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70:20:10-Regel für Corporate Learning: Umsetzbarkeit mit SharePoint 2013

2. Mai 2013

Die letzten Tage tauchten über meine Newsfeeds immer wieder Artikel über die 70:20:10-Regel auf, die mir bislang unbekannt war. Vor ein paar Tagen hatte ich endlich Gelegenheit mich damit bekannt zu machen, und war froh darüber.

Kurz gefasst ist die 70:20:10-Regel eine interessante Faustregel, auf welche Weise Lernprozesse im Arbeitsprozess stattfinden:

  • 70%  des Lernens findet statt durch konkrete Erfahrungen, durch Auseinandersetzung und (Aus-)Übung. Bei der Arbeit selbst.
  • 20% des Lernens findet statt über Kommunikation mit anderen Menschen, in der Teeküche, über Netzwerke und Communities
  • 10% des Lernens findet dann durch formales Lernen statt: Schulungen, Trainings und Workshops. Nur 10%. Und die sind auch noch ineffizient, wenn man Kosten und Ergebnis ins Verhältnis setzt.

Beim Wissenswerk fand ich dieses schöne Video, das die Sache ziemlich gut erklärt:

Auswirkung der 70:20:10-Regel auf Collaboration und Wissensmanagement

Eine Kernaussage des Videos ist, dass man Wissen nicht managen kann! Und ich stimme dem zu. Informationen lassen sich managen, nicht aber Wissen, das zwischen den Ohren steckt – siehe auch die Wissenstreppe. Wenn´s um´s Lernen geht, hat jeder Mensch individuelle Lernwege. Diese Lernwege zu ermöglichen und zu unterstützen sei die Aufgabe des Wissensmanagements. Aufgabe sei Lernen bei der Arbeit / Zusammenarbeit zu unterstützen.

Viele Leute verwenden nach meinem Eindruck „Zusammenarbeit“ und „Collaboration“ synonym. Collaboration ist eines meiner Lieblingsthemen, über das gern und oft schreibe (siehe „Kerngedanken„). Meine persönliche Definition von Collaboration ist schon länger, dass es im erweiterten Sinn auch ein sozialer Lernprozess ist. Diese These durfte ich auch schon hart verteidigen.

Allerdings fragte ich mich selbst immer wieder, wie hoch ich den Anteil des arbeitsbegleitenden Lernens am Lernen denn einschätzen sollte – und damit die Relevanz von ausgereiften Collaboration-Konzepten? In dem Zusammenhang legt die 70:20:10-Regel jedenfalls nahe dass der Anteil des formalen Lernens sehr gering ist. Und sie  legt nahe dass gut 90 % des Lernens in Arbeitsprozessen entweder direkt während der Arbeit geschieht (70%) oder in vorgelagerter Kommunikation mit Kollegen (20%). Entweder direkt oder in Communities. Collaboration ist zielorientiertes Lernen.

[Bliebe noch die Frage zu klären, wie hoch der Anteil des Lernens am Gesamtarbeitsprozess jeweils beim Kunden ist? 20%? 50%? …]

Umsetzung von 70:20:10-Regel mit SharePoint 2013

10% Formales Lernen:

10 % des Gesamtlernens ist nicht viel, aber zuviel um komplett vernachlässigt zu werden. Und in manchen Situationen macht es ja auch Sinn. Für formales Lernen, meist auch eLearning genannt, hat der SharePoint 2010 default nichts anzubieten, aber es gibt Erweiterungen:

  • SharePoint LMS, für das es wohl mehrere Anbieter gibt, wie mir scheint
  • Effective Staff von Lanteria, eine Lösung, die über eLearning hinausgeht: „for effective HR, Performance, Learning and Talent Management“.

SharePoint LMS könnte es auch für SharePoint 2013 geben. Außerdem wird wohl mit dem nächsten Service Pack endlich die out of the box-eLearning Lösung des SharePoint 2013 freigeschaltet werden. In den Vorabversionen von SP 2013 hieß das ganze noch „SharePoint Education Feature„, scheint jetzt aber ein „Education Service“ zu sein, bislang sehr tief versteckt und nicht über die Oberfläche zu administrieren. Man darf gespannt sein.

