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Metaphern: Eis, Wasser und Dampf als Aggregatszustände der Collaboration

19. Mai 2014

Anlass des Artikels

Eine bildhafte Sprache finde ich als IT-Consultant sehr nützlich, um Kunden (und unternehmensinternen Stakeholdern) einen Gedanken zu verdeutlichen. Kürzlich diskutierte ich mit einem Kollegen über verschiedene Steuerungsmodi von Zusammenarbeit im Unternehmen / Intranet. Ich wollte auf den Punkt bringen, dass es bei einem bestimmten Kunden Collaboration-Ansätze gibt, die sich mit einem hierarchischen Steuerungsmodell managen lassen, sie aber keinen Plan haben, wie sie managen sollen, wenn die Collaboration mehr in Richtung Selbstorganisation und Eigenverantwortung geht. Und wie man das dem Kunden wohl vermitteln könnte …

In der Situation kam mir die Wasser-Analogie in den Sinn: Unterschiedliche „Aggregationszustände“ von Collaboration im Unternehmen erfordern unterschiedliche Steuerungsansätze, die Auswirkungen auf das Selbstverständnis von Geschäftsleitung und Management haben.

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Formen der Aggregation von Wasser

1. Eis

(c) pixelio.de > Simone Hainz

(c) pixelio.de > Simone Hainz

Eis ist fest, und statisch (solange es nicht schmilzt). Die Wassermoleküle als Systembestandteile verhalten sich statisch zueinander, sie bewegen sich nicht. Sie bleiben die ganze Zeit in der gleichen Zuordnung zueinander, im gleichen Kontext. Bei Eis gibt es für die Systembestandteile keine Überraschungen.

Eis steht für reglementierte Collaboration-Lösungen. Eine eAkte wäre ein Beispiel, oder das was man als Wissensmanagement-Dabenbank bezeichnet. Lösungen, die auf vordefinierten Kontext der Inhalte setzen, Workflows, eindeutigen Input und Output.

 

2. Wasser (flüssig)

(c) pixelio.de > Dieter Hopf

Wasser über 0 C°, vor dem Siedepunkt, ist demgegenüber nicht statisch, sondern flüssig. Wasser kann ruhen (z.B. in einem See), aber auch in Bewegung geraten. Im flüssigen Zustand sind die Wassermoleküle als Systembestandteile nicht statisch zueinandern, sondern dynamisch. Sie ändern ihre Position andauernd, wenn sie in Bewegung geraten.

Wasser steht für Collaboration-Lösungen, die mehr auf Eigenverantwortung und Selbstorganisation setzen. Die Grundidee der Wikis ist ein gutes Beispiel dafür. Wasser hat Struktur, aber auch Dynamik, wenn es in Bewegung kommt. Wasser sucht sich seinen Weg, und füllt Zwischenräume aus, die statische Rahmenbedingungen offenlassen. Mit zwei Wiki-Artikeln von 2012 habe ich das im Grunde bereits ausführlicher beschrieben: hier und hier.

3. Dampf

(c) pixelio.de > Reiner Schedl

(c) pixelio.de > Reiner Schedl

Und Dampf demgegenüber ist strukturlos. Die Wassermoleküle als Systembestandteile verhalten sich chaotisch zueinander. Die Wassermoleküle haben nach wie vor eine Menge Dynamik, aber dafür kaum noch Zusammenhang. Sie hängen noch lose aneinander, aber mit der Tendenz zur Auflösung der Struktur.

Dampf wiederum steht aus meiner Sicht für Collaboration-Lösungen, in denen einerseits zwar Aktivität vorhanden ist. Allerdings Lösungen, die wahlweise nicht integriert in ein technisch-organisationales Gesamtkonzept sind, und/oder in denen aufgrund eines fehlenden Community Managements kein Austausch über lokale Grüppchen hinweg entsteht. Dampf ist zu vermeiden.

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Steuerung der Aggregationsformen von Wasser

Eis ist leicht zu „steuern“, gerade weil es keine Dynamik hat und die Bestandteile statisch zueinander sind. Eis lässt sich sägen, Eis lässt sich stapeln und lagern, egal ob in einem Keller oder in einer gekühlten Halle, oder sogar in einem gekühlten LKW.

Wasser hingegen ist nicht statisch, sondern prinzipiell dynamisch. Selbstverständlich kann man es lagern, z.B. in Tanks oder gleich in Seen. Aber wenn Wasser mal in Bewegung gerät kann man nicht mehr Lagerung sprechen. Wasser sucht sich seinen Weg. Doch man kann steuern wie und wohin das Wasser fließt.

