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Blogparade: Was macht einen guten Corporate Blog aus?

9. Oktober 2012

Auf dem Barcamp Stuttgart 2012 musste ich leider eine interessante Session ausfallen lassen: Uwe Hauck lud ein zur Diskussion über Corporate Blogs. Zugunsten einer Session über „Wikis und Blogs im Unterricht der gymnasialen Oberstufe“ ging ich nicht hin, was für sich gesehen keine schlechte Entscheidung war.

Nachträglich hat sich zu meinem Vergnügen noch die Möglichkeit ergeben sich an einer Blogparade zum gleichen Thema zu beteiligen – auch um die Session auf dem #bcs5 zu vertiefen. Hier die Fragestellung von Uwe:

Wenn ihr in einen Corporate Blog involviert seid, wie macht ihr das? Es muss keine Firma genannt werden, interessant sind aber die Vorgehensweisen.

Selbst blogge ich zwar leidenschaftlich gern, war aber noch nie in die Konzeption und/oder Umsetzung eines Corporate Blogs involviert. Nichtsdestotrotz habe ich gewisse Vorstellungen😉

***

Uwe Haucks Fragen an die Teilnehmer:

„Was sind für euch die wichtigsten Merkmale eines guten Corporate Blogs?“

Klar, ein Corporate Blog sollte die Firma dahinter greifbar machen: Die Kompetenzen, die Menschen, die Herangehensweise. Im Detail fallen mir folgende Aspekte ein:

  • Eindeutig erkennbare Autoren – eigener Name, eigene Themen, gern auch eine eigene Meinung
  • Mehrere Autoren, die so die Vielfalt im Unternehmen sichtbar machen: Kompetenzen, Perspektiven. Diese Vielfalt darf sich ruhig auch in unterschiedlichen Meinungen der Autoren untereinander bemerkbar machen
  • Keine Werbung für Produkte und/oder Dienstleistungen
  • Authentische Schreibe: Unterschiedliche Autoren, unterschiedliche Stile
  • Leidenschaftliche Schreibe: Ich finde es toll wenn jemand „brennt“, und die Sprache das vermittelt
  • Mehrwert für die Leser: Information, Inspiration, neue Gedanken, und/oder Unterhaltung. Werbung ist kein Mehrwert. Lustlose Texte von lustlosen Autoren sind kein Mehrwert. Mehrwert schaffen Artikel, die nicht nur oberflächlich an ein Thema herangehen, sondern Antworten liefern. Mehrwert ist zeitaufwändig.
  • Aktualität
  • Zeitnahe Antworten auf Kommentare (vom Autor selbst)
  • Souveränität im Umgang mit kritischen Kommentaren
  • Ein klares redaktionelles Schema: Ich kenne z.B. Sharepoint-Firmenblogs, die klar auf „Tipps & Tricks“ ausgerichtet, und ich kenne welche, die eher konzeptionell daherkommen. Ich finde, eine klare Linie macht es einfacher als regelmäßiger Leser einem Blog zu folgen (für Treffer via Suchmaschine ist es wohl egal)

 „Wie wird für regelmäßige Inhalte gesorgt?“

Vor dem Start würde ich mir einige Gedanken über die thematische Ausrichtung und die Zielsetzung machen:

  • Für wen möchte ich was veröffentlichen?
  • Welche Themen kommen im Einzelnen dafür in Frage? Welche davon sind einmalig, welche sorgen immer wieder für neue Inhalte?
  • Wer im Unternehmen ist zu diesen Themen kompetent?
  • Wer von den Kompetenzträgern ist zumindest grundsätzlich geneigt Inhalte zu produzieren?
  • Wie viel Zeit haben die potentiellen Autoren regelmäßig um Inhalte zu produzieren?
  • Wie viel Zeit kann man den potentiellen Autoren verschaffen, um gute Inhalte zu produzieren?

Auf dieser Basis sollte es möglich sein einen Redaktionsplan (was/wer) zu erstellen und pro Woche 1 bis maximal 3 Artikel zu veröffentlichen.

