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Innovationsmanagement in einem Großverlag – Ein Gespräch auf dem #bcnue5

3. November 2013
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logo-barcamp-nuernberg-2013Schon ist das Barcamp Nürnberg 2013 wieder rum. Schön war es, wie die letzten Jahre auch, und ich freue mich schon jetzt auf das Nächste! Barcamps sind wie Wundertüten, man weiß nie was man bekommt, aber es ist immer was drin. Ich liebe es ab und zu meine Wochenende mit anderen spannenden Leuten zu verbringen, die Lust haben auf die Auseinandersetzung, auf Diskussion, auf Horizonterweiterung.

Mein persönliches Highlight war dieses Jahr keine Session, sondern ein längeres Gespräch mit einem Innovationsmanager namens Markus Wolf. Ich nutzte die Gelegenheit mir als IT-Consultant (SharePoint) mal ausführlich erklären zu lassen, wie er arbeitet? Wie der Innovationsprozess in seinem Unternehmen konkret aussieht? Und Wolf stellte sich als auskunftsfreudiger heraus als ich es zu wünschen gewagt hätte.

Der folgende Artikel gibt stichpunktartig unser Gespräch wieder, wie das Innovationsmanagement dort im Großverlag funktioniert. Die Details habe ich in die folgenden Kapitel unterteilt:

  1. Das Unternehmen
  2. Innovationsrelevante Technik
  3. Rolle des Innovationsmanagers / Aufgaben
  4. Ablauf des Innovationsprozesses
  5. Thesen zur Durchsetzungsfähigkeit von Ideen
  6. Gründe für das Scheitern von Ideen auf dem Weg zur Innovation
  7. Fazit

***

1) Das Unternehmen

  • Großverlag
  • 20.000 Mitarbeiter global
  • 800 – 1000 Mitarbeiter in Deutschland, verteilt auf verschiedene Standorte

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2) Innovationsprozess-relevante Technik

  • Technik spielt insgesamt gar keine allzu große Rolle
  • Wichtigstes Werkzeugt sind Gespräche zwischen Produktmanagern und Innovationsmanager
  • Notizen werden in Evernote verwaltet
  • Office für Konzept und Businesspläne
  • Ideenmanagementsystem: Ein KVP-Tool ist vorhanden, eine „Innovations-Plattform“. Die genaue technische Umsetzung ist unklar, wurde nicht geklärt. Dieses KVP-Tool wird angenommen, aber nicht so wie man es erwartet hat > siehe „Ablauf“
  • Das Intranet wurde auf Basis von SharePoint umgesetzt, die Version ist unklar. Entweder SharePoint 2010, aber eher SharePoint 2013
  • Yammer als Social Network ist ebenfalls vorhanden. Yammer wurde nicht integriert in SharePoint, sondern ist ein externes Tool
  • Communities of Interest werden genutzt, die Umsetzung erfolgt mit Yammer. Die Mitarbeiter haben die Möglichkeit dort Gruppen zu gründen, die Möglichkeit wird auch genutzt. Die externe Umsetzung wird übrigens als Vorteil wahrgenommen, da sich Diskussionen von neuen Ideen nicht im „normalen“ Intranet“ abspielen, wo die Hemmung viel größer wäre die gegenwärtigen Prozesse in Frage zu stellen

***

3) Rolle des Innovationsmanagers / Aufgaben

Wolf machte folgende Angaben zu seiner Person:

  • Erfahrungshintergrund: Strategisches Marketing
  • Einstellung direkt als Innovationsmanager, kam nicht aus dem Unternehmen heraus

Die folgenden Angaben zu Rollen und Aufgaben wurden im Verlauf des Gesprächs zu unterschiedlichen Aspekten gemacht, und hier zusammengefasst:

  • Idea Driver
  • Bewertung von Ideen
  • Jeden Vorschlag und jeden Prozess hinterfragen > Der Mitarbeiter ist betriebsblind, hat keinen Überblick mehr
  • Ideen von außen in den Prozess einbringen, weiterführende Möglichkeiten aufzeigen
  • Dolmetschen
  • Probleme lösen
  • Hintergrundwissen weitergeben
  • Synergieeffekte aufzeigen
  • Communities of Interest in Yammer promoten und fördern
  • Ideen aus Communities of Interest aufgreifen und entwickeln, bis er sich selbst überflüssig gemacht hat
  • Konzepte schreiben > Unique Selling Point der Innovation herausarbeiten und Umsetzung beschreiben

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4) Ablauf des Innovationsprozesses

  • Produkt Manager spricht Innovationsmanager an
  • Diskussion und Bewertung der Idee
  • Geschäftsführer wünschen sich keine Ideen, sondern fertig ausgearbeitete Konzepte. Daher Erstellung von Konzept zur Umsetzung durch Innovations- und Produktmanager. In den Konzepten werden so gut es geht konkrete Zahlen genannt. Auch Mock-ups zur Unterstützung sind dabei Bestandteil
  • Hinzuziehung von Business Developer für konkrete Zahlen
  • Gemeinsames Herantreten an Geschäftsführer. Der Innovationsmanager befindet sich in der Rolle des Advokaten

713572Ideen werden dabei nie per E-Mail eingereicht, überhaupt werden sie fast nie in schriftlicher Form präsentiert. Die Befürchtung ist konkret der Weiterleitung der Idee, und deren unkontrollierte Verbreitung.

