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Modell-Entwurf: IT-Wissensmanagement plus „Soziales Lernen“ = Future Workplace

27. Oktober 2013

Absicht: Lernen als Teil des Wissensmanagements sichtbar machen

Modellentwurf für Lernen, Wissensmanagement und Innovation im Arbeitsprozess (1)

Wissensmanagement aus der IT-Perspektive beschäftigt mich als SharePoint-Consultant nun schon eine ganze Weile. Einerseits finde ich dass wir großartige Möglichkeiten haben und interessante Sachen bauen. Andererseits stoße ich immer wieder an Grenzen gängiger Modelle. Teils sind diese Grenzen zu akzeptieren, andere aus meiner Sicht nicht.

An folgenden Aspekten reibe ich mich konstruktiv, die mich veranlassen ein Modell zu entwerfen, um da einen kleinen Betrag zu leisten – und wenn es nur darauf rausläuft wiederlegt zu werden ;-):

  • Wissensmanagement aus IT-Sicht erschöpft sich oft in der Aufbewahrung von Informationen, deren Auffindbarkeit und das zielgerichtete gefilterte Angebot dieser Informationen
  • Die systematische Aufbereitung und Entwicklung von Wissen kommt oft etwas kurz
  • „Lernen“ spielt eigentlich nie eine Rolle, obwohl wissensintensive Arbeit grundsätzlich die Entwicklung von Wissen voraussetzt
  • Wenn von Lernen gesprochen wird, dann immer als „eLearning“.
  • eLearning wird oft ausschließlich verstanden als Schulungsmaterial + Fragen + Zertifikate = Vermittlung von gesichertem Wissen
  • „Lernen“ kommt irgendwann mal on Top, sozusagen als „weiches“ Thema für die HR – was wiederum mit dem oben genannten Lernverständnis zusammenhängt

***

Meine Absicht ist daher ein Modell (für den Einsatz beim Kunden) zu entwerfen, das den folgenden Kriterien entspricht:

  • Lernen als Teil / Ergänzung des Wissensmanagements zu integrieren
  • Lernen und Wissensmanagement als etwas zu veranschaulichen, das nicht irgendwann on Top auf eine Collaboration-Umgebung als Add-on drauf kommt, sondern von Anfang an da ist
  • Veranschaulichen, dass eine IT-Umgebung nicht planbar ist ohne vertiefte Auseinandersetzung mit den Dimensionen „Organisation“ und „Mensch“. Bei einem Archivsystem klappt das noch, aber sicher nicht mehr wenn es um Wissensmanagement geht.
  • Ein Framework zu entwickeln, das in der Beratung für mittel- und langfristige Zielentwicklung bei der Erstellung einer Collaboration-Umgebung taugt

Ich denke ich habe ein vorläugiges Ergebnis zur Diskussion gefunden. In den nächsten Abschnitten möchte ich Schritt für Schritt dieses Modell aufbauen. Aber erst das fertige Ergebnis, Voilá:

Modellentwurf für Lernen, Wissensmanagement und Innovation im Arbeitsprozess

Zur Vergrößerung bitte anklicken

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IT-gestütztes „Wissensmanagement“: Knowledge Stock

Folgende Komponenten nehme ich für gewöhnlich wahr, wenn es um Modelle für IT-gestütztes Wissensmanagement geht. Ohne das geht wenig bis gar nichts, das ist unverzichtbare Basis:

Dokumenten Management System / Social Media / Enterprise Search

Dokumenten Management Systeme: In irgendeiner Form werden Informationen und Dateien verwaltet und zur Verfügung gestellt. Das bildet die Basis. Selbstverständlich gehören dazu auch ausgefeilte Taxonomien, auch Workflows und anderes dazu.

Social: Seit einiger Zeit gehört auch immer immer „Social“ dazu. Früher meist Wikis und Blogs, heute meist Social Networks und Communities. Meine Wahrnehmung der Integration habe ich im Artikel „Die Cargo-Kulte der Collaboration“ etwas ausführlicher beleuchtet

Enterprise Search: Die schönsten Informationen, Diskussionen und Dateien im System bringen nichts, wenn keine leistungfähige Enterprise Search diese indiziert und zielgerichtet gefiltert zur Verfügung steht.

Was also geht, und was nicht?