 „Wer schreibt den Unternehmensblog?“

Im Prinzip könnte man ja jeden Mitarbeiter verpflichten zu seinen Themen pro Zeiteinheit eine bestimmte Anzahl von Artikeln zu veröffentlichen. Keine Ahnung ob da Qualität dabei rauskommt, aber ich denke nicht. Nicht jeder schreibt gern öffentlich. Nicht jeder hat ein leidenschaftliches Verhältnis zu seinen Themen. Meine Befürchtung wäre dass dieses Verfahren zwar Quantität bringt, aber keine Qualität – und erst recht kein Lesevergnügen. Stichwort „Mehrwert“ …

Mein favorisierte Lösung wäre eher ein begrenztes Autorenteam, das entsprechend den redaktionellen Überlegungen zusammengesetzt ist, und eine thematische Breite abdeckt. Diese Autoren sind nach meiner Vorstellung Menschen, die Lust darauf haben mit ihren Ideen an die (unternehmensexterne) Öffentlichkeit zu gehen – und die entsprechende positive Anreize bekommen genau das zu tun.

 „Umgang mit privaten Bloggern, die auch über die Arbeit schreiben?“

via pixelio.de > Andreas CarjellBloggende Mitarbeiter, die auch privat über Themen schreiben, die sich mit der Arbeit zumindest überschneiden, können sowohl heikel, aber auch befruchtend sein.  Grundsätzlich ist der Umgang mit dieser Sorte Mitarbeiter mit der Frage davor verbunden, wer eigentlich den Unternehmensblog schreibt? Mitarbeiter mit gut geführtem eigenen Blog entsprechen auf jeden Fall der Spezies Mensch, der sich gut als Autor in einem Autorenteam eignet – die Leidenschaft dafür wurde ja schon unter Beweis gestellt.

Ganz sicher können Mitarbeiter-Blogs und Corporate Blogs koexistieren. Im Idealfall ergänzen sie sich sogar thematisch, und auch aus SEO-Sicht fallen mir einige gute Gründe ein warum Corporate Blogging im „Schwarm“ stattfinden darf. Auf jeden Fall ist ein privat bloggender Mitarbeiter immer auch ein potentieller Botschafter seines Arbeitgebers.

***

„Was darf in den Blog, was nicht?“

Was nicht in den Blog darf/sollte:

  • Firmengeheimnisse wie konkrete Kunden / Namen
  • Inhalte, die nicht ins redaktionelle Schema passen
  • Werbung

Was in den Blog darf:

  • Zwischendrin auch mal etwas kurzweiliges, etwas unterhaltsames. Das lockert ein wenig auf
  • Persönlich gefärbtes
  • Meinungsstarkes

„Gibt es eine Vergütung für die Artikel? Bzw. gibt es einen eingeplanten Zeitaufwand?“

Schreiben ist zeitaufwändig, und vor allem der Unterschied zwischen Inhalten, die ok sind, und Inhalten, die gut sind, verursacht ganz schön Aufwand. Ich merke das bei jedem Artikel. Eine Firma, die ins Corporate Blogging einsteigen will, muss das bedenken und Ressourcen bereitstellen.

Schreiben, jedenfalls aus meiner Sicht, hat viel mit Leidenschaft zu tun, und die wiederum viel mit innerer Motivation. Man kann sich den Zeitpunkt nicht immer aussuchen, an dem im Kopf ein Artikel Gestalt annimmt, genauso wenig wie den Ort, an dem er entsteht. Im Büro? Zuhause auf dem Sofa? In der Kneipe oder im Zug? Aus meiner Sicht sollte eine motivierende Zeiterfassung daher auch Aufwände berücksichtigen, die in der „Freizeit“ entstanden sind. Wo und wann gearbeitet wurde ist doch letztlich für das Ergebnis egal, oder?

„Umgang mit Kommentaren im Corporate Blog?“

  • Kommentare sollten erlaubt sein
  • Auch kritische Kommentare sollten erlaubt sein – klar, sofern sie nicht beleidigend sind. Kritische Kommentare können sogar ein Mehrwert sein.

***

Was mir noch eingefallen ist:

Technische Aspekte

Technische Aspekte sind für den Leser nachrangig, aber für das Funktionieren eines Corporate Blogs im Hintergrund aus meiner Sicht wichtig. Mir als Blogger stellt sich natürlich die Frage WARUM ich blogge?

Und für mich ist ganz klar dass es beim bloggen nicht vorrangig um´s „Schreiben“ geht, sondern um Sichtbarkeit, Reaktion, Austausch, und Anerkennung. Ich als Blogger will wissen wie oft meine Texte gelesen wurden. Ich will wissen wie oft sie auf Twitter und Facebook geteilt werden. Ich freue mich diebisch über Kommentare, weil sie zu schreiben ein Aufwand ist, den sich kaum ein Leser macht. Gerade über die Diskussionen, die sich daraus ergeben, lassen sich wieder neue Ideen ziehen. Deshalb will ich möglichst zeitnah wissen wo im Blog kommentiert wurde, um reagieren zu können.