Und das ist die Besonderheit: durch die reine Lagerung von Wasser (Im Unternehmen: der Lagerung von Wissen) ist noch kein Mehrwert erzeugt. Aber Wasser in Bewegung bringt Mehrwert! Wasser lässt sich durch Kanäle u.ä. in eine bestimmte Richtung bringen, wo es z.B. ein Wasserrad oder gleich ein Wasserkraftwerk wie z.B. das am Walchensee antreibt.

Dampf schlussendlich lässt sich kaum steuern. Den meisten werden sofort Dampfturbinen einfallen, mit denen sich Dampf nutzen lässt. Das Bild der Dampfturbine passt sogar insofern ins Bild ja, als dass die Turbine im Gegensatz zum Kanal ein technisch sehr viel höherer Aufwand ist, um die Energie des Dampfs zu nutzen. „Dampf“-Collaboration will man nicht im Unternehmen.

Analogien zu Steuerungsmodellen

Wir im Deutschen sprechen immer von „Führung„, während im Englischen fein zwischen Management und Leadership unterschieden wird. Im Deutschen wird beides auch gern mal verwechselt oder in einen Topf geworfen (so wie „gaming“ und „playing“ hierzulande nur als „spielen“ bezeichnet wird)

Management

Management passt zu Eis. Wikipedia definiert Management so:

Zu den typischen Funktionen oder Aufgaben des Managements in Unternehmen und Organisationen gehört die Planung, Organisation, Führung und Kontrolle (im Sinne von Erfolgskontrolle).

Planung und Kontrolle. Klingt wie der Betrieb einer Maschine, oder? Klingt aber nicht nach der Steuerung von Menschen, die miteinander dynamisch arbeiten. … Wenn man statt „Management“ nun „Unternehmensführung“ nimmt, führt einen folgender Satz schon in Richtung „Leadership“:

In den Sozialwissenschaften bezeichnet dieser Begriff planende, koordinierende und kontrollierende Tätigkeiten in Gruppen und Organisationen. in wichtiger Teilbereich der Führung ist die Menschenführung.

Ich lese hier vor allem „Menschenführung“ und „Koordination“ …

Leadership

Leadership hingegen passt besser zu flüssigem Wasser. Bei der Suche nach Leadership leitet einen die Wikipedia gleich weiter zu Führung:

… die Bedeutung „leiten“, „die Richtung bestimmen“, „in Bewegung setzen“ …

Eine Richtung zu bestimmen und zu leiten klingt schon sehr nach „Wasser“, oder? Bei der Suche in der englischen Wikipedia wird es noch interessanter:

Leadership has been described as „a process of social influence in which one person can enlist the aid and support of others in the accomplishment of a common task“. For example, some understand a leader simply as somebody whom people follow, or as somebody who guides or directs others, while others define leadership as „organizing a group of people to achieve a common goal“.

Fazit (tl;dr)

Ohne Leadership als Führungsverständnis kann ein Unternehmen den Mehrwert der Dynamik von „Wasser“-Collaboration nicht heben. Die Dynamik wird schlicht nicht entstehen.

Umgekehrt werden Unternehmen, die Führungsverständnis und organisationale Struktur dahingehend weiterentwickelen, mit höherer Produktivität, Kreativität, Lernfähigkeit und Innovativität belohnt.

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Update 23.5.2014: Über eine Kommentardiskussion auf Google+ registrierte ich dass Michael Gisiger vom Wortgefecht-Blog die gleiche Metapher für die Beschreibung von Wissen verwendet hat: hier entlang

 

2 Kommentare leave one →
  1. 20. Mai 2014 20:24

    Interessante Metaphern-Arbeit!

    Siehe auch die Metaphern Knowlegde As A Resource/Asset/Property/Water/Love
    in „Stuff or love? How metaphors direct our efforts
    to manage knowledge in organizations“ von Daniel G. Andriessen (http://www.researchgate.net/publication/229049883_Stuff_or_love_How_metaphors_direct_our_efforts_to_manage_knowledge_in_organisations)

    Das/wie auch mit der Wasser-Metapher sehr viel möglich ist, wird bald in einem Handbuch zu sehen sein, an dem ich mitarbeite.

    • 20. Mai 2014 20:34

      Freut mich dass dir die Metaphern gefallen, Annette. Habe im Büro selten erlebt dass meine Kollegen derart offen für meine Argumentationsmuster waren. Bilder helfen, habe ich damit gelernt, nicht gute Argumente als solche. Bzw. dass Bilder / Metaphern der Einstieg sind, die Zuhörer für die Argumente zugänglich machen.

      Auf dieses erwähnte Handbuch bin ich schon gespannt, bin mir sicher dass man einiges daraus lernen kann.

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