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Fragetechnik „Wicked Question Game“

5. Dezember 2012

Fragen. Fragen sind so eine Sache. Ich frag mich z.B. oft warum wir in Gesprächen und im Schriftlichen so selten Fragen stellen, und so häufig Dinge verkünden. Und warum das nicht in Frage gestellt wird, oder zumindest als fragwürdig wahrgenommen.

Fraglich finde ich es oft von Dingen im Brustton der Überzeugung zu sprechen. Wissen wir die Dinge tatsächlich so genau, wie wir es schreiben? Handelt es sich um gesichertes Wissen? Ist das definitiv, ist das eine Wahrheit? Aber noch wichtiger, selbst wenn die Aussage fraglos richtig ist:

Was ist mit den Fragen, die den Gedanken, und den Sicherheiten vorausgingen? Was wollten wir wissen? Welche Frage hat uns angetrieben, die uns veranlasst haben uns mit dem Thema zu beschäftigen? Welche Fragen trug man mit sich rum? Welche Fragen blieben vielleicht schon eine Weile offen, und die geäußerten Gedanken sind eine Annäherung an eine Antwort?

Alle Erkenntnis fängt mit der Suche nach Antworten auf Fragen an. Erkenntnis fängt also mit Nicht-Wissen, und Wissen-Wollen an. Mit einer Frage, oder mehreren.

Im Studium hat mich ein kurzer Text über Erkenntnis tief beindruckt. Wissenschaft sei nicht der Weg der Eindeutigkeit. Wer klare Aussagen haben will, der müsse zum Glauben wechseln, dort gebe es Übersichtlichkeit und Eindeutigkeit en masse. Der Weg der Wissenschaft sei der des Zweifels, des immer wieder hinterfragens ob zu dem, was heute als sicher gilt, schon das letzte Wort gesprochen ist?

Denn gar nicht selten gibt es zu Begriffen Gewissheiten, einen Konsens. Konsens muss aber nicht heißen dass überhaupt (richtig) gefragt wurde. Keine Aussage ist zwingend eine Antwort auf eine Frage, bzw. das Ergebnis des Nachdenkens. Warum sind die Dinge so wie sie sind? Was macht das Wesen von x oder y aus?

Wurde überhaupt nachgedacht und gefragt? Wer hat nachgefragt? Wann und wie oft? Was ist z.B. dieses „Collaboration“, das jeder verwendet, das aber als Begriff ähnlich schwammig verwendet wird wie z.B. „Nachhaltigkeit“ oder „CSR“.

Mich ärgert auch immer wieder an Grenzen zu kommen und anzuerkennen, wie anspruchsvoll es ist Fragen zu stellen. Vor allem zielführende Fragen, die einen und die Gruppe weiterbringen. Fragen, die den Dingen auf den Grund gehen. Fragen, die dem Kunden helfen z.B. die Situation, das Problem, besser zu verstehen. Fragen, die allen helfen, eine wirklich passende Lösung zu finden.

***

Vor diesem Hintergrund fand ich es klasse auf dem PM Blog den Artikel „Stellen wir uns die richtigen Fragen“ zu finden. Stefan Hagen verweist auf eine Workshop-Methode namens „Wicked Question Game„, die hilft die zugrundeliegenden Fragen eines Themas herauszufinden.

Hier im PM Wiki ist dargestellt wie die Methode funktioniert:

  • Es dürfen ausschließlich Fragen gestellt werden. (sprich keine Antworten, nur Fragen)
  • Das Gespräch wird nur über offene Fragen strukturiert.
  • Alle Beteiligten können sich jederzeit mit Fragen einbringen.
  • Keine rhetorischen Fragen!
  • Die Fragen werden „in die Runde“ gestellt und nicht an einzelne Teilnehmer/innen.

Es wird mit einer Grundfrage begonnen, die systematisch mit weiteren Fragen ergänzt wird, die sich daraus ergeben, was am Ende in der Runde wieder diskutiert und zusammengeführt wird. Wenn ich es richtig verstehe handelt es sich um so eine Art von Brainstorming in der Gruppe, nur mit dem Unterschied dass statt Begriffen mit Fragen gearbeitet werden.

***

Diese Methode werde ich in der Phase der Anforderungsanalyse sicher in absehbarer Zeit mal ausprobieren können. Freue mich darauf zu fragen ob man sich Fragen stellen will …

 

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