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IT-Wissensmanagement-Projekte: Ohne Entwicklung der Führungskräfte oberflächlich

13. Januar 2014

2Kürzlich stieß ich drüben auf BlendedSolutions auf einen interessanten Beitrag, der die Rolle der Lehrer im Lernprozess beleuchtet: Die Kompetenz des Lehrers entscheidet, wie Neue Medien / Social Media verwendet werden. Zwar ist BlendedSolution im Bildungsbereich verortet, trotzdem habe ich sofort Parallelen für unsere IT-Wissensmanagement-Projekte gesehen, wie ich es auch schon im Artikel zum Design eines Digital Workplace skizziert habe.

Werner Sauter betrachtet die Erfolgsaussichten des Einsatzes Neuer Medien im Unterricht. Er zitiert Klaus Zierer in der FAZ, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen Strukturmaßnahmen und dem Lernerfolg gibt. Er kommt zu der Schlussfolgerung, dass es auf die Qualität des Unterrichts und somit auf die Kompetenzen der Akteure ankommt.

Zitat Sauter, der aus meiner Sicht wichtigste Absatz in Gänze, Hervorhebungen von mir:

Nach Zierer sind im schulischen Kontext deshalb die Lehrpersonen entscheidend. Dabei hebt er hervor, dass nicht die Erfahrung („Dienstjahre“), sondern die Expertise der Lehrer entscheidend ist. Diese „Expertenlehrer“ unterscheiden sich vor allem durch ihr Wertesystem von nur „erfahrenen“ Lehrern, durch ihre Dialogbereitschaft, Leidenschaft und damit ihre Kompetenz. Sie initiieren häufiger die Bearbeitung herausfordernder Aufgaben auf dem Niveau des Transfers und des Problemlösens, also Kompetenzentwicklungsprozesse, während Lehrer ohne Expertise meist auf dem Niveau der Reproduktion und Reorganisation von Wissen agieren („Nürnberger Trichter“). Anstatt ständig Strukturreformen anzumahnen benötigen wir deshalb Veränderungsprozesse im Bildungsbereich unter Einbeziehung aller Akteure.

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Vergleichbarkeit von Schulen und Unternehmen

Diese Situation ist auf IT-Wissensmanagement-Projekte sehe ich aus folgenden Gründen übertragbar:

  • Strukturmaßnahmen ist ein allgemeiner Begriff. Darunter fallen sowohl organisatorische als auch technische Aspekte durch die Bereitstellung von Neuen Medien / Social Media
  • Die Situation ist vergleichbar: Sowohl in Schulen als auch Unternehmen werden neue IT-Werkzeuge eingeführt, die Lernprozesse verbessern sollen
  • Die IT-Werkzeuge stehen nicht für sich allein. Sowohl im Schulkontext als auch im Unternehmen werden Rahmenbedingungen gesetzt, die über die Verwendung der Werkzeuge entscheiden (Zeitpunkt, Zweck …)
  • Die Herangehensweise ist die gleiche: Geht es beim Einsatz nur um „Reproduktion und Reorganisation“ von Wissen, oder geht es um Lernen i.S.v. „Problemlösen“ und „Komptenzentwicklung“?
  • Verantwortlich für die Herangehensweise sind die Führungskräfte, ob Lehrer oder Manager

Schlussfolgerung:

Ich sehe mich durch solche Erkenntnisse aus dem lernpsychologischen Umfeld in der Annahme bestätigt, dass wir IT-Wissensmanagement-Projekte über das Basisniveau von Datenbanken / Knowledge Stocks nicht erfolgreich gewuppt bekommen, wenn wir die Kompetenz der Führungskräfte nicht gleich mit entwickeln. Die Führungskräfte erzeugen die Rahmenbedingungen, wie die Werkzeuge letztlich eingesetzt werden.

Mir wäre dabei wichtig zu betonen, dass ich nicht von „Schulung“ spreche! Gegenstand einer Schulung ist meist doch nur welche Funktionen es gibt, und wie sie zusammenhängen. Kompetenzentwicklung dagegen meint hier als Gegenstand, was man damit machen kann, und wie entsprechend gesteuert wird.

Das ist auch umgesetzt in diesem Design, um Lernen am Arbeitsplatz zu planen:

Modellentwurf für Lernen, Wissensmanagement und Innovation im Arbeitsprozess (1)

Modellentwurf für Lernen, Wissensmanagement und Innovation im Arbeitsprozess (1)

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UPDATE 30.1.2014: Mir fällt gerade ein dass diese Gedanken sehr gut zu früheren Überlegungen zur Enterprise 2.0-Führungskultur passen: Der Weg zur Vertrauenskultur

 

One Comment leave one →
  1. 30. Januar 2014 10:01

    Danke für den lesenswerten Artikel. Der Blick auf die Führungskräfte erscheint mir in letzter Zeit viel zu kurz zu kommen. Statt dessen dreht sich die Diskussion immer häufiger um den „Mitarbeiter 2.0“. Aber solange das mittlere und das Top-Management nicht glaubhaft hinter Wissensmanagement- und Social-Software-Projekten steht, sind solche Projekte zum Scheitern verurteilt.

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