  • Zur Verfügung stellen von explizitem Wissen: Funktioniert prima
  • Experten finden: Eingeschränkt
  • Wissen in den Köpfen der Mitarbeiter sichtbar machen: Eingeschränkt bis Nein
  • Neues Wissen entwickeln: Geht gar nicht

In so einem System werden Informationen verwaltet und zur Verfügung gestellt, aber kaum entwickelt. Ein Knowledge Stock sozusagen. Und „Lernen“ findet in so einem Szenario irgendwie nebenbei statt. Daher habe ich die nächsten Schritte des Modells so ausgelegt, dass der Knowledge Flow ebenfalls Platz findet.

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Sieben Lernprinzipien

Für den nächsten Schritt im Modell habe ich mich inspirieren lassen von einem Text von Werner Sauter, der als Beitrag zum Management 2.0-MOOC die aus seiner Sicht wichtigsten Lernprinzipien herausgearbeitet hat – siehe im eingebetteten Text auf Seite 2:

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Das sind die Lernprinzipien, von denen im übernächsten Abschnitt – als modellrelevant! – drei näher beschrieben werden:

  1. Individuelle Kompetenzziele
  2. Kultur selbstorganisierten Lernens
  3. Lernprozesse eigenverantwortlich planen und steuern
  4. Selbstorganisierter Wissensaufbau und Qualifizierung
  5. Kompetenzentwicklung in Arbeitsprozess integrieren
  6. Lernbegleitung durch Coaches
  7. Kompetenzentwicklung im Netz

***

Das TOM-Modell

TOMIm nächsten Schritt hilft einem das TOM-Modell bei diesen Lernprinzipien das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Wichtig ist hier das, was sich mit IT-Tools umsetzen lässt – das ist schließlich der Job😉.

Das TOM-Modell …

… zeigt den Zusammenhang zwischen Technologie, Organisation und Mensch im Rahmen von Wissensmanagement auf. Dem Modell liegt die Annahme zugrunde, dass die Einführung von Wissensmanagement Veränderungen im ganzen Unternehmen mit sich bringt. Demgemäß geht es dabei nicht ausschließlich um die Implementierung von Datenbanken oder IT-Plattformen (Technologie), sondern genauso um organisatorische Aspekte (Organisation) sowie Maßnahmen, die den Personalbereich betreffen (Mensch)

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IT-relevante Lernprinzipien: Knowledge Flow

Wenn man die sieben Lernprinzipien von Werner Sauter nach dem TOM-Modell betrachtet, bleiben drei Prinzipien mit IT-Relevanz übrig:

  • Kultur selbstorganisierten Lernens: Zitat „Prozesse zur Veränderung der Lernkultur initiieren, Lernräume mit innovativen Lern- und Kommunikationsinstrumenten schaffen, die individuelles und organisationales Lernen fördern
  • Selbstorganisierter Wissensaufbau und Qualifizierung: Zitat „Formelles Lernen mit eLearning und Blended Learning erfolgt bei Bedarf […] weitgehend eigenverantwortlich durch die Lerner
  • Kompetenzentwicklung im Netz: Zitat „Kollaboratives Arbeiten und damit Lernen unter Nutzung von Social Software; Wert- und bedeutungsbezogene Kommunikation in sozialen Netzen; Reflexion und Dokumentation […]

Die „Kompetenzentwicklung im Netz“ habe ich für das Modell nach meinem Verständnis auch definiert als „Social Learning“: Lernen voneinander und miteinander im Arbeitsprozess.

Wichtig ist mir an dieser Stelle der Knowledge Flow! Wissen steht nicht irgendwo, Wissen eignet man sich durch Auseinandersetzung an. Information erreicht einen auch passiv, während Wissen immer die aktive Auseinandersetzung voraussetzt. Wissen muss in Umlauf gebracht werden und systematisch erschlossen werden, sonst gibt es da auch nichts zu managen. Sonst ist es ausschließlich Informationsmanagement.

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Knowledge Flow plus Knowledge Stock: Digital Workplace

IT-relevantes und WissensmanagementWissensmanagement ohne Knowledge Flow ist reines Informationsmanagement. Aber Knowledge Flow ohne Knowledge Stock funktioniert auch nicht: sonst gibt es nichts zu teilen, nichts auseinanderzusetzen.

Daher ist der nächste Schritt im Modell die Zusammenführung von IT-relevanten Lernprinzipien plus klassisches IT-typisches Wissensmanagement – siehe links.

Naja, und der nächste Schritt ist dann diese beiden Aspekte als Eigenschaften des Digital Workplace zu begreifen, den es zu konzipieren gilt.