Wenn hingegen eine Idee in Yammer entsteht, tritt Wolf an den Produktmanager heran, oder lässt die Idee in einen anderen Prozess einfließen.

***

5) Thesen zur Durchsetzungsfähigkeit von Ideen

  • Die Qualität des Innovationsmanagements steht und fällt mit der Führung durch die Vorgesetzten, und deren Akzeptanz der Vorschläge. Sie fungieren als Gatekeeper
  • Innovationen entstehen oft spontan und ungeplant. Sie lassen sich nicht kanalisieren.
  • Jeder Mitarbeiter hat seine eigene Vorstellung und einen eigenen Weg, die Idee Wirklichkeit werden zu lassen
  • Innovationen lassen sich nicht hauptsächlich monetär kategorisieren und bewerten. Dadurch bleiben zu viele Ideen zu früh im Prozess hängen
  • Kein Problem im Unternehmen ist die Generierung von Ideen, und auch nicht die  Beurteilung von Ideen.
  • Problematisch ist das systematische Ideenmanagement bis zum Konzept, sowie und vor allem die Umsetzung der Konzepte
  • Die meisten Innovationen sind inkrementelle Innovationen, also Verbesserungen des Bisherigen
  • Das Innovationsmanagement wäre noch leistungsfähiger, wenn Eingabe und Bewertung von Ideen auch mobil möglich wäre
  • Das Innovationsmanagement wäre noch leistungsfähiger, wenn auch die Stakeholder des Unternehmens darauf zugreifen könnten, bzw. daran partizipieren könnten
  • Innovation wird lieber extern eingekauft bzw. lieber mit externen Beratern entwickeln, als intern ermöglicht

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6) Gründe für das Scheitern von Ideen auf dem Weg zur Innovation

  • Es existiert wohl ein Gegensatz zwischen Controlling und Marketing. Je höher das Gewicht des Controllings im Innovationsprozess, desto geringer die Wahrscheinlichkeit dass die Idee eine Innovation wird
  • Internes Bloggen wird vom Controlling z.B. immer skeptisch gesehen. Nach dem Motto: „Wer schreibt arbeitet nicht, sorgt also nicht für Mehrwert“
  • Controlling in seiner Logik steht für die Bewahrung des Gegenwärtigen, aber nicht für die Entwicklung des Neuen
  • Innovation durch bessere Werkzeuge wird damit verbunden verhindert durch komplizierte und mehrstufige Kauf- und Bestellworkflows
  • 30 % aller Vorschläge kassiert allein das Controlling: es fehlen die Instrumente zur Bewertung des Mehrwerts der Ideen
  • Zyklen in Business Development-Plänen: Diese Planungszyklen umfassen normalerweise (Verlagsbranche?) zwei Jahre. Zwei Jahre sind allerdings zu kurz um eine Idee zu entwickeln und nennenswerten Gewinn damit zu generieren. Je weniger inkrementell die Idee ist, umso mehr scheitert sie an solchen betriebswirtschaftlichen Ursachen.
  • Politische Gründe sind ein weiterer Grund. Förderung oder Verhinderung von Innovationen ist ein Machtinstrument
  • Interne Prozesse sind nicht geeignet für die Umsetzung von Innovationen: ein System verändert sich selten von innen heraus

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7) Fazit

Ich war etwas überrascht wie gering die Rolle der Technik im Rahmen des beschriebenen Innovationsmanagement-Prozesses insgesamt ist. Ideen stammen nicht selten direkt von den Produktmanagern, die an den Innovationsmanager herantreten.

Weiter funktioniert Yammer als Ort zum eher informellen Austausch, wohl vor allem weil es nicht direkt ins SharePoint-basierte Intranet integriert wird. Auch hier entstehen Ideen, die in den Prozess eingespeist werden, ohne dass im Gespräch geklärt werden konnte, wie der Transfer aus Yammer funktioniert.

Bemängelt wurden Probleme beim systematischen Ideenmanagement. Hier kann die (SharePoint)-basierte IT auf jeden Fall helfen. Unklar blieb allerdings ob es einfach am Fehlen eines Tools liegt, oder ob es sich um Probleme von Seiten von Organisation oder Kultur handelt, die hier was verhindern. Hinzu kommt dass es wohl schon ein KVP-Tool gibt, das angenommen wird, das aber nicht für „systematisches Ideenmanagement“ steht. Ich sehe da einen Widerspruch, den ich nicht mehr durch Fragen klären konnte.

 

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