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Studie: Teilen von implizitem Wissen ist mit IT möglich, aber Belege fehlen noch immer

3. April 2014

UnbenanntMein geschätzter Kollege Behdad steckte mir vor ein paar Tagen eine Studie aus dem Jahr 2013 zu (Link zur PDF), die ich wirklich interessant fand, und die Kernaussagen hier gern kurz wiedergeben möchte.

Kernfrage der Studie:

Welche wissenschaftliche Debatten gibt zur Frage, ob das Teilen von impliziten Wissen durch IT möglich und leichter ist?

Ergebnis:

Es gibt zwei Schulen. Die eine stellt diese Möglichkeit der IT grundsätzlich in Frage, ist aber die Minderheit. Die Mehrheit bejaht das.

Es existieren im wissenschaftlichen Diskurs zwar signifikante theoretische Ansätze, warum das Teilen von impliziten Wissen möglich ist. Aber es fehlen erstaunlicherweise empirische Belege, dass das wirklich so ist.

***

Das hat mich doch sehr überrascht. Die Studie ist eine Literaturstudie, und evaluierte welche Studien es zum Thema gibt, um ein möglichst vollständiges Bild zum aktuellen Forschungsstand zu bekommen. Angesichts der seit Jahren währenden Diskussion in der IT-Branche über ROI von Social Media / Web 2.0 im Intranet hätte ich empirische Belege erwartet.

Wenn man ehrlich wäre, müsste man dem Kunden also sagen dass wir zwar begründete Annahmen haben, warum das eine tolle Sache für das Unternehmen ist. Aber dass es wissenschaftlich bis heute nicht belegt ist. Macht mir persönlich kein gutes Gefühl.

***

Die Literaturstudie zeigt, dass die meisten angenommenen Schwierigkeiten eine zusätzliche organisationale Dimension haben, das Teilen von impliziten Wissen überhaupt zuzulassen:

  • Mechanismen des Teilens
  • Ausprägung des Impliziten (in Abgrenzung zu Explizitem Wissen)
  • Verwendete Medien und soziale Verwendung
  • Mangel an Vertrauen

Folgende Fragen werden in der Conclusion für weiterführende Forschung vorgeschlagen:

  1. How and to what extend are social web toos effective in faciliating tacit knowledge sharing?
  2. What are the potentials of social web technologies in this regard?
  3. How do social web platforms comply with the requirements of tacit knowledge sharing?
  4. What is needed to improve the capacity of social web initiatives in this regard?
  5. What are the capabilities of different social web tools?
  6. What are the barriers (technical, legal, motivational…)

Ich hätte ja erwartet dass wenigstens die Fragen 5 und 6 bereits erschöpfend beantwortet wären. Zumal ich hier keine Möglichkeit sehe empirische Belege zu liefern. Aber anscheinend ist dem nicht so …

 

7 Kommentare leave one →
  1. 3. April 2014 13:58

    Diskussion auf Facebook zum Artikel:

    R.R. Hm, interessant. Wenn es aber so ist, dass das Wissen ja deshalb ‚implizit‘ oder ’stilles Wissen‘ genannt wird, da die Träger des Wissens nicht fähig sind dieses Wissen in Worte zu packen und somit zu beschreiben, dann besteht die einzige Möglichkeit, sich das Wissen zu erwerben doch im ‚Learning by doing‘, oder?
    Wie sollen denn unsere IT Kommunikationsmethoden, dieses Problem lösen? Sie ändern ja die Art der Kommunikation nicht, sondern nur das Medium. Wenn mir aber die Worte fehlen, ist es egal ob ich sie hätte offline oder online NICHT sagen können.
    Oder verwechsle ich hier was

    M.L.H. Hi, die Frage, die du stellst, wird auch von den Wissenschaftlern aufgeworfen. Das war auch mit der Erwähnung der beiden „Schulen“ gemeint. Die eine meint dass das Teilen impliziten Wissens via IT grundsätzlich nicht möglich ist, nur interpersonal. Allerdings ist das die kleinere Gruppe, und deren Veröffentlichungen sind auch nicht mehr die aktuellsten. Die andere Gruppe geht davon aus dass das geht, wenn auch nicht ganz so effektiv wie interpersonal.

    R.R. Stimmt, steht ja im Text Dann gehöre ich, im Moment, wohl der kleineren Gruppe an…
    Wenn du nicht weißt, was du sagen sollst oder wie, dann ist das wohl unabhängig vom Medium. Jedenfalls bisher… eine Technologie, die Gedankenverschmelzung erlaubt, würde das Problem lösen. Dann kann ich ‚Gefühltes‘ kommunizieren.

    M.L.H. PS: ein bisschen undurchsichtig fand ich in der Studie, was denn nun implizites Wissen sei, bis zu welchem Grad, und ob es um tacit > tacit-Übertragung, oder um tacit > explicit > tacit geht. Tacit > Explicit ist ja kein Problem mit IT

    R.R. Stimmt, da sollte natürlich im Vorfeld klar eine Übereinstimmung gefunden werden. Für mich ist tacit = tacit. Wenn tacit > explicit gehen würde, dann wäre es doch von Anfang an explicit, oder?

  2. 3. April 2014 20:51

    Aber ist bei dem Gespräch über Facebook nicht bereits implizites Wissen ausgetauscht worden? R.R. hat erkannt, dass er zur kleineren Gruppe gehört, was ihm vorher nicht unbedingt klar war. Natürlich hätte man das auch über ein Gespräch klären können. Hier ist es aber über das Netz geschehen.

    • 12. April 2014 10:01

      Christopher, da bin ich ganz klar deiner Meinung.

      Das Problem mit der Studie ist aus meiner Sicht, dass zwar deutlich gemacht wird, was implizites Wissen ist, aber nicht wie genau jetzt die Vermittlung von implizitem Wissen definiert wird. Zumal es eine Metastudie ist, und jede darin ausgewertete Studie wiederum im Detail abweichende Grundannahmen voraussetzt.

      Als weiteres Problem nehme ich wahr, dass nicht hervorgeht, warum diese Belege denn fehlen? Hat es einfach noch keiner gemacht? Gibt es Schwierigkeiten den Gegenstand zu operationalisieren? Ich weiß es nicht.

  3. 3. April 2014 20:58

    Wesentlich interessanter würde ich die Frage finden, wie weit man diese Vermittlung von impliziten Wissen ausdehnen kann. Solange sich ein kleines Team über Themen unterhält ist das noch relativ einfach und das Medium im Prinzip egal, ermöglicht aber natürlich die Kommunikation über große Entfernungen. Was passiert aber wenn man sich in großen Gruppen bewegt? Beispielsweise Wissensvermittlung in Konzernen. Ich fürchte, dass da die Social Tools an ihre Grenzen stoßen.

    • 12. April 2014 10:02

      Genau das ist aus meiner Sicht der Gegenstand der Metastudie: Vermittlung von implizitem Wissen mit Hilfe von Social Media – darunter verstehe ich unausgesprochen auch über die Grenzen von Raum und Zeit hinweg, in tendentiell größeren Gruppen

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