Das ist was wir IT-ler aus meiner Sicht für Kunden bauen können – und in welchem Kontext das zu verstehen sein könnte:

Modellentwurf für Lernen, Wissensmanagement und Innovation im Arbeitsprozess

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Fazit

Ich für mich meine dass man mit einem solchen Modell bei der Planung einer Collaboration-Umgebung Wissensmanagement und Lernen so ins Spiel bringen kann, dass es nicht wie ein Add-on rüberkommt. Wissensintensiver Arbeitsalltag setzt den Knowledge Stock verfügbarer Informationen genauso voraus wie den Knowledge Flow, also das systematische Lernen miteinander und voneinander.

Und mit diesem Modell wird aus meiner Sicht genauso sichtbar, dass eine rein IT-gestützte Lösung nicht funktionieren kann, weil zum wissensentensiven Arbeiten am Digital Workplace immer auch Planungen zu „Organisation“ und „Mensch“ bzw. „Kultur“ gehören, sonst funktioniert es nicht. Erst IT, dann mal über die Prozesse und die Führung nachdenken, klappt nicht. Denn Form follows function.

***

Für Diskussionen in den Kommentaren oder über andere Kontaktmöglichkeiten bin ich gern zu haben, und freu mich ausdrücklich diese Gedanken weiterzuentwickeln😉

***

 

9 Kommentare leave one →
  1. 27. Oktober 2013 14:57

    Hi, danke für den Post🙂 Bei den sieben Lernprinzipien sehe ich auf jeden Fall für die Punkte 2-7 Gamification als eine klasse Möglichkeit.😉
    Cheers, Roman

    • 27. Oktober 2013 17:35

      Hi Roman,
      nett wieder von dir zu hören. Gamification wäre auf jeden Fall auch in einem solchen Modell interessant – in einer erweiterten Version. Wollte es aber jetzt erstmal so schlank wie möglich halten. Zumal “Gamification” Ende 2013 noch kein Thema ist, das die Kunden mit Geldbündeln in der Hand einfordern🙂 Falls du möchtest würde ich mich über deine Gedanken als Kommentar freuen, inwieweit die Punkte 2-7 hier Gamificationbezug haben. So etwa?:

      1. xyz: weil …
      2. xyz: weil …
      3. etc.

      VG, Ludwig

  2. Berhard permalink
    3. November 2013 13:46

    Das Zusammenbringen von „KnowledgeFlow“ und „Knowledge Stock“ als Kernbeitrag und Service der IT zu einer Kultur autonomen und kontinuierlichen Lernens im Unternehmen bringt es auf den Punkt. Vielen Dank.

  3. 4. November 2013 09:41

    Hallo Michael,
    schöner Post, vielen Dank für´s Teilen! Meine Gedanken dazu:

    a) Wen möchtest Du mit dem Framework beim Kunden ansprechen / was ist Deine Zielgruppe?
    b) Die IT-relevanten Lernprinzipien hast du herausgearbeitet. Welche sind aber für die Organisation und Mensch wichtig?
    c) Lernen ist nur ein Teil des Digital Workplace. Weitere Cases sind z.B. Innovation (Time-to-market), Vertrieb, etc.

    LG Bianca

    • 11. Januar 2014 23:15

      Hi Bianca,

      sorry dass ich so spät antworte, aber ich wollte vor der Antwort das Modell mal beim Kunden ausprobieren. Das ist am Freitag geschehen, PreSales, und hat gut funktioniert.

      Zu a) Wir sind im Gegensatz zu den Netmedianern eine IT-Firma mit Schwerpunkt SharePoint. Wissensmanagement wird in der Branche klassisch eingeschränkt als Knowledge Stock, rein technisch, verstanden und verkauft – und auch so von den Kunden oft nachgefragt. Da wollen wir weg von. Das Modell ist Teil einer Abfolge von Folien, und hat das Ziel dem Kunden im PreSales-Gespräch das Thema „Wissensmanagement“ von Anfang an nicht ausschließlich als technisches Thema zu verkaufen. Sondern als Technik/Organisation/Kultur. Zielgruppe sind alle unsere (potentiellen) Kunden, die ein Intranet inkl. Collaboration-Umgebung haben wollen.

      Zu b) Die nicht IT-relevanten Dienstleistungen sind die anderen, Organisation und Kultur. Ganz einfach. Darauf gehe ich auch nicht weiter ein

      Zu c) Du hast natürlich völlig Recht dass Lernen nur ein Teil des D.W. ist. Zweck der Graphik ist nicht den D.W. vollumfassend darzustellen, sondern klar zu machen, dass Wissensmanagement kein rein technisches Thema ist, und der Kunde diese Beratungsleistung besser gleich miteinkauft. Es geht sozusagen um Sensibilisierung. Den Zweck hat sie gut erfüllt😉

      Viele Grüße
      Ludwig

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