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Fußball-Nationalmannschaft: Beispiel für Organisationsentwicklung und Innovation

27. November 2013

pic_1294515965_1Zwar bin ich IT-Consultant, aber da bekanntlich alle IT-Angelegenheiten Auswirkungen auf Organisation und Menschen haben, interessiert mich zunehmend die Wechselwirkung zwischen IT und Organisation. Das gilt natürlich vor allem für die Aspekte, die etwas mit Social Collaboration oder Wissensmanagement zu tun haben.

Die Frage, unter welchen Organisationen lebendig bleiben, sich weiterentwickeln, treibt mich nun auch schon wieder eine Weile um. Erst kürzlich verfasste ich zwei Artikel, die in diese Richtung gingen:

Ziemlich viel Spaß hatte ich in dem Zusammenhang, als mir eine Studie über die deutsche (Herren) Fußball-Nationalmannschaft in die Hände fiel: „Wir sind Nationalmannschaft (PDF hier). Kein Witz🙂 Und darin fand ich ganz ähnliche Aussagen …

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Fußball-Nationalmannschaft leidet an zuviel Homogenität

In der Studie ab Seite 43 geht es um das Qualitätsniveau der Nationalmannschaft. Wie sie zum heutigen Stand kam, und warum eine gewisse Stagnation zu beobachten ist. Und: unter welchen Umständen man deren Ursache beseitigen kann.

Die Autoren machen deutlich, dass die Nationalmannschaft in den letzten 10 Jahren sehr starke Leistungssteigerungen erzielt hatte. Aber auch dass die Qualität relativ zu anderen Teams kaum noch zunimmt, oder sogar wieder abnimmt:

Dem ökonomischen Gesetz des abnehmenden Grenznutzens zurfolge wird es mit der Zeit auch für das Team Nationalmannschaft immer aufwändiger, weitere Verbesserungen im System zu erzielen.

Die Autoren machen geltend, dass bisherige Erfolgsmodelle mit die Ursache für die Stagnation sind. Die Leistungssteigerung ginge einher mit zu großer Homogenität im Team, im Denken. Aus ihrer Sicht liegt die Lösung darin „Störungen“ zu erzeugen, die neue Ideen und abweichende Ansätze für eine Erneuerung der „Organisation“ Nationalmannschaft bringen:

Um revolutionäre Impulse zu setzen, könnten beispielsweise Experten mit den Eigenschaften eines Querdenkers wie z.B. Wolfgang Holzhäuser, Horst Hrubesch oder Jürgen Klinsmann herangezogen und zumindest zeitlich begrenzt ins Team Nationalmannschaft integriert werden. Unkonventionelles »out-of-the-box«-Denken könnte neue Impulse verleihen und einen Sprung auf die nächsthöhere Entwicklungskurve ermöglichen.

S-Kurve zur Beschreibung von Wissensreifungsprozessen / InnovationDiese „Störungen“ durch Querdenker erzeugen neue Ideen am Ende einer S-Kurve, um eine neuen Entwicklungszyklus zu erzeugen, über die ich auch schonmal im Zusammenhang mit Wikis spekulierte:

Die Hinzunahme eines Querdenkers bezweckt natürlich nicht, die Nationalmannschaft wieder in eine Phase radikalen Wandels  mit zumindest kurzfristigem Leistungseinbruch zu überführen. Dies wäre mit Blick auf das derzeitige Leistungsniveau und die im nächsten Jahr anstehende WM sicher nicht zielführend.

Vielmehr sollten analog zum Innovationsmanagement (S-Kurven-Theorie, Kaizen-Kaikaku-Konzept) Innovationssprünge in die Entwicklung eingebettet werden, die einem Schumpertschen Verständnis von »kreativer Zerstörung« bewährter Routinen gleichen. Diese Sprünge münden dann wiederum in einen evolutionären Verbesserungsprozess.

Übereinstimmung ist nicht immer ein Zeichen von Qualität

schwarzes schaf planet-wissen.deWeiter geht es mit Aussagen, die sich problemlos auf beliebige Unternehmen übertragen lassen, die meist bemüht sind Abläufe zu straffen, und transparenter zu machen:

Wie die betriebswirtschaftliche Praxis zeigt, bringt jedoch ein hoher Grad an Homogenität neben zahlreichen Vorteilen (u.a. hohe Beziehungsdichte, geringere Belastungs-, Spannungs- und Angstgefühle, hohe Kommunikationseffizienz) auch Nachteile mit sich. So kann die zu stark ausgeprägte Homogenität einer Gruppe zwar eine harmonisierende Identitätsbildung fördern, aber zugleich insbesondere die Kreativität, Wachsamkeit und Informationsverarbeitung eines Teams einschränken.

Darüber hinaus kann ein hohes Maß an Homogenität die Teamdynamik reduzieren und das »Gruppendenken« fördern, was sich in bestimmten Fällen negativ auf die Leistungsfähigkeit auswirken kann (Thomas, 1999). Als Folge werden neue Impulse verhindert und vorherrschende Denkmuster sowie verwendete Methoden nicht mehr ausreichend hinterfragt.

Und auch auf mein Lieblingsthema „Komplexität“ gehen die Autoren ein. Analog zur Komplexität der Anforderungen an Fußballspieler steigt auch die Komplexität der Anforderungen an Unternehmen und Mitarbeiter:

Allerdings hat sich in zahlreichen Studien gezeigt, dass sich insbesondere die Leistung von heterogenen Teams bei komplexen Aufgabenstellungen erhöht […] Sicherlich hat sich die Komplexität des professionellen  Fußballspiels in den letzten Jahren stark erhöht: ein Spieler muss heute in der Lage sein, sein Positionsspiel unmittelbar wechselnden Spielsystemen anzupassen und sowohl offensiv als auch defensiv zu agieren, was mitunter hohe Anforderungen an die kognitiven Fähigkeiten der Spieler stellt. In einer heterogenen Teamzusammensetzung kann daher das Risiko des »Gruppendenkens« vermindert und die individuelle Kreativität gesteigert werden.

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Fazit:

Effekt von Social Collaboration

Effekt von Social Collaboration

Für mich schält sich immer deutlicher heraus, dass eine gut designte IT-Landschaft auch ein notwendiges Werkzeug der Organisationsentwicklung ist. Social Collaboration, ernstgemeint und konsequent durchgezogen, ist eine Antwort auf komplexe Anforderungen an Unternehmen.

Gute IT ermöglicht Social Collaboration, die Raum für abweichende Ansichten bietet. Gute Social Collaboration schafft Heterogenität. Das muss nicht unterdrückt werden, das ist kein „Schaden“, sondern der Zweck des Ganzen. Gute IT erzeugt paradoxerweise auch „Störungen“ der Abläufe und Gewissheiten, erfasst sie, und kanalisiert sie wieder, damit sie zum Wohle der Organisation verwertet werden.

 

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