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Teambildung mit Spaghetti, Scrum mit Klopapier – #bcnue6

27. April 2014

Logo Barcamp Nürnberg 2014Auf dem Barcamp Nürnberg 2014 dieses Wochenende (#bcnue6) hatte ich wieder eine ziemlich spannende und gute Zeit. Abwechslungsreich war es – wie immer – auch. Zum Teil ging es um so „trockene“ Themen wie Open Government aus der Sicht der Nürnberger Verwaltung. Für mich ein spannendes Thema, da ich eine Menge Parallelen sehe zwischen der Partizipation von Bürgern am Gesetzgebungsgeschehen, und der Partizipation von Mitarbeitern an den Unternehmensprozessen.

Sehr viel lustiger war allerdings das Finale am Sonntag Nachmittag mit Jolanta (@wowolek). Jolanta ist ausgebildete Trainerin, und hielt gleich zwei Sessions hintereinander: „Wie baue ich ein Team mit 20 Spaghetti?“ und „Scrum mit Klopapier“.

***

Wie baue ich einen Turm mit 20 Spaghetti?

BmOiR6WIMAA3IEUIn der ersten Session wurde uns eine Aufgabe gestellt, um die klassischen Anforderungen der Projektarbeit spielerisch zu üben: Mit Fremden ein Team zu bilden, schnell zu performen, und das geforderte Ergebnis zu liefern. In Zeit, natürlich.

Das Foto links zeigt welche Materialien wir zur Verfügung hatten, um die Aufgabe zu erfüllen:

Baue mit deinem Team in 18 Minuten einen Turm mit dem Marshmellow an der Spitze, der von alleine steht.

Klingt simpel, aber das war natürlich nicht der Sinn der Übung. Sehr viel interessanter war natürlich die Frage, wie sich vier einander unbekannte Menschen unter Zeitdruck organsieren. Arbeitet das Team kooperativ? Verhält sich jemand dominant? Falls ja, wie reagieren die anderen?

Es waren zwei von vier Teams, deren Turm tatsächlich stand, drei die kooperativ an die Sache rangingen, und eines, in dem zwei Leute von Anfang an recht dominant vorgingen, und den Rest des Teams vor vollendete Tatsachen stellten. Deren Turm stand, aber das Team hätte unter realen Bedingungen das Projekt wohl nicht überlebt. Nach dem Teambildungsmodell (Forming > Storming > Norming > Performing) wurden wohl die Phasen Storming und Norming übersprungen, und von zwei Teammitgliedern gleich mit Performing begonnen. Die Konfliktphase kam dann eben hinterher, und umso stärker😉

Siehe Foto: So sah eins der Ergebnisse aus, kooperativ und erfolgreich. Thorsten Maue hat auch schon darüber geschrieben (Foto von Doris Schuppe, @DoSchu):

Baue einen Turm aus 20 Spaghetti

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Scrum mit Klopapier

Sehr unterhaltsam war auch die zweite Aufgabe in der zweiten Session, um spielerisch die Projektmanagement-Methode Scrum einzuüben.

Ziel war es, als Team in einer vorgegebenen Zeit möglichst viele Klopapierkügelchen von einer Tüte in die andere zu packen. Unter der Bedingung, dass jede Kugel von jedem berührt würde.

10173726_10201697334062830_525829386188445698_nIm ersten Schritt mussten wir in 1,5 Minuten soviele Papierkügelchen wie möglich erstellen. Dann sollten wir uns einigen wie viele Kügelchen wir wohl in 2 Minuten durch alle Hände reichen könnten – Kugeln, die auf den Boden fielen, waren Ausschuss! Das probierten wir aus im ersten „Sprint“. Und zum Abschluss verglichen wir ob wir unsere Erwartung unter- oder übererfüllten.

Drei von vier Teams übererfüllten ihre Erwartungen schon in der ersten Runde, und steigerten die Erwartung gleich in der nächsten Runde – wir machen drei solcher „Sprints“.

Interessanterweise fingen alle Teams sofort nach dem ersten Sprint mit der Analyse an, wie sich die Prozesse verbessern lassen: sowohl das Erstellen der Kügelchen, als auch die Weitergabe der Kügelchen.

Dazu gehörte auch, dass die meisten Teams sich an den anderen orientierten, wie die die Aufgaben angingen, um das eigene Vorgehen zu optimieren. Jolanta meinte: Sehr gut, sinnvoll, im wahren Projektgeschehen sollte das auch passieren.

