sehr gut umsetzen. Allerdings hat die sehr strukturierte Nutzungsweise kaum noch etwas mit „Wiki“ zu tun. Wer das ein Wiki nennt, dem fehlt ein Begriff wenn tatsächlich mal ein dynamisches Wiki („Ad hoc“) zum Einsatz kommen soll.

Zu klassischer Zusammenarbeit passen klassische hierarchische Managementkonzepte. „Collaboration“, wie hier herausgearbeitet, funktioniert aber unter hierarchischen Bedingungen nicht mehr. Aber das ist ein anderes Thema, über das ich an anderer Stelle bereits geschrieben habe:  Link zum Artikel:

„Collaboration, Wissensmanagement, E2.0: Mein persönlicher Analyserahmen“

 

11 Kommentare leave one →
  1. 17. September 2012 13:53

    Hallo Michael,
    Deine Ausführungen in Bezug auf SharePoint+Collaboration lassen sich doch auch wieder zusammenführen mit dem Publishing Features, wenn man zum Bsp. in einem Social Intranet auf Basis SharePoint individualisierte Webparts und Kommentarfunktionen zulässt. Genau da wachsen aus meiner Sicht die klassischen Intranet-CMS-Welten und Collaborations-Gedanken zusammen.

    Viele Grüße

    Claudia

    • 17. September 2012 15:12

      Grüß dich Claudia,
      schön dass du kommentierst! Das macht ja bekanntlich nur ein Prozent der Leser😉

      Zu deinem Kommentar selbst:
      Die Querverbindungen zwischen den Sharepoint-Welten „Publishing“ und „Collaboration“ sind sicher mal einen eigenen Artikel wert. Auf solche Differenzierungen habe ich hier allerdings aus gutem Grund verzichtet: Ein Artikel, der online über ungefährt 500 Worte hinausgeht, wird als „lang“ und „anstrengend“ empfunden. Heißt es.

      Daher habe ich mich darauf beschränkt zwei Dinge herauszuarbeiten: zum einen was in Sharepoint „Publishing“ und „Collaboration“ grundsätzlich unterscheidet. Und zum anderen welche Nutzungsszenarien Sharepoint unter dem Obergebriff „Collaboration“ versammelt > die aus meiner Sicht sehr unterschiedlich sind und unterschiedliche Begriffe verdienen.

      Der Text hat auch so schon 946 Worte Umfang😉

      Viele Grüße
      Ludwig

Trackbacks

  1. [DE] SharePoint, Wiki und Zusammenarbeit » SharePoint Social | SharePoint Social
  2. Blogparade: Wie motiviert man die Unmotivierten (im Unternehmen zum Lernen)? #clc12 «
  3. Collaboration, Wissensmanagement, Enterprise 2.0: Mein persönlicher Analyserahmen «
  4. Activity Streams: Drei Ansätze, wie sie im Unternehmen Sinn machen «
  5. Reicht “Wissensmanagement?” … Oder sollte man “Lern-Management” mitdenken? «
  6. Sollte man Collaboration als Teil des Innovationsmanagements denken, II? Ein integrierendes Modell «
  7. MOOC im Intranet: Schnittmengen zwischen MOOCs sowie Collaboration und Wissensmanagement «
  8. Schnittmengen zwischen MOOCs sowie Collaboration und Wissensmanagement «
  9. Was ist Collaboration? (5) = Structured Collaboration + Social Collaboration | Streifzüge

Blogger lieben Kommentare und Diskussionen! Wie ist deine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s