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Jubiläum des Blogs: 5 Jahre alt, 100.000 Seitenaufrufe. Ist er erfolgreich?

18. April 2013

by wandersmann | pixelio.de

by wandersmann | pixelio.de

Innerhalb von wenigen Wochen hatte ich gleich zwei Jubiläen. Zum einen ließ mich WordPress.com wissen dass dieser Blog vor 5 Jahren aufgesetzt wurde, und gestern Abend wurde die runde Zahl von genau 100.000 Seitenaufrufen erreicht🙂. Seit ungefähr 2,5 Jahren blogge ich systematischer und mit mehr beruflicher Ausrichtung, die meisten Seitenzugriffe sind aus diesem Zeitraum.

Nun haben solche Jubiläen immer auch etwas willkürliches. Wieviel Tage sind 5 x 365 Tage? 1825 klingt gleich weniger rund. Und die Zahl 100.000 ist statistisch gesehen nicht seltener als sagen wir die Zahl 93.349.

Trotzdem, es sind runde Zahlen, und es macht was mit einem. Z.B. fragte ich mich heute „hat es sich gelohnt zu bloggen? Lohnt es sich heute, und wird es sich morgen lohnen? War und bin ich erfolgreich mit diesem Blog? Was macht „Erfolg“ eigentlich aus, für mich als privater Blogger mit einem Orchideenthema?

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Die Frage nach „Erfolg“ ist nicht banal, denn so ein Blog schreibt sich nicht von allein. Schreiben ist aufwändig, und erst die Extraportion Mühe macht den Unterschied aus zwischen einem Artikel, der ok ist, und einem, der gut ist. Nur gute Artikel werden kommentiert, diskutiert, empfohlen auf sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook. Die Visualisierung von Artikelthemen beispielsweise finde ich wichtig, und kommt gut bei den Lesern an. Ehrlich, Visualisierung macht zusätzliche Arbeit.

Wenn die Anfangseuphorie mal weg ist fragt man sich schon ob Aufwand und Nutzen in einem Verhältnis zueinander stehen. Hat sich also der Aufwand „gelohnt“? Macht es Sinn weiterzumachen?

Blogstatistik, 18.4.2013, nach 7:00 Uhr

Blogstatistik http://www.mlhoefer.de, 18.4.2013

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Erfolg“ ist ein Begriff, den jeder für sich definiert. Ich fange mal mit Contra-Argumenten an, denn davon habe ich weniger. Aber es gibt sie.

Z.B. hatte ich eine Zeitlang die Hoffnung, den Blog als verkaufsförderndes Instrument zu nutzen. Früher als Selbständiger wollte ich damit konkrete Beispiele meines Know-Hows vermitteln. Was ich kann, wozu meine Lösungen gut sind. Um es kurz zu machen, verkauft habe ich über den Blog nie etwas. Nie hat sich jemand gemeldet und gesagt „Das, was Sie da geschrieben haben, interessiert mich. Kommen Sie vorbei, ich will das haben“. Nein😉. Auch als Angestellter ist es mir noch nie passiert dass ein Kunde bei meinen Arbeitgebern angerufen hätte, weil ein Workshop mit mir zu XYZ gewünscht sei. So gesehen: kein Erfolg, aber so gar nicht🙂. Verkaufen konnte ich allerdings als Selbständiger immerhin einen ganzen Schwung an Workshops zum Thema „Bloggen mit WordPress“ – zählt das als „Erfolg“ des Blogs, weil der „Blogkompetenz“ quasi aus sich selbst heraus demonstriert? …

Verkauf wäre die eine Möglichkeit direkter Monetarisierung gewesen, Micropayment via Flattr eine andere. Ich mach´s kurz: es kamen im Laufe der Zeit nicht einmal 10 € zusammen. So gesehen war es ein wahrhaft unterirdischer Stundenlohn. Kinder, lernt lieber was Anständiges, statt zu bloggen😀