20% Beziehungslernen + 70% Arbeitsbegleitendes Lernen:

An dieser Stelle möchte ich mich kurzfassen, denn so ziemlich alles, was unter „Kerngedanken“ zu finden ist, handelt von der Organisation von Arbeitsprozessen, die selbstorganisiertes arbeitsbegleitendes (Beziehungs-)Lernen ermöglichen.

Ein guter Einstieg ist dafür ein recht neuer Artikel mit dem Titel „Die Rolle von Newsfeeds für die Erzeugung von neuem Wissen im Arbeitsprozess„. Das Modell bringt sowohl die hauptsächlich kommunikativen Aspekte (20%) als auch die eigentliche Zusammenarbeit (70%) in einen sinnvollen Gesamtzusammenhang. Dabei würde ich unter den 20% sowohl Social Networks als auch Communities of Practice zusammenfassen. Das, was hier im Modell kurz als „Work Teams“ bezeichnet wird, ist der Gegenstand der Kerngedanken:

(c) Harold Jarche

(c) Harold Jarche

Was in dem Artikel nicht steht, ist dass sich ein solches Szenario mit SharePoint 2013-Bordmitteln problemlos umsetzen lässt:

MySite inkl. Newsfeed > Community Template > Teamsite Template für die eigentliche zielorientierte Zusammenarbeit ggf. inklusive Microfeed, der wieder die Brücke zum zentralen Newsfeed schlägt. Plus Details.

Dazu passt auch eine Tabelle von Charles Jennigs selbst. Jennings schreibt in diesem Artikel über die 70:20:10-Regel und empfiehlt Unternehmen folgende Aktivitäten zur Umsetzung (via Jochen Robes):

Actions_thumb[4]

***

Aus meiner Sicht gibt es noch weitere Möglichkeiten, um Lernen im Arbeitsprozess, diese 90%, umzusetzen. Die obengenannten Szenarien haben alle Ansätze als Gegenstand, die Lernen als einen Bestandteil der fortlaufenden Zusammenarbeit behandeln.

Daneben kann ich mir allerdings auch Arbeits- und Lernszenarien vorstellen, die nicht fortlaufend sind, sondern Event-Charakter haben! Über beide habe ich zum Jahreswechsel 2012/2013 geschrieben, und freue mich dass ich sie jetzt sinnvoll in einen größeren Zusammenhang setzen kann: Corporate MOOCs und Gamification.

  • Corporate MOOCs: Hier findet sich ein Artikel, was MOOCs sind, und hier eine ausführliche Darstellung, mit welchen Mitteln sich ein Corporate MOOC mit SharePoint 2013 durchführen lässt. Die Kurzform als PDF findet sich hier.
  • Gamification: Gamification ist sehr spannende Angelegenheit, mit der ich in Zukunft beim Kunden mehr arbeiten möchte. Hier findet sich ein Artikel, der Gamification als Konzept hinterfragt, und hier ein Artikel, mit welchen Bordmitteln von SharePoint 2013 sich Gamification-Szenarien umsetzen lassen

***

UPDATE 3.6.2013: Zwischenzeitlich habe ich einen weiteren Artikel zu dem Thema verfasst, der ein Praxisbeispiel für die Anwendung der 70:20:10-Regel bietet:

 

4 Kommentare leave one →
  1. 6. Mai 2015 16:37

    Die populäre 70-20-10-Bildungsformel hat einen Haken. Sie setzt einen selbstverantwortlichen, selbstgesteuerten, lernwilligen, motivierten und transferstarken Mitarbeiter voraus. Deshalb kritisiere ich in der aktuellen Titelgeschichte des Weiterbildungsmagazins wirtschaft + weiterbildung die 70-20-10-Bildungsformel, die derzeit in den Firmen als beste Weiterbildungsphilosophie gehandelt wird. Meiner Meinung nach ist Umdenken angesagt: Wie kann man Menschen in Unternehmen unterstützen, Lernkompetenz, Selbst-Lernen zu erwerben, damit erfolgreiches arbeitsplatznahes Lernen geschieht. Mehr unter: http://transferstaerke.blogspot.de/

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