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Was ist ein MOOC? (2): Mein Verständnis und Umsetzung eines Intranet-MOOC

19. November 2012

MOOCs (Massive Open Online Course) scheinen in Bildungskreisen ein Buzzword im Jahr 2012 gewesen zu sein, mich erreichte das Thema erst vor wenigen Wochen. Dafür interessiert es mich umso mehr, da es einen Nerv trift und Inspirationen bietet, wo ich einen Mangel sehe: Den Mangel dass mir die meisten „Wissensmanagement“-Ansätze, vor allem aus IT-Sicht, zu mechanistisch sind, und mir die Aspekte des (selbstorganisierten) Lernens fehlen. Als Spezialist für Social Features bei der Konzeption von Intranets macht mich vor allem die den MOOCs zugrundeliegende Konnektivismus-Theorie neugierig:

Anders als bestehende Lerntheorien sieht der Konnektivismus den Mensch nicht als isoliertes sondern als vernetztes Individuum. So entsteht ein Netzwerk, sowohl zu anderen Menschen, als auch zu nicht-menschlichen Quellen. … Lernen ist der Prozess des Verbindens von spezialisierten Knoten und Informationsquellen.

Das ist doch genau die Situation, die wir auch in einem modernen Intranet haben: Mitarbeiter als vernetzte Individuen, vernetzt mit anderen Mitarbeitern als auch Informationen. In Teil 1 der Serie habe ich deshalb erst einmal die Frage aufgeworfen, wie MOOCs definiert werden, um dann ausführlich darzulegen warum mich das Thema als Intranet-Consultant interessiert.

Diesen darauf aufbauenden Artikel habe ich folgendermaßen strukturiert:

  1. Mehrwert von MOOCs für Unternehmen
  2. Abgrenzung: MOOC allgemein und Intranet-MOOC
  3. Umsetzung eines Intranet-MOOC – Rahmenbedingungen

1.) Mehrwert von MOOCs für Unternehmen

„Klassisches“ Wissensmanagement, vor allem aus IT-Sicht, erschöpft sich häufig in Ansätzen, die auf  Dokumentation von Inhalten, deren Verknüpfung und deren Wiederauffindbarkeit hinauslaufen. Dokumentation von solchem explizitem Wissen ist notwendig, keine Frage. Aber nicht alles. Zu kurz kommen aus meiner Sicht Ansätze, die auf eine Entwicklung des bestehenden Wissens hinauslaufen.

Firmen haben mit internen MOOCs ein Mittel zur Hand, um Lernprozesse innerhalb des Unternehmens anzustoßen, die nicht ungedingt sofort einen konkreten Output haben müssen, aber Wissen schaffen, das dem Unternehmen mittelfristig nützt. Was es braucht ist ein organisatorischer Rahmen, sowie die Werkzeuge innerhalb des Intranets, die auf Kommunikation und Zusammenarbeit innerhalb des Intranets abzielen.

MOOCs wären so gesehen auch ein halb-institutionalisiertes Werkzeug für das Wissensmanagement, das Mitarbeitern einen Rahmen zur Entfaltung des intrinsisch motivierten „Wissen-Wollens“ bietet. In einem Beiträg kürzlich im Rahmen einer Blogparade (Wie motiviert man die Unmotivierten?) schrieb ich in das Fazit …

Mit der Motivation zum Lernen ist es vielleicht ähnlich wie mit dem Wissensmanagement. Aus meiner Sicht hat man schon verloren, wenn man fragt “Wie bekomme ich das Wissen der Mitarbeiter ins System?” Das ist autoritär gedacht. Viel besser ist es zu fragen: “Unter welchen Bedingungen geben Mitarbeiter ihr Wissen gern weiter? Wie müssen die Prozesse aussehen, wie die Unternehmenskultur, und wie die IT-Werkzeuge, damit das möglichst geschmeidig abläuft?

Ich bin davon überzeugt dass Mitarbeiter gern “lernen”, wenn das Lernen als solches nebenbei geschieht, zwanglos, selbstorganisiert.

Intranet-MOOCs grenzen sich übrigens ab von den Anforderungen, die sich aus konkreter Zusammenarbeit (Collaboration) ergeben, obwohl sich auch innerhalb der Zusammenarbeit immer Lernprozesse ergeben, und sie dort sowohl erwünscht als auch ggf. gefördert werden. Die Ziele machen den Unterschied, und die Dringlichkeit des Outputs: Hier stehen nicht Auftragserfüllung / Problembehebung / Lieferung eines Produkts bzw. Dienstleistung im Vordergrund. Gegenstand ist vielmehr ein offener, aber moderierter Lernprozess mit einem bestimmten inhaltlichen Ziel, dessen Ergebnisse sich durchaus nicht vorab in Gänze prognostizieren lassen.