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Es liegt auf der Hand dass man den Nutzen so nicht greifen kann. Aber es gibt die Pro-Argumente trotzdem, und sie sind zahlreicher. Fangen wir mit „Austausch“ an, Kommentare. Der Screenshot oben zeigt 468 Kommentare bis zum heutigen Tag. Davon sind viele Trackbacks, zum einen von mir Verlinkungen innerhalb des Blogs, zum anderen Verlinkungen von außen auf meinen Blog. Von dem was bleibt ist ungefähr die Hälfte der Kommentare von mir, Reaktionen auf Kommentare von Außen. Macht ungefähr 100 – 150 Kommentare von anderen Menschen, denen die Inhalte hier soviel bedeutet haben, dass es Ihnen die Zeit wert war einen Kommentar zu schreiben, und ihre Meinung zu hinterlassen, sich ggf. sogar mit mir auseinanderzusetzen. Ein herzliches Dankeschön dafür! Reaktionen sind der eigentliche Mehrwert, und mir als Blogger ist das die liebste Anteilnahme🙂.

Sichtbarkeit ist das nächste. Wer schreibt, wird gefunden und gesehen. Wer schreibt, der existiert online. Wer meinen Namen (Michael Ludwig Höfer) googelt, der findet mein Xing-Profil, meinen Blog, meinen Lebenslauf und einen Artikel auf Sharepoint Social mit einem Podcast mit mir:

Google Suchergebnisse für Michael Ludwig Höfer

Man könnte es auch „Online Reputation“ nennen. Mein Name wird von der Suchmaschine vollständig mit beruflichen Dingen assoziiert, und liefert gleich unter den ersten Treffern genug Möglichkeiten sich ein Bild von meiner beruflichen Existenz und meinen Schwerpunkten zu machen. Und genau so möchte ich das haben.

Dass die eigenen Bloginhalte so sichtbar sind, ist für mich Reputation erster Ordnung. Diese Sichtbarkeit bringt allerdings auch Kontakte zu Menschen mit sich, die auf den Blog aufmerksam werden – für mich Reputation zweiter Ordnung. Der Podcast mit Michael Greth von Sharepoint Social ist so eine Sache, oder mein Artikel im DOK.magazin zu „Corporate MOOCs“, der auch nur zustande kam weil die Chefredakteurin über den Blog stolperte und sich direkt einen Artikel zum Thema gewünscht hat🙂 Ist das „Erfolg“? Eindeutig ja.

Diese Sichtbarkeit und Reputation bringt noch eine Art von Pro-Argumenten mit sich, die mich bestärken zu bloggen: Reaktionen von Stakeholdern und Kunden. Zwar habe ich mit dem Blog nie direkt einen Kunden gewonnen, aber einige Male erlebt dass der Blog mir Türen geöffnet hat.

Z.B. passierte es mehrere Male, dass Kunden im Workshop mitteilten diesen Blog hier bereits bei der Recherche zum Thema gefunden und gelesen zu haben. Spätestens nach dem dritten Mal wurde mir endlich das Potential dieser Situation bewusst, und ich konnte einige Male einen Workshop damit inhaltlich vorbereiten, dass ich Links auf den Blog als Lektüre versendete: „Schauen Sie sich das an, darin sind alle Argumente drin von denen wir gerade gesprochen haben. Dann können Sie sich entscheiden ob es auf diese Weise Ihrem Bedarf entspricht„.

Es soll sogar vorgekommen sein dass Bestandskunden den Arbeitgeber auf meine persönlichen Ansichten ansprachen, die gar nicht offizielle Linie der Firma waren😉

Mein persönlicher Höhepunkt war folgender: eines Tages meldete sich via Twitter Direct Message der Chef der internen Kommunikation eines weltbekannten Unternehmens im Fränkischen bei mir. Er würde meinen Blog gern lesen. Und sein IT-Chef, der den SharePoint im Unternehmen administriert, auch. Das hätten sie aber nicht gewusst bis zu dem Tag an dem sie über Collaboration und Wikis im Zusammenhang mit SharePoint diskutiert hätten, und feststellten beide Argumente aus meinem Blog zu verwenden. Das Ergebnis war dann eine Einladung in deren Firma, ein Mittagessen und ein schönes Fachgespräch.

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Ist der Blog damit „erfolgreich“? Unbedingt. Kunden hat er keine gebracht, Geld auch nicht, jedenfalls nicht direkt. Aber dafür einen Namen und ein klares Profil. Das zählt für mich.

Außerdem ist Schreiben aktives Denken. Das ist der persönlichste Aspekt an dem Ganzen. Erst das was einfach und verstänlich formuliert wurde, ist verinnerlicht. Das ist angewendetes Wissensmanagement. Allein dafür lohnt es sich den Blog weiterzuführen.