Daher sind das aus meiner Sicht Voraussetzungen an das CMS eines Corporate Blogs, um die Autoren Anreize zu geben:

  • Benachrichtigung bei Kommentaren der eigenen Artikel
  • Möglichkeit auf Kommentare selbst antworten zu können
  • Monitoring wie sich die eigenen Artikel in Social Networks verbreiten und ggf. diskutiert werden
  • Statistik zu Aufrufe der eigenen Artikel, gern auch die Referrer
  • Statistik zu den verwendeten Suchbegriffen

Klare Zielvorstellungen

  • Will ein Unternehmen mit einem Corporate Blog vor allem viel Traffic, also Sichtbarkeit? Ist vor allem ein Werbeeffekt beabsichtigt? Dann macht es Sinn SEO-freundlich, und im Hinblick auf Keywords Inhalte zu verfassen
  • Will ein Unternehmen Austausch mit potentiellen Kunden und anderen Stakeholdern anregen? Also Kommentare, Tweets, Erwähnungen auf Facebook und Google+? Das jedenfalls würde zu ganz anderen Inhalten führen als die SEO-Variante. Meinungsfreudigkeit führt eindeutig zu mehr Social Signals …🙂

***

UPDATE 7.11.2012: Auf karrierebibel.de erschien ein spannender Artikel mit dem Titel „Generation O-Promi: Was wenn immer mehr Mitarbeiter Online-Zelebritäten sind?„. Der Artikel geht der Frage nach wie Unternehmen damit umgehen sollen/können, wenn Mitarbeiter über Social Media auf eigene Rechnung sichtbar sind.

Denn: …

Umkehren lässt sich dieser Trend ohnehin nicht. Die Arbeitswelt hat sich längst verändert, und junge Berufseinsteiger wissen längst, dass die Halbwertszeit ihrer Eigenmarke im Internet weiter reicht, als die ihrer Karriere in einem Unternehmen. Mehr noch: Die Eigenmarke wird immer wichtiger für ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt. Das Netzwerk hilft zudem, frühzeitig von Vakanzen zu erfahren. Also kurz: Es hat für den einzelnen Arbeitnehmer mehr Vorteile als Risiken seine Kompetenzen im Web auf professionelle Weise darzustellen und sein Profil dort zu etablieren.

Und:

Online-Stars in der Belegschaft. Was für sich spricht:

  • Prestige. Ein echter Influencer kann die Unternehmensmarke aufwerten, wenn seine Reputation abstrahlt.
  • Media. Mitarbeiter mit großer Gefolgschaft erzeugen praktisch gratis mediale Aufmerksamkeit und damit Reichweite und Einfluss.
  • Kunden. Aus der Gefolgschaft des O-Promis können so neue Kundenbeziehungen entstehen.
  • Attraktivität. Zudem locken prominente Mitarbeiter immer auch weitere Talente an. Ein echtes Asset für das Recruiting.

 

7 Kommentare leave one →
  1. Illona permalink
    10. Oktober 2012 19:00

    Die organisatorischen Rahmenbedingungen für den Betrieb von Corporate Blogs sind ein schönes Thema! Vor allem in größeren Organisationen ist das oft Graswurzelarbeit. Meine Meinung: Frühes Einbinden aller Bereiche und viele persönliche Kontakte zu internen Wissensträgern ist gerade am Anfang wichtig.

  2. 11. Oktober 2012 08:57

    Warum eigentlich „Graswurzelarbeit“? Ich hätte jetzt eher erwartet dass so eine Initiative von den oberen Managementebenen ausgehen sollte – vor allem deswegen weil bloggen wieder diese „unkontrollierbaren Informationsflüsse“ sind, die zuzulassen nicht zu jeder Unternehmenskultur passt. Wie siehst du das?

  3. Illona permalink
    11. Oktober 2012 09:04

    Ohne die Unterstützung der Führungsebene funktioniert es nicht. Aber die Geschichten für ein Corprate Blog sollten ja möglichst aus allen Bereichen stammen, von den Mitarbeitern. Ganz gleich, ob sie selbst Artikel verfassen oder Ideengeber sind. Und an diese Geschichten heranzukommen, das ist oft mit viel Überzeugungsarbeit verbunden.

  4. 8. November 2012 17:46

    Wow, danke, ein klasse Beitrag zur Blogparade und du bestätigst einige der Eindrücke, die ich auch auf dem Barcamp gesammelt hatte. Vielen Dank dafür!

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