2.) Abgrenzung: MOOC allgemein vs. Intranet-MOOC

Die Grundidee eines MOOC

Die Grundidee eines MOOC ist definitiv nicht für ein Intranet gedacht, sondern das Ergebnis von Überlegungen, welche Lernmöglichkeiten sich über das Internet in einer digitalen Gesellschaft ergeben. Die folgenden Punkte definieren MOOCs, und sind in Teil 1 ausführlicher dargelegt:

  1. Information is everywhere
  2. A MOOC is a course
  3. The course is open
  4. The course is participatory
  5. The course is distributed
  6. A [MOOC is a] distributed knowledge Base
  7. A [MOOC is a] step on the road to life-long-learning

Kurz gefasst demnach: Ein MOOC ist eher ein “Event” mit einem Ziel, ist moderiert, und das Lernen läuft selbstbestimmt über digitale Werkzeuge ab. Im Verlauf können dann so ziemlich alle digitalen Möglichkeiten zum Austausch genutzt werden – was eben passt und/oder zur Verfügung steht.

Was sind Gemeinsamkeiten von MOOCs und Intranet-MOOCs?

Die Gemeinsamkeiten sind viel größer als die Unterschiede. Die in Frage kommenden Informationen sind so oder so im Prinzip überall zu finden (1), intern und ggf. auch extern. Eine Grenze findet das nur in der Frage, ob auch externe Medien für Austausch und Entwicklung von Inhalten genutzt werden dürfen, und inwiefern.

Letztlich ist das aber eine organisatorische Entscheidung, genauso wie die Punkte (2), (3) und (4). Auch ein Intranet-MOOC kann und sollte ein bestimmtes Thema und eine Agenda, aber kein Ziel, haben (hier ein Beispiel) (1), genauso wie die Offenheit möglichst vieler Informationsquellen im Intranet (2). Ebenfalls eine reine Entscheidungsfrage ist die Offenheit des MOOC: darf jeder daran teilnehmen der will oder nicht (3) und sich vernetzen und austauschen wie es sich aus der Fragestellung ergibt (4)?

Für (5) und (6) gilt das ebenfalls: sowohl die Offenheit der zur Verfügung stehenden Mittel als auch die langfristige Auffindbarkeit der Inhalte in einer „knowledge base“, um die Lernergebnisse zu sichern – zentral und dezentral in den einzelnen Social Features.

Was wäre speziell an einem Intranet-MOOC?

Quelle: IPI GmbH

Innerhalb einer Firma besteht keine Notwendigkeit „Lernen“ ausschließlich auf digitale Wege zu beschränken. Es gibt viele Wege Wissensmanagement und Lernen inter-personal zu gestalten, mehr als sie über das Internet beispielsweise in Form von Konferenzen / Barcamps / Stammtische zur Verfügung stehen. Je größer die Firma allerdings ist, und je größer die räumlichen und zeitlichen Einschränkungen sind sich von Angesicht zu Angesicht auseinanderzusetzen, desto größer ist das Potential.

Die Grenzen zwischen „Innen“ und „Außen“ von Firmen werden flüssiger. Informationen von Außen werden ganz selbstverständlich innerhalb von Firmen genutzt (Google, Social Bookmarking…). Umgekehrt aber tragen Mitarbeiter auch Informationen in fragmentarischer Form nach Außen, z.B. durch Tweets mit fachbezogenen Links als Inhalt, Ideen werden über persönliche Blogs nach Außen getragen – und dort wieder diskutiert. Ein MOOC profitiert von maximaler Offenheit, während es für den Einsatz im Intranet plus Internet gewisse Geheimhaltungsgrenzen gibt. Das sollte bei der Konzeption und Moderation bedacht werden.

3.) Umsetzung eines Intranet-MOOC

Szenarien / Anlass

Ich muss jetzt spekulieren, aber ich denke dass Intranet-MOOC-Szenarien von der Reichweite begrenzt sein sollten – so wie dieses Beispiel auch nur einer Grundfrage nachgeht, aber diese in verschiedenen Aspekten variiert.