Moral von der Geschicht?

Ich weiß es um ehrlich zu sein nicht recht. Die Zeit war nach meinem Empfinden kurz um zu diskutieren, was wir da eigentlich gelernt hatten – abgesehen vom Muster „Plan > Lieferung im Sprint > Reflektion > Verbesserung > nächster Sprint“. Folgende Bemerkungen aus der Gruppe sind mir im Gedächtnis geblieben:

  • Das Lerntempo war hoch: In einem Team war die Schätzung erst 90 Kügelchen, dann 170, dann 240, und wurde jedesmal übertroffen. Iteration hat hier eindeutig funktioniert
  • Team A: Am Anfang war der Ausschuss hoch, wurde von Sprint zu Sprint niedriger
  • Team B: Je größer die Geschwindigkeit, desto höher der Ausschuss. Also von Sprint zu Sprint
  • Zum Schluss des Sprints wurde es schwieriger „zu liefern“ (war hier so, da die Kügelchen in der Tüte lagen, und zunehmend aus den Falten der Tüte gezogen werden mussten

***

Jolanta war so liebenswürdig, mir am 29.4.2014 über Facebook folgende Ergänzung zu schreiben:

Die Session „Scrum mit Klopapier-agiles Lernen“ habe ich aus zwei Gründen angeboten: Mein Ziel war einerseits, genau wie Du es auch geschrieben hast, „spielerisch“ Scrum als Projektmanagement-Methode vorzustellen. Ich treffe in der Praxis immer wieder Leute, die sich nicht wirklich vorstellen können was heißt es eigentlich „agil“ zu arbeiten. Oder wie sich agiles Vorgehen von klassischen Projektmanagement unterscheidet.

In den Klopapier-Spiel haben wir vor allem die wichtigste Schritte kennengelernt und live ausprobiert:

  • Teams, die parallel arbeiten und von einander lernen, vor allem während der Arbeit (einige von Euch haben während der Aufgabe das Vorgehen der anderen Teams beobachtet und in eigenen Prozess die Elemente intergiert)
  • Teams, die in der Lage sind selbständig und eigenverantwortlich die selbst-definierte Prozesse/Vorgehen zu optimieren (durch Reflektion und ggf. Implementierung der Verbesserung des Vorgehens nach jeden weiteren Sprint)
  • Die Verantwortung für die „Aufgabe“ bzw. Ergebnis zu übernehmen und als Team gemeinsam die Ziele für nächsten Sprint zu definieren und zu erreichen unter der Qualitätsabnahmekriterien (hier war die Kernaufgabe das verbindliche Ziel für jedes Sprint zu definieren – wie viel Kugeln sind wir in der Lage zu produzieren und zu liefern)

Der zweite Grund, warum ich diese Session angeboten habe, war die Session „Agile Verträge“ die am Tag davor stattgefunden hat. Dort hat sich herausgestellt ( wie ich auch in der Praxis bereits beobachten konnte), dass „Schätzen“ von Aufwand das ein „Sprint“ verursacht bzw. die agile Teams reinstecken müssen um eine Aufgabe zu erledigen, eher schwer zu schätzen ist – vor allem mit wenig Erfahrung mit agilen Projektmanagement Methoden.

Wir haben in den Klopapierspiel gesehen worauf es, wenn es um „Schätzen“ geht ankommt:

  • In wie weit kann ich mein Vorgehen/Prozess als Team optimieren um bestmöglichen Ergebnis zu erziehen (unter der Einhaltung der Qualitätsanforderungen)
  • Wo liegen die Optimierungsgrenzen (das Verhältnis zwischen den Anzahl der Kugeln die ein Team liefert und den „Ausschuss“ in den jeweiligen Sprint)

Aus meiner Sicht war das eine sehr lehrreiche und spannende (und vor allem lustige ) Session für diejenigen die Grundlagen von agilen Vorgehen kennenlernen wollten.

3 Kommentare leave one →
  1. julia permalink
    28. April 2014 13:15

    das hört sich nach jeder menge spaß und großem lernerfolg an🙂

  2. 28. April 2014 13:17

    Großer Spaß ja, beim Lernerfolg zu Scrum bin ich mir noch nicht so sicher. Jolanta hat schon zugesagt die „Moral von der Geschicht´“ hier als Kommentar nachzuliefern🙂

Trackbacks

  1. blog.fohrn.com | barcamp 2014 – ein Rückblick

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