Es ist schon vorgekommen dass ich ältere Artikel las, und feststellen musste einen bestimmten Gedanken schon einmal gehabt zu haben, der aber Mangels Anwendung wieder in Vergessenheit geriet. So gesehen ist der Blog auch ein kuratiertes Archiv meiner Themen und Lernfortschritte – zumindest von dem Teil der ins Redaktionsschema passt.

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Und einen letztes gutes Argument für das Bloggen hat Frank Hamm im Kommentar unten angesprochen: man lernt über das aktive Bloggen interessante Menschen kennen🙂 Blogger registrieren Blogger, und man trifft sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Veranstaltungen, z.B. Barcamps. Leute, die dort unterwegs sind, sind ziemlich unterschiedlich und selten langweilig.

Ob ich also weitermache? Unbedingt!🙂 Mal sehen welche Türen sich die nächsten Jahre öffnen …

9 Kommentare leave one →
  1. 18. April 2013 19:27

    Glückwunsch. Guter Wert.

    • 18. April 2013 19:30

      Danke! Um ehrlich zu sein fällt es mir sehr schwer einzuschätzen, ob ein Wert „gut“ ist oder nicht.

      Aber gemessen daran dass ich hier des öfteren laut „spinne“ und Ideen entwickle, die auch die Leute aus meiner Branche manchmal exotisch finden, bin ich ganz zufrieden😀 … VG

  2. Max Melcher permalink
    18. April 2013 19:31

    Hi Ludwig,

    Da gibts nur eine Antwort: Natürlich!
    100k: wow!

    Grüße
    Max

    • 18. April 2013 19:34

      Hi Max, danke für die Blumen. Tolles Profilbild von dir übrigens😉 … Mal nicht so ernst. Like.

      PS: Ich stelle gerade fest dass dieses „Profilbild“ leider nicht in den Kommentaren hier im Blog angezeigt wird. Schade eigentlich.

  3. 18. April 2013 20:14

    Hallo Ludwig,
    nachdem Erfolg von der eigenen Perspektive abhängt und in Relation zu den eigenen Zielen steht, sind wir beider der gleichen Meinung, dass Dein Blog erfolgreich ist und nicht unwesentlich daran beteiligt ist, was und wer Du heute bist.
    Über das von Dir erwähnte Aktive Denken hinaus ist Bloggen/Schreiben dazu auch noch authentischer Selbstausdruck, und das macht ihn – wie auch Dich – so natürlich sympathisch.
    Besonders gefällt mir übrigens Dein Gedanke im vorletzten Absatz zum gelebten Wissensmanagement. Denn die beste Sharepoint-, Wiki – oder sonstige IT-Lösung hat wenig Wert (sondern im Gegenteil ist für die Anwender eher Stress als Freude), wenn die Menschen dahinter nicht bereit sind, ihr Wissen auch zu teilen.
    Und das tust Du – und dafür Danke!

    Viele Grüsse
    Christina (Wortakupressur by CB)

  4. 19. April 2013 06:10

    Herzlichen Glückwunsch! In meinen Bloggerjahren habe ich mir auch immer wieder solche Fragen wie Du und ähnliche gestellt. Und auch wenn ich manchmal das Gefühl hatte, dass ich einsam in der Wüste wanderte, so traf ich doch immer wieder auf andere Wanderer, Oasen und Städte. Mir hat mein Bloggen so vieles gegeben wie Lernen, Weitergeben und vor allem: Viele nette Menschen kennen lernen. So wie Dich🙂

    Keep on Blogging!

    • 19. April 2013 07:21

      Danke, Frank. Gut dass du es erwähnt hast, da hab ich mit dem sozialen Aspekt einen der schönsten Gründe für das Bloggen vergessen. Man lernt dadurch spannende Leute kennen🙂

  5. 23. April 2013 08:39

    Danke für die schönen Argumente – da lohnt es sich doch weiterzuschreiben…🙂

    • 23. April 2013 08:45

      Hallo Hr. Buchholz,

      danke für die Notiz. Allein dafür dass ich jemanden zum Schreiben motiviert habe, hat sich der kleine Artikel schon gelohnt.

      Grüße aus München🙂
      M. L. Höfer

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