Das hat mehrere Vorteile: je genauer die Fragestellung formuliert ist, umso besser können potentielle Teilnehmer entscheiden ob sie das Thema interessiert und ob sie sich kompetent fühlen. Betriebswirtschaftlich gesehen konzentriert das natürlich auch Ressourcen. Außerdem gewährleistet eine fokussiertere Fragestellung auch fokussiertere Ergebnisse.

Konkrete Anlässe könnten sein … die Einarbeitung eines IT-Dienstleisters in die Neuerungen des Sharepoint 2013 / die systematische Weiterentwicklung eines Produkts (was schon den Themenbereich Innovation berührt) / die strategische Entscheidung ein neues Geschäftsfeld erschließen zu wollen, und die Umsetzung der Evaluation als Intranet-MOOC

Organisatorischer Aufhänger

Ein MOOC ist eine Lernveranstaltung, muss konzipiert und im Verlauf moderiert werden. Wo genau man das organisatorisch aufhängt ist letztlich zweitranig, ob das die Fachabteilungen sind, oder HR bzw. spezialisierte WM-Beauftragte.

Bei größeren Unternehmen bietet sich allerdings ein anderer Rahmen an: Karl-Heinz Pape schrieb über das Beispiel der adidas Open Corporate University. Von der Grundidee her ist es eine Lerneinrichtung für ein Lernendes Unternehmen, mit der festen Absicht vernetztes Lernen zu ermöglichen. Das klingt das für mich auch nach einer institutionalisierten Form von Intranet-MOOCs, unter anderen natürlich.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt würde ich eine Anmeldung für die Teilnahme für sinnvoll halten. Vom #MMC13 habe ich die Erkenntnis gewonnen dass sich die meisten Interessenten eine formale Bestätigung wünschen, und das auch aus organisatorischer Sicht sinnvoll ist.

Moderation und die Zusammenfassung der Lernergebnisse

Startseite und Agenda des MOOC #MMC13

Aus meiner Sicht bietet sich hier ein Blog an. Blogs haben als Features Seiten für allgemeingültige Inhalte und Artikelseiten für das was den Blog im Kern ausmacht: aktuellere Betrachtungen, die nach hinten wandern.

Der Screenshot links zeigt den Blog, der für die Organisation des #MMC 13 eingerichtet wurde – passenderweise ein MOOC, um zu lernen was MOOCs sind und auch wie man sie in Unternehmen umsetzen kann. Auf der Startseite ist die Agenda zu sehen, die alle Interessierten über Inhalte und Termine informiert, ebenso über Teilnehmer und Referenten.

Ein Blog bietet gleich mehrere Vorteile für die Moderation und Zusammenführung der Lernergebnisse:

  • Feste Seiten informieren über Inhalt des MOOC und die Agenda
  • Einzelne Artikel informieren über die Inhalte der kommenden Woche, geben Impulse, verlinken auf vorbereitendes Material. Natürlich lässt sich die Kommentarfunktion für Anregungen nutzen, Fragen, aber auch um Links auf Lernergebnisse selbst abzulegen
  • Einzelne Artikel informieren über die Lernergebnisse der Woche. Die Moderation hätte die Aufgabe die einzelnen Lernergebnisse laufend im Blick zu behalten, und die interessantesten Lernergebnisse in diesem Rahmen zu aggregieren, und ggf. nochmal zu diskutieren
  • Ein Blog bzw. dessen fortlaufende Inhalte lassen sich sehr gut auf der Startseite eines Intranets unterbringen, was der ganzen Veranstaltung einen hohen Stellenwert einräumt
  • In einem Artikel hier im Blog formulierte ich den Nutzen von Blogs für das Wissensmanagement schon 2008 folgendermaßen:

„Denken verläuft assoziativ, nicht linear. Die Antwort für eine Frage ergibt sich häufig in unerwartetem Kontext. Ich sehe es auch an meinen subjektiven Erfahrungen mit diesem Blog: Ein Artikel ist Reflektion, Verknüpfung und Vertiefung. Und immer eingebunden in einem bestimmten Kontext einer Lebenssituation“.

***

Ausblick auf den 3. Teil: Features des Sharepoint 13, die für die Umsetzung zur Verfügung stehen

Dieser Artikel ist quasi die konzeptionelle Vorbereitung für den dritten Teil. Im dritten Teil habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie man auf Basis dieser Überlegungen einen Intranet-MOOC mit Sharepoint 13 umsetzen kann: welche Features für welche Art von Aktivitäten im Rahmen eines Intranet-MOOC sinnvoll sein können.

Hier geht’s zum dritten Teil …

 

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